Hüftarthrose: 18 Studien zeigen nur 7 Punkte weniger Schmerz auf 100
Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 08:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deKörperliche Aktivität gilt in der konservativen Orthopädie seit Langem als zentrale Säule bei der Behandlung von Gelenkverschleiß. Eine wissenschaftliche Übersichtsarbeit der Cochrane Collaboration, erstellt von Forschenden der Universitäten Sydney und Melbourne, ordnet das Ausmaß dieses Nutzens bei Hüftarthrose nun nüchtern ein.
Der Analyse zufolge führt gezielte Bewegung zwar zu einer messbaren Linderung der Beschwerden, der durchschnittliche Effekt bleibt jedoch hinter dem zurück, was Patientinnen und Patienten im Alltag in der Regel als spürbare Besserung wahrnehmen.
Geringere Schmerzlinderung als für spürbaren Nutzen nötig
Die Autoren der Cochrane-Übersichtsarbeit werteten Daten aus 18 klinischen Studien mit insgesamt 1.368 Teilnehmenden aus. Die Gruppe setzte sich zu 63 Prozent aus Frauen im Alter von 53 bis 74 Jahren zusammen, während die Dauer der untersuchten Trainingsprogramme zwischen 2 und 52 Wochen lag.
Im Ergebnis verringerte das Training die Schmerzen um etwa 7 Punkte auf einer Skala von 100. Für einen klinisch wahrnehmbaren Nutzen wird in der Forschung jedoch eine Schwelle von mindestens 12 Punkten angesetzt.
Einen ähnlichen Verlauf zeigte die körperliche Funktionsfähigkeit, während sich bei der Lebensqualität kaum oder keine Verbesserungen feststellen ließen. Angesichts von weltweit rund 600 Millionen Menschen mit Hüftarthrose forderten die beteiligten Forschenden daher größere und methodisch besser konzipierte Studien, um Trainingsformen gezielter anpassen zu können.
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Kombination aus digitaler Physiotherapie und Inulin
Ergänzende Interventionsmöglichkeiten untersuchte die im Fachjournal Nutrients publizierte INSPIRE-Studie anhand eines randomisierten 2x2-Faktor-Designs über sechs Wochen. Untersucht wurden 136 Teilnehmende (117 ausgewertet) mit einem mittleren Alter von etwa 67 Jahren, einem durchschnittlichen Body-Mass-Index von 29,5 kg/m² und einem Frauenanteil von 58 Prozent.
Verglichen wurden die tägliche Einnahme von 20 Gramm des präbiotischen Ballaststoffs Inulin, ein digitales Physiotherapie-Programm, die Kombination beider Ansätze sowie ein Placebo (Maltodextrin).
Auf einer Schmerzskala von 0 bis 10 senkte Inulin den Schmerz im Vergleich zu Placebo um rund 1,11 Punkte, die Physiotherapie um etwa 1,55 Punkte und die Kombination um rund 1,67 Punkte. Alle drei Interventionen lagen damit über der klinisch relevanten Schwelle von 1,0 Punkten.
Inulin verbesserte zudem die Druck-Schmerzschwelle am Knie sowie die zeitliche Summation, zeigte jedoch keine Effekte auf funktionelle Tests wie den 30-Sekunden-Aufstehtest oder den Timed Up and Go. Zudem wurden in den Inulin-Gruppen ein Anstieg des Hormons GLP-1 in einer explorativen Analyse sowie eine Zunahme der Griffkraft um rund 4,62 Kilogramm beobachtet.
In den Bewegungsgruppen brachen rund 21 Prozent das Programm ab, während die Abbruchquote in den Gruppen ohne Training bei 3,6 Prozent lag. Die Therapietreue bei Inulin erreichte rund 88 Prozent; 23 von 50 Behandelten berichteten über leichte Blähungen oder Gasbildung.
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Manuelle Verfahren und Grenzen regenerativer Methoden
Einen weiteren Baustein analysierte eine randomisierte kontrollierte Studie im Journal Aging Clinical and Experimental Research (Registrierung ITMCTR2025001524) bei 56 Personen mit medialer Kniearthrose. Über zwölf Wochen erhielten die Teilnehmenden zweimal wöchentlich entweder Massagen oder Gesundheitsunterricht.
Die Massagegruppe erzielte stärkere Verbesserungen bei Schmerz, Steifheit und Funktion nach dem WOMAC-Index sowie eine geringere Co-Kontraktion der medialen Muskulatur in der Standphase. Keine Unterschiede gab es hingegen bei Knie-Adduktionsmomenten oder der Gehgeschwindigkeit.
Hinsichtlich biologischer Verfahren wie Knochenmarkaspirat-Konzentrat (BMAC) oder mikrofragmentiertem Fettgewebe verweisen Fachberichte auf erhebliche Limitationen bezüglich Standardisierung und Langzeitdaten; eine konsistente Evidenz für eine vollständige Knorpelregeneration fehle.
Die Basisversorgung bleibt daher auf Bewegung, Gewichtsmanagement, physikalische Maßnahmen sowie gegebenenfalls Hilfsmittel und medikamentöse Unterstützung ausgerichtet.
