Herbst und Schlaf: Ältere Menschen ruhen nachts zehn bis 30 Minuten länger
Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 08:31 Uhr | Redaktion boerse-global.deMit dem Einzug des Herbstes gehen spürbare Temperaturabfälle und größere Tag-Nacht-Temperaturunterschiede einher. Berichten zufolge leiden in dieser Übergangszeit viele ältere Menschen unter Gereiztheit sowie gedrückter Stimmung.
Fachleute führen diese Entwicklung auf ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren zurück: Die verkürzte Sonnenscheindauer senkt den Serotoninspiegel und bringt den Melatonin-Rhythmus durcheinander. Zudem reizen die Temperaturschwankungen das sympathische Nervensystem, während eine gestörte circadiane Rhythmik die Schlafqualität mindert.
Lichtmangel verändert Schlafmuster und Wohlbefinden
Die saisonale affektive Störung tritt typischerweise im Herbst und Winter auf. Neben Müdigkeit und Angstzuständen können sich dabei auch Magen-Darm-Beschwerden bemerkbar machen. Wie stark der Körper auf das abnehmende Tageslicht reagiert, ist individuell verschieden.
Die Familientherapeutin Birgit Salewski wies darauf hin, dass viele Menschen den sogenannten Winterblues erleben. Ernsthafte Warnsignale für eine behandlungsbedürftige Depression seien ein ausgeprägtes, langfristiges Stimmungstief und eine Antriebslosigkeit, bei der Betroffene an nichts mehr Freude empfinden.
Dass sich das Schlafbedürfnis in der dunkleren Jahreszeit verändert, belegen schlafmedizinische Untersuchungen. Nach Angaben des Schlafexperten Prof. Dr. Ulrich Voderholzer von der Schön Klinik Roseneck schlafen Menschen im Herbst generell zehn bis 30 Minuten länger als im Sommer. In einer Befragung in Deutschland betrug das Plus 25 Minuten am Wochenende und knapp zwölf Minuten an Wochentagen.
Ursache ist das über die Netzhaut aufgenommene Tageslicht, welches die innere Uhr steuert. In einem achtwöchigen Experiment am Bodensee mit fünf gesunden Erwachsenen ohne künstliches Licht verlängerte sich die nächtliche Ruhezeit sogar um durchschnittlich rund 1,8 Stunden, wobei die Aussagekraft aufgrund der geringen Teilnehmerzahl begrenzt bleibt.
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Symptome einordnen und Überlastungen vermeiden
Nicht jede Wesensänderung lässt sich jedoch allein auf den Jahreszeitenwechsel zurückführen. Berichte mahnen zur Vorsicht: Plötzliche Wesensveränderungen können auf neurologische Erkrankungen wie Parkinson, Alzheimer oder einen Schlaganfall hinweisen.
Auch körperliche Leiden wie eine Herzinsuffizienz, eine Hypothyreose oder chronische Schmerzen kommen als Auslöser infrage. Zudem kann das autonome Nervensystem durch die Kombination aus vorheriger Sommermüdigkeit und aktuellen Temperaturwechseln belastet werden, was laut Ito-Kampo-Pharmazeutika zu Appetitlosigkeit, Lethargie, Kopfschmerzen und Schwindel führen kann.
Fachleute raten älteren Menschen zu gezielten Alltagsroutinen:
- Tagesstruktur und Licht: Morgendliches Tageslicht und geregelte Schlafzeiten – auch am Wochenende – stabilisieren den Rhythmus.
Voderholzer empfiehlt, im Herbst etwa eine Viertel- bis halbe Stunde früher zu Bett zu gehen.
- Bewegung und Entspannung: Regelmäßige Ruhephasen mit langsamem Atmen sowie moderate Bewegung von 15 bis 30 Minuten am Abend wirken stabilisierend.
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Bei schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollte dies ärztlich abgestimmt sein.
- Ernährung und Erholung: Empfohlen werden warme, leichte Kost mit wenig Fett, Salz und Zucker, der Verzicht auf Alkohol und Nikotin sowie ein kurzer Mittagsschlaf von 20 bis 30 Minuten.
Infektionsrisiken im Alter vorbeugen
Neben psychischen Belastungen bringt die kältere Witterung gesundheitliche Risiken durch Infektionskrankheiten mit sich. Eine von GSK initiierte Online-Umfrage ergab, dass 56 Prozent der über 60-Jährigen mit Vorerkrankungen befürchten, ein Atemwegsvirus könne ihr Grundleiden verschlimmern; 49 Prozent haben eine solche Verschlechterung bereits erlebt. Dennoch vereinbarten laut der Erhebung nur 35 Prozent der Befragten einen Termin zur ärztlichen Risikosenkung bezüglich des RS-Virus.
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die RSV-Impfung für Personen ab 75 Jahren sowie ab 60 Jahren bei schweren Grunderkrankungen. Auch die Grippeimpfung wird ab 60 Jahren angeraten.
Nach Daten des Robert Koch-Instituts lag die Grippeimpfquote in dieser Altersgruppe in der Saison 2024/2025 bei rund 34,5 Prozent und damit deutlich unter dem Ziel der Weltgesundheitsorganisation von 75 Prozent.
