Hüftarthrose, Bewegung

Hüftarthrose: Bewegung lindert Schmerzen nur um 7 von 100 Punkten

Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 06:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Cochrane-Auswertung beziffert die wahrscheinliche Schmerzminderung auf rund sieben von 100 Punkten; die Bewegungsempfehlung bleibt bestehen.
Ein sonniger, leerer Parkweg in einer grünen Landschaft als Symbol für Bewegung und physische Aktivität. Illustration mit AI erstellt.

Körperliche Aktivität gilt in medizinischen Leitlinien seit Langem als zentraler Pfeiler bei der konservativen Behandlung von Hüftarthrose. Eine systematische Cochrane-Übersichtsarbeit der Universitäten Sydney und Melbourne vom 22. Juli 2026 zeigt jedoch, dass die schmerzlindernde Wirkung von Bewegungsprogrammen moderater ausfällt als bislang oft angenommen.

Bewegung senkt den Schmerz bei Hüftarthrose demnach wahrscheinlich um rund 7 Punkte auf einer 100er-Skala. Als Schwelle für einen für Betroffene spürbaren Unterschied gelten in der Forschung hingegen mindestens 12 Punkte.

Trotz dieses verhältnismäßig geringen Effekts bleibt die fachliche Empfehlung bestehen, Bewegung als Erstlinientherapie einzusetzen. Zugleich fordern die Verfasser der Übersichtsarbeit größere und methodisch besser konzipierte klinische Studien, um die tatsächliche Wirksamkeit zielgerichteter Trainingsansätze präziser zu bestimmen.

Begrenzte Effekte auf Schmerz und Lebensqualität

Für die Cochrane-Analyse werteten die Forscher 18 klinische Studien mit insgesamt 1.368 Teilnehmern aus. Der Frauenanteil lag bei 63 Prozent, das Alter der Probanden bewegte sich zwischen 53 und 74 Jahren. Die untersuchten Bewegungsprogramme erstreckten sich über Zeiträume von 2 bis 52 Wochen.

Neben der Schmerzreduktion untersuchten die Wissenschaftler auch die Gelenkfunktion und die Lebensqualität. Bei der Beweglichkeit und Funktionsfähigkeit zeigte sich ein ähnlicher Trend wie beim Schmerzempfinden, während die Lebensqualität durch die Programme kaum oder gar nicht verbessert wurde. Das Krankheitsbild betrifft weltweit rund 600 Millionen Menschen.

In einer am 11. Oktober 2026 vorgelegten Roadmap einer internationalen Autorengruppe im Fachjournal The Lancet wird prognostiziert, dass die globale Zahl der Betroffenen bis 2050 auf eine Milliarde Menschen ansteigen könnte.

Zwischen 1990 und 2023 stieg die Zahl der mit Behinderungen verbrachten Lebensjahre durch Arthrose um 65 Prozent. In Marktwirtschaften verursachen die Erkrankungen Kosten von 1 bis 2,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Derzeit erhalte jedoch nur die Hälfte der Erkrankten eine angemessene Versorgung.

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Die Autoren formulierten drei Prioritäten: bessere nationale Daten und politische Verankerung, bezahlbare und personenzentrierte Primärversorgung sowie die Eindämmung von Risikofaktoren wie Übergewicht und Verletzungen im Sport oder Beruf.

Konservative Maßnahmen und klinische Leitlinien

Auch die Leitlinie 2026 zur konservativen Versorgung von Hüft- und Kniearthrose bei Erwachsenen ab 18 Jahren der US-amerikanischen Behörden VA und DoD betont abgestufte Maßnahmen. Während eine Gewichtsabnahme bei adipösen Patienten mit Kniearthrose stark empfohlen wird, gibt es bei Hüftarthrose lediglich eine schwache Empfehlung dafür.

Adipositas wird ab einem Body-Mass-Index von 30 kg/m² definiert, Übergewicht ab 25 bis 29,9 kg/m². Von Routineuntersuchungen per MRT, CT oder Ultraschall zur Diagnosestellung rät die Richtlinie schwach ab.

Beim Einsatz von Medikamenten setzt die Leitlinie eine Obergrenze von maximal 4 Gramm Paracetamol pro Tag fest. Nichtsteroidale Antirheumatika einschließlich COX-2-Hemmern sollten bei einer geschätzten glomerulären Filtrationsrate von unter 30 ml/min/1,73 m² gemieden werden.

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Bei gastrointestinalen Risiken werden Magenschutzpräparate wie PPI oder Misoprostol empfohlen. Duloxetin wird als Alternative oder Zusatzoption aufgeführt. Bildgesteuerte Kortikosteroid-Injektionen in die Hüfte sollten spätestens drei Monate vor einem geplanten Gelenkersatz nicht mehr verabreicht werden.

Experten raten bei fortschreitenden Beschwerden zu einer sorgfältigen Abwägung vor einer Operation. Fachärzte verweisen darauf, dass zunächst konservative Schritte wie Physiotherapie, gezielter Muskelaufbau und Entzündungshemmer ausgeschöpft werden sollten. Ein Einstieg in die Aktivität kann bereits mit zehn Minuten Gehen pro Tag erfolgen, mit einem Ziel von 30 bis 60 Minuten täglicher Bewegung sowie begleitendem Krafttraining.

Belastbarkeit nach einem operativen Gelenkersatz

Lässt sich ein operativer Gelenkersatz nicht vermeiden, spielen muskelschonende Operationsverfahren eine wachsende Rolle. Bei Zugängen wie der minimalinvasiven AMIS-Methode erfolgt der Schnitt von vorne zwischen den Muskellücken, ohne Muskelgewebe zu durchtrennen. Dies ermöglicht oft eine erste Mobilisation rund vier Stunden nach dem Eingriff bei einem Klinikaufenthalt von drei bis sieben Tagen.

Nach etwa vier Wochen ist das Gehen ohne Hilfsmittel möglich, sportliche Alltagsaktivitäten können meist nach 8 bis 12 Wochen wieder aufgenommen werden.

Dass ein künstliches Hüftgelenk sportlicher Betätigung langfristig nicht im Wege steht, belegt eine Dissertation von Jakob Vangen Nordbø am norwegischen Akershus universitetssykehus.

In der Untersuchung zeigte sich neun Jahre nach einer Hüftoperation kein Zusammenhang zwischen einem hohen Maß an körperlicher Aktivität und einer Lockerung des Implantats oder der Notwendigkeit einer Nachoperation. Patienten, die reoperiert werden mussten, wiesen zuvor sogar ein niedrigeres Aktivitätsmaximum auf.

Rund zehn Jahre nach der Implantation lag das Aktivitätsniveau der Prothesenträger im Schnitt höher als in der Normalbevölkerung, und 63 Prozent erfüllten die allgemeinen Bewegungsempfehlungen. Langzeitdaten über 30 Jahre hinweg belegen, dass die Prothese bei 92 Prozent der Patienten stabil hält.

In Norwegen erhalten jährlich über 10.000 Menschen ein künstliches Hüftgelenk. Anstelle pauschaler Warnungen plädieren Fachleute daher dafür, Operierte nach der Heilungsphase zu regelmäßiger Bewegung zu ermutigen.

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