Herzinsuffizienz: Studie zeigt sechs Jahre Verzögerung bis zum Spezialzentrum
Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 00:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Behandlung der Herzinsuffizienz weist in der klinischen Praxis gravierende Verzögerungen und Defizite bei der Umsetzung von Leitlinien auf. Wie aus einem Bericht vom 16. Oktober 2026 hervorgeht, belegt eine Studie der III.
Kardiologischen Klinik der Aristoteles-Universität Thessaloniki am Krankenhaus Hippokrateio erhebliche zeitliche Hürden: Bei den 323 untersuchten Patienten mit Herzinsuffizienz vergingen von der Erstdiagnose bis zur Weiterleitung an ein spezialisiertes Behandlungszentrum im Mittel sechs Jahre. Zugleich erhielt lediglich rund ein Drittel der Betroffenen die vollständige Kombination aus allen vier empfohlenen Wirkstoffklassen.
Begleiterkrankungen und Defizite in der Sekundärprävention
Die Untersuchung der Aristoteles-Universität Thessaloniki verdeutlicht zudem die hohe Belastung durch Vorerkrankungen: Unter den 323 Patienten litten 38 Prozent an Vorhofflimmern, 35 Prozent an arterieller Hypertonie und 28 Prozent an Diabetes. Vorgestellt wurden diese Ergebnisse auf dem 2. Panhellenischen Herzinsuffizienz-Kongress in Thessaloniki, der bis zum 18. Oktober 2026 tagt.
Ergänzend dazu beleuchtete eine an den Krankenhäusern Veria und Kozan durchgeführte Untersuchung an 220 Patienten – darunter 151 Männer und 69 Frauen mit einem mittleren Alter von 71 Jahren – das Verhalten im Bereich der Lebensstiländerungen. Obwohl körperliche Aktivität ärztlich empfohlen worden war, gaben lediglich 52,7 Prozent der Befragten an, sich regelmäßig zu bewegen.
Von den 220 hospitalisierten Personen waren 45,5 Prozent wegen eines akuten Koronarsyndroms und 15,4 Prozent aufgrund von Herzinsuffizienz stationär aufgenommen worden, während 39,1 Prozent auf andere Ursachen entfielen.
Zwischen den Krankheitsbildern zeigten sich deutliche Unterschiede: Bei Patienten mit akutem Koronarsyndrom lag die Bewegungsquote bei 61 Prozent, bei Herzinsuffizienz hingegen bei 29,4 Prozent. Bei 94 Prozent der Aktiven bestand die Betätigung aus Gehen oder Laufen, mit einer mittleren Dauer von 30,35 Minuten; 52,6 Prozent bewegten sich täglich und 37,1 Prozent wöchentlich.
Während 87,1 Prozent der Aktiven von einem gesundheitlichen Nutzen berichteten (60 Prozent gegenüber 91,8 Prozent), befürworteten lediglich 31,8 Prozent die Anbindung an ein spezialisiertes Zentrum (61,8 Prozent gegenüber 24 Prozent).
Wer sich mit der langfristigen Vorsorge befasst, sollte den Zusammenhang zwischen arterieller Hypertonie und der allgemeinen Herzgesundheit kennen. Dieser kostenlose Ratgeber von Prof. Dr. med. Thomas Kurscheid zeigt Ihnen 7 konkrete Wege auf, um den Blutdruck dauerhaft und auf natürliche Weise zu regulieren. Blutdruck-Spezialreport jetzt kostenlos anfordern
Klinische Trägheit und Versorgungsrealität in Italien
In Italien verdeutlichten Daten des Kardiologenverbands ANMCO ähnliche strukturelle Probleme. Im Rahmen der Studie BRING-UP 3 Scompenso in rund 180 italienischen Zentren wurde festgestellt, dass 65 Prozent der Patienten eine Vierfachtherapie erhielten, jedoch etwa einer von fünf Patienten innerhalb eines Jahres erneut stationär eingewiesen werden musste.
Landesweit zählt Italien rund 800.000 Betroffene und mehr als 130.000 Krankenhauseinweisungen pro Jahr, womit die Erkrankung an der Spitze potenziell vermeidbarer Hospitalisierungen steht.
Auf der Fachkonferenz der ANMCO in Mailand hob der frühere Präsident Fabrizio Oliva die Notwendigkeit hervor, klinische Trägheit abzubauen, Dosierungen konsequent anzupassen und die ambulante Nachsorge in den ersten 30 Tagen nach Entlassung zu sichern.
Der amtierende ANMCO-Präsident Massimo Grimaldi forderte eine flächendeckende Verbreitung optimaler Therapien, während der designierte Präsident Federico Nardi personalisierte Behandlungsmodelle, Telemedizin und künstliche Intelligenz im Fernmonitoring anmahnte. Für November 2026 kündigte der Verband zudem die Veröffentlichung der neuen Leitlinien der europäischen Kardiologiegesellschaft als Supplement an.
Ein fundiertes Wissen über die eigenen Vitalstoff-Werte kann dabei helfen, gesundheitliche Risiken frühzeitig zu erkennen und die ärztliche Behandlung besser zu begleiten. In diesem kostenlosen 25-seitigen Report erfahren Sie, welche Laborwerte wirklich entscheidend sind und wie Sie Fehlinterpretationen vermeiden können. Kostenlosen Laborwerte-Selbstcheck hier sichern
Ungleichheiten und Erstattungsgrenzen in Mittel- und Osteuropa
Auf gesamteuropäischer Ebene thematisierte eine Deklaration auf der Konferenz zum 1. Zentraleuropäischen Gipfel für Prävention und Intervention bestehende Diskrepanzen. Brigit Beger vom European Heart Network wies auf geografische Ungleichheiten zwischen Ost und West sowie Nord und Süd hin, die durch sozioökonomische Barrieren und digitale Ausgrenzung verstärkt würden.
Vertreter polnischer Patientenrechtebüros berichteten von jährlich bis zu 90.000 Anfragen, von denen rund ein Fünftel Kardiologiepatienten betrifft, teils verbunden mit Wartezeiten von über einem Dutzend Monaten.
In Polen, wo mehr als eine Million Menschen mit Herzinsuffizienz leben, treten bei etwa 10 Prozent der Patienten Hyperkaliämien auf. Patientenverbände wie EcoSerce und Moje Nerki kritisierten, dass neuere Kaliumbinder wie Patiromer oder Natrium-Zirkonium-Cyclosilikat nur für ausgewählte Personen mit fortgeschrittener Nierenerkrankung erstattet werden, während Herzinsuffizienz-Patienten bislang ausgeschlossen bleiben.
Fachmediziner wie Dr. Marta Ka?u?na-Oleksy mahnten an, dass eine Dosisreduktion oder das Absetzen der kardiologischen Basistherapie den Zustand der Patienten drastisch verschlechtere, weshalb die bestehenden Kriterien dringend angepasst werden müssten.
