Herz-Rezept, Hausärzte

Herz-Rezept: Hausärzte vermitteln einsame Ältere in Gruppen

26.06.2026 - 02:11:53 | boerse-global.de

Gedächtnistrainings, Bewegungsangebote und das Herz-Rezept gegen Isolation prägen die aktuelle Demenzversorgung. Ein Modell in St. Gallen entschädigt pflegende Angehörige finanziell.

Demenzhilfe: Neue Wege bei Training, Einsamkeit und Pflege
Herz-Rezept - Ältere Menschen nehmen an einem Gruppengedächtnistraining in einem hellen, modernen Raum teil, lachen und interagieren miteinander. 26.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Digitale Anwendungen, spezielle Bewegungsprogramme und neue Modelle der Angehörigenpflege prägen die aktuelle Entwicklung im deutschsprachigen Raum. Dabei rücken neben der kognitiven Fitness auch soziale Integration und wirtschaftliche Fragen in den Fokus.

Gedächtnistraining vor Ort wird ausgebaut

Kommunale Einrichtungen bauen ihre Angebote für kognitive Trainings kontinuierlich aus. In der Schweiz plant die Spitex Höfe ab Ende September ein neues Gruppenangebot für Gedächtnistraining im Bezirk Höfe. Die wöchentlichen Treffen finden in Kooperation mit den Pflegezentren Freienbach statt – immer freitags. Auch in Leipzig laufen entsprechende Kursprogramme bis Mitte Dezember.

Besonders deutlich wird die methodische Vielfalt bei den Volkshochschulen. Die VHS Würmtal bietet ein breites Spektrum: Von kostenlosen Spielenachmittagen in Planegg über klassisches Gedächtnistraining in Gauting (80 Euro) bis zu speziellen Formaten wie „Neurotango“ (48 Euro) und „Gehirnfitness“ (26 Euro). Die Kurse starten schwerpunktmäßig im Oktober und November. Parallel dazu integrieren Bildungsträger moderne Technik – die VHS Offenbach thematisiert seit Juni den Einsatz von Apps fürs Gedächtnistraining.

Bewegung und Sinne: Interdisziplinäre Ansätze

Kognitive Förderung wird zunehmend mit körperlicher Aktivität verknüpft. Ein Beispiel: Geführte Gesundheitswanderungen in Potsdam. Die Organisation Wanderkonzepte führt sie in Zusammenarbeit mit der Alzheimer-Gesellschaft Brandenburg e.V. durch. Die Touren erstrecken sich über rund sechs Kilometer und dauern etwa zweieinhalb Stunden. Sie richten sich explizit an Demenzerkrankte und deren Begleitpersonen. Termine gibt es bis Ende Juli.

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Die Bedeutung der Sinneswahrnehmung stand zudem im Fokus eines Fachtags in Regensburg. Die Fachstelle Demenz und Pflege Oberpfalz (SEGA e.V.) organisierte die Veranstaltung am dortigen Blindeninstitut. Experten wie Klara Wolf, Thilo Hohmeister und Tobias Lang erörterten den Zusammenhang zwischen Seh- und Hörbeeinträchtigungen und dem Demenzrisiko. Fachleute wie Jürgen Eichinger und Eberhard Schmidt betonten: Eine adäquate Hörversorgung und visuelle Förderung sind entscheidend für Orientierung und Teilhabe der Betroffenen.

Gegen die Einsamkeit: Das „Herz-Rezept“

Ein wesentlicher Aspekt der aktuellen Versorgungsstrategien ist die Bekämpfung sozialer Isolation. In Leichlingen (Nordrhein-Westfalen) wurde im Juni das Projekt „Herz-Rezept“ vorgestellt. Das Modell orientiert sich am britischen „Social Prescribing“: Hausärzte vermitteln einsame ältere Menschen an Quartiersbüros, die den Zugang zu sozialen Gruppen und Gedächtnistrainings erleichtern. Die hohe Nachfrage zeigt sich bereits in bestehenden Wartelisten.

Finanzielle Entschädigung für pflegende Angehörige

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Auch die wirtschaftliche Seite der Pflege rückt in den Fokus. Die Stadt St. Gallen hat über die Spitex St. Gallen AG im ersten Quartal ein Konzept entwickelt, um pflegende Angehörige finanziell zu entschädigen und fachlich zu unterstützen. Das Modell wird in Kooperation mit der Organisation Ancura umgesetzt. Es reagiert auf ein Bundesgerichtsurteil aus dem Jahr 2019, das die Vergütung von Angehörigenpflege grundsätzlich ermöglichte.

Hintergrund der Entwicklung ist auch die Kritik an privaten Anbietern. Marianne Pfister von Spitex Schweiz wies auf hohe Umsatzrenditen von bis zu 25 Prozent bei einigen privaten Firmen hin. Branchenvertreter fordern daher verbindliche Standards und eine obligatorische Ausbildung für pflegende Angehörige. Das St. Galler Modell soll die Kosten durch die Nutzung bestehender Infrastrukturen niedrig halten – bei gleichzeitig fairer Entlohnung.

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