Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Milliarden

Herz-Kreislauf-Erkrankungen: 280 Milliarden Euro Kosten jährlich in der EU

Veröffentlicht am: 10.08.2026 um 05:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachen jährlich über 280 Mrd. Euro Kosten in der EU. Der Safe Hearts Plan soll Sterblichkeit und Versorgungslücken reduzieren.

EU-Kosten durch Herz-Kreislauf-Leiden: 280 Mrd. Euro jährlich
Moderner Krankenhausflur mit einem digitalen Monitor, der kardiologische Gesundheitsdaten anzeigt. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die ökonomische Belastung durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen in der Europäischen Union hat ein Ausmaß erreicht, das weitreichende strategische Anpassungen in der Gesundheitspolitik erfordert. Aktuellen Schätzungen zufolge belaufen sich die jährlichen Kosten auf über 280 Milliarden Euro. Vor diesem Hintergrund werden verstärkt Forderungen nach einer neuen europäischen Strategie laut, die insbesondere auf eine Ausweitung systematischer Gesundheitschecks setzt, um die finanzielle Last und die Sterblichkeitsraten nachhaltig zu senken.

Der EU Safe Hearts Plan und die Versorgungslage

Ein zentraler Baustein der europäischen Bemühungen ist der am 18. Dezember 2025 vorgestellte EU Safe Hearts Plan. Dieses Programm zielt darauf ab, die Zahl der jährlich etwa 1,7 Millionen Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Europa signifikant zu reduzieren. Dass dringender Handlungsbedarf besteht, verdeutlicht auch der Future Health Index für das Jahr 2025: Demnach sahen sich 91 Prozent der Herzpatienten mit Verzögerungen bei der Vereinbarung von Facharztterminen konfrontiert, was die Effizienz der aktuellen Versorgungsketten infrage stellt.

Zudem weisen Experten auf massive Disparitäten innerhalb der Union hin. Die Sterberaten bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen liegen in bestimmten Mitgliedstaaten bis zu 6,3-mal höher als in anderen Regionen. Ein Beispiel für dieses medizinische Gefälle ist der Zugang zur mechanischen Thrombektomie: Während die Quote in Bulgarien bei lediglich 0,15 Prozent liegt, erreicht sie in Deutschland einen Wert von 9,46 Prozent. Diese Ungleichheiten spiegeln sich auch in der allgemeinen Lebenserwartung wider. So liegt die Lebenserwartung einer Spanierin statistisch gesehen etwa 18 Jahre über der eines Bulgaren.

Industrielle Bedeutung und regulatorische Reformen

Die Gesundheitswirtschaft, insbesondere die pharmazeutische Industrie, spielt eine wesentliche Rolle für die europäische Stabilität. Der Sektor erwirtschaftet rund 5 Prozent der gesamten Wertschöpfung und ist für etwa 11 Prozent der EU-Exporte verantwortlich. EU-Gesundheitskommissar Olivér Várhelyi warnte bereits auf dem Euronews Health Summit in Brüssel vor dem zunehmenden Druck auf die nationalen Gesundheitssysteme.

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Um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und die Versorgung zu verbessern, wurden verschiedene Reformvorhaben initiiert. Dazu gehören Anpassungen der Pharmaregeln, eine Überarbeitung der Medizinprodukte-Verordnung sowie der geplante EU Biotech Act. Parallel dazu starteten die EU und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) im September 2025 in New York die Phase V der Partnerschaft für universelle Gesundheitsversorgung (UHC). Dieses Projekt, das bis 2028 läuft, wird von der EU mit 40 Millionen Euro gefördert.

Strategische Rahmenpläne der WHO und medizinische Standards

Auf internationaler Ebene hat die WHO Europa, die 53 Mitgliedstaaten umfasst, Ende Oktober 2025 in Kopenhagen einstimmig das Arbeitsprogramm EPW2 für den Zeitraum 2026 bis 2030 verabschiedet. Die Strategie ruht auf fünf Säulen: Gesundheitssicherheit, Kampf gegen nichtübertragbare Krankheiten, gesundes Altern, Bewältigung des Klimawandels sowie die Gestaltung zukünftiger Gesundheitssysteme. Besondere Schwerpunkte liegen dabei auf der Primärversorgung und der Beseitigung von Gewalt gegen Frauen.

In der klinischen Praxis orientiert sich die Prävention unter anderem an den ESC-Leitlinien von 2021. Diese führen Risikotabellen wie SCORE2 und SCORE2-OP ein, um das 10-Jahres-Risiko für schwerwiegende Ereignisse bei scheinbar gesunden Personen einzuschätzen. Dabei werden klare Zielwerte definiert: Für das LDL-Cholesterin gelten Ziele von unter 2,6 mmol/l in der Basisstufe bis hin zu Werten unter 1,4 mmol/l bei sehr hohem Risiko. Der systolische Blutdruck sollte laut diesen Vorgaben unter 140 mmHg liegen, bei Patienten mit hohem Risiko wird ein Zielwert von unter 130 mmHg angestrebt.

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Klimaresilienz als neuer Faktor der Gesundheitsvorsorge

Ein zunehmend relevanter Aspekt der Prävention ist der Hitzeschutz. Organisationen wie HEAL und CPME fordern verbindliche EU-Hitzeschutzpläne, nachdem im Jahr 2024 über 62.000 hitzebedingte Todesfälle in Europa registriert wurden. Zwar verfügen bereits 21 EU-Staaten über entsprechende Aktionspläne und vier weitere befinden sich in der Ausarbeitung, doch die EU-Kommission plant für das zweite Halbjahr 2026 einen umfassenden Rahmen für Klimaresilienz, um die Gesundheitssysteme besser auf extreme Wetterereignisse vorzubereiten.

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