Hochverarbeitete, Lebensmittel

Hochverarbeitete Lebensmittel: Studie zeigt 500 Kalorien mehr pro Tag

Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 14:45 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Studien zeigen höhere Kalorienaufnahme bei stark verarbeiteter Kost; zugleich bleiben Gesundheitsrisiken und Unterschiede zwischen Produktgruppen zu beachten.
Industrielle Verarbeitungsanlage für Nahrungsmittel mit glänzenden Edelstahltanks und Rohrleitungen in einer sterilen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Die Zusammensetzung industriell hergestellter Nahrungsmittel beeinflusst das menschliche Essverhalten weitaus stärker als lange angenommen. Am 22. Oktober 2026 widmete sich der 86-minütige JENKE.

Report der Frage, mit welchen Methoden die Lebensmittelindustrie den Appetit steuert und Konsumenten zu übermäßigem Konsum verleitet. Im Zentrum der Diskussion stehen hochverarbeitete Produkte, die im Gehirn intensive Belohnungssignale auslösen und Parallelen zu bekannten Suchtmechanismen aufweisen.

Der sogenannte Bliss-Point und neuronale Reize

Ein zentrales Instrument der Produktentwicklung bildet der sogenannte Bliss-Point. Dabei stimmen Hersteller die Anteile von Fett, Salz sowie Zucker beziehungsweise Kohlenhydraten exakt so aufeinander ab, dass ein Produkt als geschmacklich optimal und unwiderstehlich wahrgenommen wird. Dieses Konzept geht historisch auf den Psychologen Howard Moskowitz zurück, der es Mitte der 1970er-Jahre in den USA prägte.

In der Europäischen Union sind mittlerweile mehr als 2.700 Aromastoffe zugelassen, die solche Geschmacksprofile unterstützen. Nach Angaben der Deutschen Diabetes Gesellschaft gilt in Deutschland bereits jede zweite erwachsene Person als übergewichtig.

Medienberichte verdeutlichen das Dilemma: Verarbeitete Produkte sättigen oft unzureichend und begünstigen ein Verlangen nach mehr, sodass viele Menschen trotz bewusster Ernährungsgewohnheiten an Gewicht zulegen. Fertiggerichte entfalten im Körper andere Wirkungen auf Stoffwechsel und Gehirn als frische Lebensmittel – selbst wenn die enthaltenen Nährwerte auf dem Papier identisch sind.

Untersuchungen der Universität Michigan unter Leitung von Erica Schulte und Ashley Gearhardt untermauern diesen Effekt. In einer Studie mit 504 Teilnehmenden, darunter 120 Studierende sowie 384 online befragte Erwachsene, wurden 35 Nahrungsmittel anhand der Yale Food Addiction Scale bewertet.

Auf dem ersten Rang landete Pizza mit rund 4,0 von 7 Punkten, knapp gefolgt von Schokolade und Kartoffelchips mit jeweils etwa 3,7 Punkten sowie Keksen und Speiseeis.

Unverarbeitete Nahrungsmittel wie Gurken, Karotten und Bohnen blieben hingegen unter einem Wert von 2,0. Insbesondere Rezepturen mit zugesetztem Fett und einer hohen glykämischen Last standen im engen Zusammenhang mit suchtähnlichem Essverhalten.

Klinische Studien zur Kalorienaufnahme

Dass diese Mechanismen unmittelbare körperliche Konsequenzen haben, belegt eine im JENKE. Report aufgegriffene klinische Untersuchung des Forschers Kevin Hall an den US-amerikanischen National Institutes of Health aus dem Jahr 2019. Zwanzig Erwachsene nahmen über einen Monat an einer kontrollierten Ernährungsphase teil: Jeweils zwei Wochen lang erhielten sie in zufälliger Reihenfolge hochverarbeitete oder unverarbeitete Kost, durften jedoch stets nach Belieben essen.

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Bei der hochverarbeiteten Ernährung nahmen die Probanden im Durchschnitt täglich rund 500 Kalorien mehr zu sich, aßen schneller und legten innerhalb von zwei Wochen rund 900 Gramm an Gewicht sowie Körperfett zu. Unter der unverarbeiteten Kost kam es zu einer vergleichbaren Abnahme von Gewicht und Körperfett.

Eine spätere Reanalyse dieser Daten durch die Universität Bristol zeigte zudem auf, dass die Teilnehmenden bei Vollwertkost mengenmäßig über 50 Prozent mehr Nahrung verzehrten, dabei aber täglich durchschnittlich 330 Kalorien weniger aufnahmen.

Die Forschenden führen dies auf eine angeborene Ernährungsintelligenz zurück, die bei natürlichen Lebensmitteln Optionen mit hoher Mikronährstoffdichte bevorzugt. Hochverarbeitete Produkte liefern Energie und Mikronährstoffe oft gleichzeitig in isolierter Form und können so eine Kalorienüberladung begünstigen.

Differenzierung nach dem NOVA-System

Wissenschaftlich erfasst wird der Verarbeitungsgrad häufig über die von Carlos Augusto Monteiro an der Universität São Paulo entwickelte NOVA-Klassifikation, die Nahrungsmittel in vier Gruppen einteilt.

Beobachtungsstudien verknüpfen einen hohen Konsum von ultra-verarbeiteten Produkten mit gesteigerten Risiken für Übergewicht, Diabetes, Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Gesamtsterblichkeit, auch wenn die Kausalität wissenschaftlich nicht abschließend belegt ist.

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Eine Analyse von mehr als 13.000 Produkten auf dem italienischen Markt zeigte, dass fast zwei Drittel der ultraprozessierten Waren im Nutri-Score mit D oder E bewertet wurden, wobei Snacks am schlechtesten abschnitten.

Gleichzeitig verweist die Forschung auf eine erhebliche interne Bandbreite: Bei detaillierter Betrachtung von Untergruppen blieb der statistische Zusammenhang für Softdrinks und verarbeitetes Fleisch bestehen, während er für hochverarbeitete Brot- und Getreideprodukte nicht eindeutig nachweisbar war.

Entsprechend steht das NOVA-Modell bei der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie in der Kritik, da es stark unterschiedliche Erzeugnisse von Erfrischungsgetränken bis zu verpacktem Vollkornbrot in derselben Kategorie zusammenfasst. Fachleute unterstreichen vor diesem Hintergrund die Relevanz einer ausgewogenen Ernährung bereits im Kindesalter sowie einer gezielten Prävention.

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