Hormonersatztherapie: Studie belegt bis 26% niedrigeres Demenzrisiko
Veröffentlicht am: 28.08.2026 um 00:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle Forschungsergebnisse werfen ein detailliertes Licht auf den Zusammenhang zwischen einer Hormonersatztherapie (HRT) und dem Risiko für kognitive Erkrankungen bei Frauen. Eine am 26. August 2026 veröffentlichte Beobachtungsstudie der Universitäten Exeter und East Anglia liefert umfassende Daten zur Wirkung einer Hormonbehandlung in der Postmenopause.
Grundlage der Untersuchung waren die Gesundheitsdaten von 183.450 Frauen aus der UK Biobank, die über einen Zeitraum von durchschnittlich 13,3 Jahren beobachtet wurden. In dieser Zeit traten unter den Probandinnen 3.948 Demenzfälle auf.
Signifikante Risikoreduktion bei langfristiger Anwendung
Die Analyse der Daten zeigt, dass eine mindestens einjährige Nutzung der Hormonersatztherapie mit einem um 10 % niedrigeren Risiko für Demenzerkrankungen insgesamt assoziiert ist (HR 0,90; 95 %-KI 0,84–0,96). Bei der Betrachtung spezifischer Demenzformen wie Alzheimer ergab sich laut den Studienergebnissen sogar eine Reduktion des Risikos um 16 %.
Besonders deutlich fielen die Ergebnisse für Frauen aus, die eine chirurgische Menopause durchlaufen hatten. In dieser Gruppe wurde eine Senkung des Demenzrisikos um 26 % (HR 0,74; 95 %-KI 0,65–0,84) festgestellt. Im Gegensatz dazu konnte bei Frauen mit einem natürlichen Eintritt der Menopause kein signifikanter Zusammenhang im Rahmen dieser Untersuchung nachgewiesen werden.
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Zeitfenster und genetische Faktoren als Einflussgrößen
Die im August 2026 publizierten Daten verdeutlichen zudem, dass der Zeitpunkt des Beginns einer HRT-Behandlung maßgeblich für den potenziellen Nutzen sein könnte. Den Forschenden zufolge liegt das größte Zeitfenster für eine Risikoreduktion zwischen dem 46. und 56. Lebensjahr.
Ein Beginn der Therapie im Alter von 46 bis 50 Jahren war mit einer Senkung des Risikos um 13 % verbunden, während ein Start zwischen 51 und 56 Jahren sogar eine Reduktion um 23 % aufwies.
Auch genetische Merkmale und die individuelle Hormongeschichte scheinen eine Rolle zu spielen. Trägerinnen des APOE4-Gens, welches als Risikofaktor für Alzheimer gilt, wiesen bei einer HRT-Nutzung ein um 13 % niedrigeres Demenzrisiko auf (HR 0,87; 95 %-KI 0,80–0,95).
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Interessanterweise profitierten auch Frauen mit einer geringeren lebenslangen Östrogenexposition – bedingt durch eine späte Menarche oder eine frühe Menopause – von einer Risikoreduktion um 16 % (HR 0,84; 95 %-KI 0,77–0,93).
Einordnung in den wissenschaftlichen Kontext
Trotz der vielversprechenden Zahlen betonen die Autoren der in der Fachzeitschrift Wiley veröffentlichten Studie, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handelt. Damit liefert die Untersuchung keinen direkten Beweis für eine Kausalität, sondern zeigt statistische Korrelationen auf.
Die Wirkung der Therapie variiere stark nach Zeitpunkt, Art der Anwendung und individuellen biologischen Faktoren. Verwandte Forschungsarbeiten deuten in diesem Kontext auf eine mögliche Spannbreite der Risikoreduktion zwischen 11 % und 33 % hin.
Ergänzend dazu wurde in einer separaten Studie im Fachmagazin JAMA Network Open darauf hingewiesen, dass eine generell früher einsetzende Menopause mit einem verstärkten kognitiven Abbau und einer früheren Diagnose von Alzheimer in Verbindung gebracht werden kann.
Die aktuellen Erkenntnisse der University of Exeter unterstreichen somit die Notwendigkeit, Therapieentscheidungen individuell auf die jeweilige Patientin und deren spezifische Risikofaktoren abzustimmen.
