Herzinfarkt-Schutz: Vitamin D halbiert Wiederholungsrisiko in Studie
Veröffentlicht am: 19.09.2026 um 03:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die gezielte Verabreichung von Mikronährstoffen nach kardiovaskulären Ereignissen wird in der kardiologischen Forschung differenziert diskutiert. Im Mittelpunkt des Interesses steht dabei unter anderem die Frage, ob die Behebung eines Vitamin-D-Mangels den weiteren Krankheitsverlauf bei kardiologischen Patienten messbar verbessern kann.
Neue Erkenntnisse dazu liefert die im European Heart Journal veröffentlichte TARGET-D-Studie, die den Effekt einer an konkreten Zielwerten ausgerichteten Vitamin-D-Gabe bei Personen nach einem Myokardinfarkt untersuchte.
Ergebnisse der TARGET-D-Studie bei Infarktpatienten
Die TARGET-D-Studie erstreckte sich über eine Studienlaufzeit von April 2017 bis Mai 2023 bei einer Nachbeobachtungszeit von 4,2±2,0 Jahren. Insgesamt nahmen 630 Patienten nach einem Herzinfarkt teil, bei denen zu Beginn ein medianer 25(OH)D-Spiegel von 25 ng/mL gemessen wurde; fast alle Probanden wiesen einen Mangel auf.
Ziel der Intervention war es, den Blutspiegel durch eine kontrollierte Supplementierung auf einen Zielwert von 40–80 ng/mL anzuheben. Hierfür erwiesen sich häufig höhere Dosierungen als in frei verkäuflichen Standardpräparaten als erforderlich.
Hinsichtlich schwerer kardiovaskulärer Ereignisse (MACE) führte die Zielwert-Supplementierung im Vergleich zur Standardbehandlung zu keiner statistisch signifikanten Reduktion: Die Rate lag bei 15,7 Prozent in der Interventionsgruppe gegenüber 18,4 Prozent in der Kontrollgruppe (Hazard Ratio 0,85; 95%-Konfidenzintervall 0,58–1,24; P=0,40).
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Dagegen zeigte sich beim sekundären Endpunkt ein deutlicher Unterschied: Das Auftreten erneuter Herzinfarkte halbierte sich annähernd auf 3,8 Prozent im Vergleich zu 7,9 Prozent unter Standardtherapie (Hazard Ratio 0,48; Konfidenzintervall 0,25–0,93; P=0,03).
Frühere Befunde bei Herzinsuffizienz und Gefäßverkalkung
Bereits die 2016 vorgestellte VINDICATE-Studie der Universität Leeds hatte Hinweise auf funktionelle Effekte geliefert. Bei mehr als 160 Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz, die über ein Jahr hinweg Vitamin D3 oder ein Placebo erhielten, verbesserte sich die Ejektionsfraktion bei den 80 mit Vitamin D3 behandelten Patienten von 26 Prozent auf 34 Prozent, während sie in der Placebogruppe unverändert blieb. Dies könnte die Notwendigkeit implantierbarer Kardioverter-Defibrillatoren (ICD) verringern; Kalzium wurde aufgrund bestehender Risiken nicht verabreicht.
Weitere kardiovaskuläre Zusammenhänge beleuchtete eine 2026 in JAMA Cardiology veröffentlichte Untersuchung zu Vitamin K2. Über einen Zeitraum von zwei Jahren erhielten 180 Patienten mit koronarer Herzkrankheit täglich 360 µg MK-7, worunter die Koronarverkalkung langsamer fortschritt, wenngleich die Aussagekraft dieses Parameters als harter klinischer Therapieendpunkt eingeschränkt bleibt.
Einordnung durch Experten und Bedeutung weiterer Nährstoffe
Fachleute mahnen zugleich zur Differenzierung. Die Kardiologin Dr. Katharina Lechner betont, dass Multivitaminpräparate bei gesunden Erwachsenen keinen überzeugenden Nutzen zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs aufweisen.
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Eine Übersichtsarbeit von randomisierten kontrollierten Studien der vergangenen 15 Jahre verweist zudem auf die Rolle des Blutdrucks, von dem weltweit etwa 1,4 Milliarden Erwachsene betroffen sind.
Magnesiumpräparate senken demnach den systolischen Blutdruck signifikant, während Vitamin D sowohl den systolischen als auch den diastolischen Wert reduzieren kann – insbesondere bei Typ-2-Diabetes oder Übergewicht. Beide Stoffe könnten synergistische Effekte entfalten.
Erfahrungsberichte und ernährungsmedizinische Leitlinien unterstreichen, dass bei einer ausgewogenen Ernährung im Regelfall keine pauschale Supplementierung nötig ist. Empfohlen wird vielmehr eine gezielte labormedizinische Bestimmung von Werten wie Vitamin D3, Vitamin B12 (einschließlich Holotranscobalamin) und Eisen, die als Zusatzleistungen üblicherweise 15 bis 30 Euro pro Parameter kosten.
Bei Vitamin D3, das vor allem im Winter eingenommen wird, ist wegen möglicher toxischer Überdosierungen eine ärztliche Überwachung ratsam. Nährstoffe wie Magnesium unterstützen zwar die normale Muskelfunktion, das Elektrolytgleichgewicht und den Energiestoffwechsel, können eine bestehende Arteriosklerose jedoch nicht heilen und ersetzen keine fundierte medizinische Behandlung.
