Hessen, Schüler

Hessen reformiert Übergangssystem: 12.000 Schüler ab 2027/ 2028

12.06.2026 - 04:50:47 | boerse-global.de

Viele Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt, Abbrüche nehmen zu. Neue Programme setzen auf psychologische Unterstützung und strukturelle Reformen.

Initiativen gegen Ausbildungsabbruch: Coaching und Reformen
Hessen - Junge Erwachsene in einem Workshop, konzentriert bei der Arbeit an Laptops, mit einem Coach im Hintergrund, der Hilfestellung gibt. 12.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Immer mehr Initiativen setzen deshalb auf strukturierte Orientierungs- und Coaching-Angebote für Jugendliche. Die Kombination aus fachspezifischer Förderung, psychologischer Unterstützung und strukturellen Reformen soll den Übergang zwischen Schule und Beruf erleichtern.

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MINT-Nachwuchs dringend gesucht

Ein Schwerpunkt liegt auf der Gewinnung von Talenten für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. In Mannheim läuft dazu das Programm COACHING4FUTURE – getragen von der Baden-Württemberg Stiftung, dem Verband Südwestmetall und der Bundesagentur für Arbeit. Seit 2008 führt es Schüler der Klassen 7 bis 12 in Workshops an Themen wie Künstliche Intelligenz und Robotik heran.

Mitte Juni ist das Projekt gleich mehrfach vor Ort: bei der Veranstaltung Explore Science im Herzogenriedpark (17. bis 19. Juni) sowie an der Humboldt-Werkrealschule (23. und 24. Juni). Die Idee: Technische Berufe durch Experimente und direkten Kontakt mit Coaches greifbar machen.

Psychische Gesundheit als Abbruchbremse

Doch nicht nur die fachliche Orientierung zählt. Immer mehr Ausbildungen scheitern an psychischen Belastungen der Jugendlichen. Das Pilotprojekt „Ausbildungsanker“ der Stiftung Achtung!Kinderseele will genau hier ansetzen. Nach erfolgreichen Testphasen in Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern wird es ab September auf Schleswig-Holstein ausgeweitet.

Die Bilanz der Pilotrunde mit 48 Teilnehmern aus 34 Institutionen spricht für sich: Rund 80 Prozent der beteiligten Ausbildenden und Lehrkräfte fühlten sich nach den Schulungen besser auf die Betreuung psychisch belasteter Jugendlicher vorbereitet. Das Angebot umfasst Online-Schulungsreihen zur Sensibilisierung des Ausbildungspersonals. Interessierte Institutionen können sich noch bis zum 15. August anmelden.

Hessen reformiert das Übergangssystem

Auch politisch tut sich etwas. Der Hessische Landtag beschloss am 10. Juni die flächendeckende Einführung der „Berufsfachschule zum Übergang in Ausbildung“ (BÜA). Bisher gibt es das Modell an 35 Schulen, künftig soll es auf über 90 berufliche Schulen ausgeweitet werden.

Ab dem Schuljahr 2027/2028 sollen so über 12.000 Schüler ohne konkreten Ausbildungsplatz oder Schulabschluss eine intensivere Orientierung erhalten. Die maximale Klassenstärke von 16 Personen soll individuelle Betreuung ermöglichen. Die Jugendlichen können dort sowohl berufliche Grundbildungen erwerben als auch Haupt- oder Realschulabschlüsse nachholen.

Beratung ohne Bürokratie-Hürden

Neben langfristigen Programmen setzen Kommunen auf niederschwellige Angebote. Im Kreis Recklinghausen findet am 8. Juli der Aktionstag „Chance2go“ statt. An verschiedenen Standorten wie Castrop-Rauxel, Dorsten oder Gladbeck können Jugendliche kurzfristige Beratung zu Ausbildungswegen erhalten – inklusive Sprachmittlern für Jugendliche mit geringeren Deutschkenntnissen.

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Im Kreis Kleve gibt es zwischen dem 20. Juli und dem 1. September spezifische Praktikumswochen. Jugendliche ab 15 Jahren können in kurzen Intervallen von einem Tag bis zu einer Woche in eines der 33 registrierten Unternehmen reinschnuppern. In Krefeld geht die Jugendberufsagentur noch einen Schritt weiter: Sie verlagerte ihre Beratung zeitweise in ein Sozialcafé – um Schwellenängste gegenüber Behörden abzubauen.

Regionale Marktdaten zeigen Handlungsdruck

Dass die Maßnahmen nötig sind, zeigen aktuelle Zahlen. Im Bereich der Agentur für Arbeit Nordhorn (Grafschaft Bentheim und Emsland) standen im Juni 2.444 unbesetzte Stellen nur 2.068 Bewerbern gegenüber. Das Angebot an Ausbildungsplätzen schrumpfte im Vergleich zum Vorjahr um über zehn Prozent. Besonders groß ist der Bedarf im verarbeitenden Gewerbe, im Handel und in der Kfz-Instandhaltung.

Messen wie „Azubis werben Azubis“ in Glandorf versuchen, die Lücke durch Peer-to-Peer-Kommunikation zu schließen. Zuletzt nahmen 550 Schüler und 56 regionale Betriebe teil. Auszubildende berichten dort direkt über ihre Erfahrungen im Betrieb und im dualen Studium – eine realistischere Vorstellung der Berufspraxis als jede Broschüre. Auch Kooperationen wie die zwischen der Stadtbücherei Erkrath und der Agentur für Arbeit Mettmann bieten offene Sprechstunden an. Die nächste findet am 24. Juni statt.

de | wissenschaft | 69523883 |