High-Protein-Produkte, DGE

High-Protein-Produkte: DGE warnt vor überflüssiger Anreicherung

Veröffentlicht am: 01.09.2026 um 15:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Rewe erweitert sein Eigenmarkenangebot um acht Proteinprodukte. Der Markt wächst, während Molkereien profitieren und Ernährungsexperten den Trend kritisch sehen.

Rewe startet REWE PWR und setzt auf den Proteinmarkt
Ein ordentlich eingeräumtes Supermarktregal mit proteinreichen Lebensmitteln und Molkereiprodukten in einem modernen Einzelhandel. Illustration mit AI erstellt.

Der deutsche Lebensmitteleinzelhandel verzeichnet eine anhaltende Dynamik im Segment der funktionalen Ernährung. Im Zentrum dieser Entwicklung steht der Ausbau spezialisierter Sortimente, die gezielt auf den Trend zu proteinreicher Ernährung setzen. Mit der Einführung der neuen Eigenmarke „REWE PWR“ positioniert sich der Kölner Handelskonzern Rewe verstärkt in diesem margenstarken Umfeld.

Die strategische Ausrichtung spiegelt eine breitere Marktentwicklung wider, bei der Handelsunternehmen zunehmend eigene Produktlinien entwickeln, um von der steigenden Nachfrage nach Nahrungsergänzungsmitteln und angereicherten Lebensmitteln zu profitieren.

Markteintritt mit breiter Preisspanne

Das zum Start acht Artikel umfassende Sortiment von REWE PWR deckt ein breites Spektrum ab. Die preisliche Gestaltung der Produkte bewegt sich zwischen 0,85 Euro und 16,99 Euro, womit das Unternehmen sowohl Einstiegssegmente als auch höherpreisige Bedarfe adressiert.

Diese Differenzierung verdeutlicht den Versuch der Vollsortimenter, die Lücke zwischen günstigen Eigenmarken der Discounter und teuren Markenprodukten spezialisierter Supplement-Anbieter zu schließen.

Der Zeitpunkt für die Expansion scheint aus ökonomischer Sicht günstig gewählt. Marktanalysen beziffern das Volumen für den deutschen Proteinmarkt im Jahr 2026 auf rund 880 Millionen US-Dollar.

Prognosen zufolge wird dieser Wert bis zum Jahr 2031 die Marke von einer Milliarde US-Dollar überschreiten. Dieses stetige Wachstum treibt den Wettbewerb unter den großen Einzelhandelsketten an, die ihren Anteil an diesem spezialisierten Marktsegment sichern wollen.

Wirtschaftliche Folgen für die Molkereiwirtschaft

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Der anhaltende Fokus auf proteinreiche Produkte hat spürbare Auswirkungen auf die vorgelagerten Wertschöpfungsketten. In der Molkereiwirtschaft, insbesondere im Raum Ostwestfalen-Lippe, beobachten Branchenvertreter einen signifikanten Anstieg der Rohstoffpreise für Molke.

Während große Hersteller von der erhöhten Nachfrage und den damit verbundenen Preissteigerungen profitieren, sehen sich kleinere Betriebe und regionale Molkereien mit Herausforderungen konfrontiert.

Der gestiegene Bedarf an Molkenproteinen für die industrielle Fertigung von High-Protein-Produkten zwingt mittelständische Akteure zum Umdenken. Berichten zufolge versuchen erste regionale Hofläden bereits, ihre Geschäftsmodelle unabhängiger von den volatilen Molkepreisen zu gestalten, um die eigene Wirtschaftlichkeit zu sichern.

Kritische Einordnung durch Ernährungsexperten

Trotz des kommerziellen Erfolgs und der marketingseitigen Aufwertung durch den Handel stoßen proteinangereicherte Produkte bei Fachleuten auf Skepsis. Eine Expertin der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) bewertete solche High-Protein-Angebote als weitgehend überflüssig für die allgemeine Bevölkerung.

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Die Kritik zielt darauf ab, dass eine ausgewogene Ernährung in der Regel ausreichend Proteine liefert und die zusätzliche Anreicherung durch industriell verarbeitete Produkte keinen signifikanten gesundheitlichen Mehrwert bietet.

Der Trend zur Eigenmarke im Wettbewerbsvergleich

Die Strategie von Rewe reiht sich in einen allgemeinen Branchentrend ein, bei dem Eigenmarken eine immer dominantere Rolle spielen. Bei Wettbewerbern wie Lidl machen Eigenmarken bereits rund 75 Prozent des Gesamtsortiments aus.

Marktvergleiche zeigen dabei erhebliche Preisunterschiede: Markenprodukte können teilweise mehr als doppelt so viel kosten wie die entsprechenden Handelsmarken, ohne dass dies zwangsläufig mit qualitativen Unterschieden einhergeht.

Untersuchungen im Bereich Waschmittel oder Lebensmittel wie Milchreis belegen zudem, dass oft identische Hersteller hinter den Marken- und Eigenmarkenprodukten stehen, die Preise für Konsumenten bei der Handelsmarke jedoch deutlich niedriger ausfallen. So liegen etwa die Kosten pro Waschgang bei Eigenmarken-Waschmitteln bei rund 7 Cent, während für Markenprodukte 25 Cent veranschlagt werden.

Auch andere Akteure wie Aldi Süd, das mit 80 Eigenmarken und insgesamt 1.800 Artikeln operiert, oder Alnatura forcieren ihre Marktpräsenz. Alnatura plant beispielsweise ab Oktober 2026 eine verstärkte Listung bei Rewe sowie eine Expansion in Kooperation mit Netto in Berlin.

Diese Verflechtungen unterstreichen den hohen Stellenwert, den exklusive Markenpartnerschaften und Eigenentwicklungen für die Profitabilität im modernen Lebensmitteleinzelhandel eingenommen haben.

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