Hitze, Medikamente

Hitze und Medikamente: Psychopharmaka erhöhen Sterblichkeitsrisiko um 250%

Veröffentlicht: 15.07.2026 um 08:39 Uhr, Redaktion boerse-global.de

33 Prozent der Deutschen klagen über Hitzebeschwerden. Besonders riskant: Wechselwirkungen mit Antidepressiva und Blutdrucksenkern.

Hitze in Deutschland: Gefahren durch Medikamente bei hohen Temperaturen
Eine teilweise geschmolzene Blisterpackung mit Pillen auf einer rissigen Oberfläche, die die Auswirkung von Hitze auf Medikamente darstellt. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Besonders gefährlich wird es für Menschen, die regelmäßig Medikamente nehmen.

Eine aktuelle Umfrage von DAK-Forsa zeigt das Ausmaß: Zwischen dem 22. Juni und dem 1. Juli 2026 gaben 33 Prozent der Bundesbürger an, unter der Hitze zu leiden. Frauen sind mit 40 Prozent deutlich häufiger betroffen als Männer (21 Prozent). Die häufigsten Symptome: Müdigkeit (71 Prozent), Schlafprobleme (68 Prozent) und Kreislaufbeschwerden (64 Prozent).

Notaufnahmen schlagen Alarm

Das medizinische Netzwerk AKTIN registrierte an den heißen Tagen Ende Juni einen deutlichen Anstieg der Notfälle. Am 28. Juni waren bis zu sechs Prozent aller Aufnahmen hitzebedingt. Bei den über 80-Jährigen betraf das sogar jede fünfte bis sechste Einlieferung. Das Robert Koch-Institut schätzt die Zahl der hitzebedingten Todesfälle bundesweit auf rund 5.100 Personen.

Psychopharmaka: Gefährliche Nebenwirkungen bei Hitze

Bestimmte Medikamente greifen massiv in die körpereigene Temperaturregelung ein. Besonders Antidepressiva, Antipsychotika und Stimmungsaufheller stehen im Fokus. Sie können die Körpertemperatur erhöhen, das Durstgefühl dämpfen oder die Schweißproduktion hemmen.

In den Niederlanden beobachteten Mediziner bei psychiatrischen Patienten während extremer Hitzephasen ein bis zu 3,5-mal höheres Sterblichkeitsrisiko. Die Medikamente können zudem zu einem Natriummangel führen – mit Warnsignalen wie Muskelzucken, Schwindel und starker Schwäche. Experten warnen eindringlich: Niemals eigenständig absetzen, sondern die Dosierung ärztlich prüfen lassen.

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Blutdrucksenker und Pflaster: Doppelte Gefahr

Auch gängige Präparate gegen Bluthochdruck und Entwässerungsmittel verändern bei Hitze ihre Wirkung. Die Bayerische Landesapothekerkammer warnt: Hitze weitet die Gefäße, was in Kombination mit blutdrucksenkenden Mitteln zu einem gefährlichen Blutdruckabfall führen kann. Diuretika erhöhen zudem das Risiko für Dehydrierung und Elektrolytstörungen.

Besondere Vorsicht gilt bei Wirkstoffpflastern. Durch die gesteigerte Durchblutung der Haut nimmt der Körper deutlich mehr Wirkstoff auf als vorgesehen – Überdosierungen drohen. Auch Insulin-Patienten müssen aufpassen: Die Aufnahmegeschwindigkeit verändert sich bei Wärme.

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So lagern Sie Medikamente richtig

Die meisten Arzneimittel gehören trocken und bei Temperaturen zwischen 15 und 25 Grad gelagert. Ein Sprecher der Pharmasuisse erklärt: Kurzfristige Überschreitungen von 30 Grad sind meist unbedenklich, dauerhafte Hitze kann jedoch zu Verfärbungen, Verflüssigungen oder Geruchsveränderungen führen.

Kritische Präparate wie Insuline, Impfstoffe und bestimmte Antibiotikasäfte müssen strikt gekühlt werden. Für die Reiseapotheke empfehlen Apotheker Isoliertaschen. In Baden-Württemberg reagiert die Politik bereits mit speziellen Hitze-Taskforces, die künftig verstärkt Apotheken einbinden sollen.

Die Verbraucherzentrale NRW bietet am 16. Juli ein Online-Seminar zum Thema Hitzeschutz und Pflege an – mit praktischen Tipps zur richtigen Handhabung von Medikamenten an heißen Tagen.

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