Hitze und Medikamente: CALOR-Liste hilft bei Therapie-Anpassung
Veröffentlicht am: 08.08.2026 um 05:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Sommerhitze hat Deutschland fest im Griff – mit gravierenden Folgen. Das Robert Koch-Institut (RKI) korrigierte die Zahl der Hitzetoten für 2026 auf rund 11.900 nach oben. Besonders eine extrem heiße Woche im Juni trieb die Sterblichkeit in die Höhe.
Rekordhitze im Juni: 9.600 Todesfälle in einer Woche
Bei Temperaturen von bis zu 40 Grad registrierten die Behörden Ende Juni rund 9.600 hitzebedingte Todesfälle. Der Juni 2026 geht damit als zweitwärmster seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in die Klima-Geschichte ein.
Besonders hart trifft es die Ältesten: Über 6.000 Todesfälle entfielen auf Menschen über 85 Jahre. Auch regional zeigen sich klare Schwerpunkte. In Rheinland-Pfalz starben bis Anfang August 1.500 Menschen an den Folgen der Hitze – die Rheinebene und die Vorderpfalz sind besonders betroffen.
CALOR-Liste: Medikamente sicher durch die Hitze
Viele Medikamente beeinflussen die Thermoregulation des Körpers oder fördern die Flüssigkeitsausscheidung. Bei hohen Temperaturen steigt dadurch das Risiko für Dehydration und Organversagen – besonders bei chronisch kranken und älteren Patienten.
Hier setzt die CALOR-Liste an, die im August 2026 verstärkt in den Fokus der medizinischen Fachwelt rückte. Das Instrument hilft Praxisteams und Pflegekräften, die Arzneitherapie während extremer Hitzeperioden fachgerecht anzupassen. Eine präventive Dosierungsänderung in enger Abstimmung zwischen Ärzten und Pflegepersonal kann lebensrettend sein.
Pflegeheime und Kliniken: Strukturelle Defizite
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Die Infrastruktur macht den Hitzeschutz jedoch oft zunichte. Das Projekt multiSENSE maß in acht Pflegeheimen Innentemperaturen von 28 bis 30 Grad über mehrere Wochen. Jalousien und Beschattungen scheitern häufig an fehlenden Budgets.
Auch Krankenhäuser sind unzureichend ausgestattet: Nur etwa 38 Prozent der Patientenzimmer sind klimatisiert. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft nennt fehlende finanzielle Mittel als Haupthindernis. Gesundheitsorganisationen und die Bundesärztekammer fordern deshalb Investitionen von 31 Milliarden Euro sowie einen europäischen Notfall-Anpassungsfonds.
Arzneimittel: Kühlkette auch unterwegs
Die Österreichische Apothekerkammer weist darauf hin, dass Medikamente in Vor-Ort-Apotheken maximal bei 25 Grad gelagert werden. Viele Wirkstoffe verlieren bei Hitze ihre Stabilität und Wirksamkeit.
Für den Transport empfehlen Experten Kühltaschen – allerdings ohne direkten Kontakt zu Kühlakkus, um Gefrierschäden zu vermeiden. Und: Nicht jedes Präparat gehört in den Kühlschrank. Eigenmächtiges Umlagern kann mehr schaden als nutzen.
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Hitzeaktionspläne: Verbände fordern schnelleres Handeln
Umwelt- und Sozialverbände sowie der Hausärzteverband drängen auf eine schnellere Umsetzung von Hitzeaktionsplänen auf kommunaler Ebene. Sie fordern einen bundesweiten Hitzegipfel, um Schutzmaßnahmen für vulnerable Gruppen – einschließlich wohnungsloser Menschen – als Pflichtaufgabe zu verankern. Kritik gibt es auch an den Regelungen für Krankentransporte: Diese werden oft nur bei Gehunfähigkeit gewährt und berücksichtigen klimatische Belastungen kaum.
