HIIT, Sprints

HIIT: Sechs Sprints verändern über 700 Blutproteine in 23 Minuten

Veröffentlicht am: 13.09.2026 um 13:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien bescheinigen HIIT starke Effekte auf Proteine, Ausdauer und Muskelerhalt. Besonders Ältere profitieren von gezielten Intervallen.

HIIT-Training: Studien zeigen Vorteile für Fitness und gesundes Altern
Eine leere, moderne Kunststofflaufbahn bei Sonnenaufgang mit Fokus auf die Textur des Untergrunds. Illustration mit AI erstellt.

Das High-Intensity Interval Training (HIIT) wird in der Sportwissenschaft zunehmend als eine der effektivsten Methoden zur Steigerung der Ausdauer und allgemeinen Fitness bewertet.

Aktuelle Analysen und Studien, die im Spätsommer 2026 veröffentlicht wurden, unterstreichen die molekularen und physiologischen Vorteile dieser Trainingsform gegenüber moderaten Ausdauereinheiten. Dabei zeigen sich signifikante Effekte nicht nur bei der Leistungsfähigkeit, sondern auch bei der Prävention altersbedingter Degeneration.

Molekulare Veränderungen und Auswirkungen auf die Langlebigkeit

Forschungsergebnisse, die im August 2026 in der Fachzeitschrift Cell Reports Medicine publiziert wurden, verdeutlichen die tiefgreifenden Auswirkungen von intensivem Training auf den Stoffwechsel.

Eine Untersuchung mit 19 gesunden Männern ergab, dass bereits sechs 30-sekündige Sprints innerhalb einer 23-minütigen Trainingseinheit die Konzentration von über 700 Blutproteinen veränderten. Im Gegensatz dazu bewirkte ein 90-minütiges moderates Training auf dem Fahrrad lediglich bei sieben Proteinen eine Veränderung.

Daten von rund 50.000 Erwachsenen aus der UK-Biobank stützen diese Beobachtungen. Demnach korrelieren 32 der durch intensives Training beeinflussten Proteine mit einem verringerten Risiko für Herzkrankheiten, Adipositas und Typ-2-Diabetes. Bei moderatem Training betraf dies lediglich drei Proteine.

Dr. Kim Tae-gyun zufolge könne eine Kombination aus Kraft-, Ausdauer- und HIIT-Training die Sterblichkeit um 40 bis 45 Prozent senken. Ein regelmäßiges HIIT-Pensum von 23 Minuten an drei Tagen pro Woche könne zudem das biologische Alter um rechnerisch sieben Jahre reduzieren.

Physiologische Unterschiede: HIIT im Vergleich zu moderatem Training

Die Effektivität von HIIT beruht maßgeblich auf der hohen Belastungsintensität, die zwischen 80 und 95 Prozent der maximalen Herzfrequenz (HFmax) liegt. Im Vergleich zu langsamen Läufen, die sich im Bereich von 60 bis 70 Prozent der HFmax bewegen, erzielt HIIT einen deutlich höheren Kalorienverbrauch.

Ein wesentlicher Faktor ist hierbei der Nachbrenneffekt (EPOC), der den Energieumsatz auch nach dem Training erhöht. Während die Fettverbrennung bei moderaten Einheiten oft erst nach 20 bis 30 Minuten einsetzt, verbessert HIIT die maximale Sauerstoffaufnahme (VO2max) in kürzerer Zeit.

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Eine Studie der American Physiological Society untersuchte hierzu ein Protokoll mit 4-sekündigen Sprints bei maximaler Intensität. Bei 20 bis 30 Wiederholungen mit kurzen Pausen von 15 bis 30 Sekunden konnte über einen Zeitraum von acht Wochen eine deutliche Verbesserung der VO2max, der anaeroben Leistung und des Blutvolumens festgestellt werden.

Experten empfehlen für eine optimale Fitness die Kombination beider Methoden: Zwei bis drei ruhige Läufe ergänzt durch ein bis zwei HIIT-Einheiten pro Woche gelten als ideal, sofern ausreichende Regenerationsphasen eingehalten werden.

Bedeutung für die Gesundheit im Alter

Besonders für ältere Menschen bietet HIIT spezifische Vorteile. Eine australische Studie mit 120 Teilnehmern in einem Durchschnittsalter von 72 Jahren zeigte, dass intensives Intervalltraining den Erhalt der Muskelmasse fördert, während moderates Training primär Fett abbaut.

Prof. Ingo Froböse erläutert dazu, dass Muskelschwund vor allem die weißen Muskelfasern betreffe. Diese benötigen hohe Belastungsreize, wie sie durch HIIT oder Krafttraining gesetzt werden.

Ab dem 70. Lebensjahr nimmt die Muskelmasse ohne Gegenmaßnahmen um etwa 15 Prozent pro Jahrzehnt ab. Dr. Kim Tae-gyun betont, dass Krafttraining ab einem Alter von 65 Jahren überlebenswichtig sei.

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Ergänzend dazu zeigt das Journal of Physical Therapy Science, dass dreimal wöchentlich 20 Minuten HIIT das Gleichgewicht bei über 65-Jährigen messbar verbessert. Anfängern wird jedoch eine Vorbereitungszeit von vier bis sechs Monaten empfohlen, um die körperliche Belastbarkeit schrittweise aufzubauen.

Empfehlungen für die Trainingspraxis

Für eine nachhaltige Leistungssteigerung ohne Übertraining ist die Steuerung über Herzfrequenzzonen sinnvoll. Die Zone 2 (60–70 % HFmax) dient der Fettverbrennung, während Zone 5 (90–100 % HFmax) auf die VO2max abzielt. Die Faustregel zur Berechnung der HFmax lautet 220 abzüglich des Lebensalters.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt Erwachsenen mindestens 150 Minuten moderate Ausdaueraktivität pro Woche. Für den Muskelaufbau rät die Fachwelt zu zwei bis drei Einheiten pro Woche für jede große Muskelgruppe. Dabei kann auch Heimtraining effektiv sein; eine Metaanalyse aus dem Jahr 2021 belegt, dass Hypertrophie-Effekte bei gleicher Intensität nahezu identisch mit dem Training im Studio sind.

Wesentlich für den Erfolg bleibe die progressive Belastungssteigerung und die Vermeidung von Warnzeichen wie anhaltender Müdigkeit oder stagnierender Leistung.

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