Helios, ETH

Helios: ETH Zürich präsentiert Roboter für Raumstationen

25.05.2026 - 07:02:19 | boerse-global.de

Der Roboter Helios soll Astronauten von zeitaufwendigen Wartungsarbeiten befreien und so immense Kosten sparen.

Helios: ETH Zürich präsentiert Roboter für Raumstationen - Foto: über boerse-global.de
Helios: ETH Zürich präsentiert Roboter für Raumstationen - Foto: über boerse-global.de

Das System soll Astronauten von zeitaufwendigen Routinearbeiten befreien.

Zürich – Menschliche Raumfahrt ist teuer. Eine einzige Astronautenstunde kostet umgerechnet rund 130.000 Euro. Kein Wunder also, dass die Raumfahrtbranche nach günstigeren Alternativen sucht. Die Lösung könnte aus der Schweiz kommen: ORBIT Robotics, ein Spin-off der ETH Zürich, hat am 21. Mai 2026 den Roboter Helios vorgestellt – speziell entwickelt für den Einsatz auf Raumstationen.

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Warum vier Arme besser sind als zwei Beine

Helios unterscheidet sich grundlegend von erdgebundenen Robotern. Statt auf zwei Beinen zu laufen, verfügt er über vier Arme. Diese Konstruktion ist eine Anpassung an die Schwerelosigkeit: Beine sind im All überflüssig, zusätzliche Greifarme dagegen Gold wert. Sie dienen sowohl der Verankerung als auch der Manipulation von Gegenständen.

Die Technik dahinter ist beeindruckend: Sehnengetriebene Arme und spezielle Rollkontakt-Ellbogengelenke wurden entwickelt, um den besonderen mechanischen Anforderungen der Orbitalwartung gerecht zu werden.

Zeitfresser Wartung und Fracht

Der Bedarf an solchen Systemen ist enorm. Aktuelle Daten zeigen: Rund 35 Prozent der Arbeitszeit eines Astronauten gehen für Wartungsarbeiten drauf. Allein das Entladen von Frachtmodulen verschlingt pro Zyklus etwa 50 Stunden Handarbeit.

Mit Helios könnten Raumfahrtagenturen diese Zeit drastisch reduzieren. Hunderte Stunden würden frei – für wissenschaftliche Forschung oder missionskritische Aufgaben. Die wirtschaftliche Logik ist zwingend: Wenn jede Astronautenstunde sechsstellige Beträge kostet, rechnet sich die Automatisierung schnell.

Erprobte Technik von der Erde

Doch kann ein Roboter im All überhaupt zuverlässig arbeiten? Die jüngsten Fortschritte auf der Erde geben Grund zur Zuversicht. Am 13. Mai 2026 absolvierte die Firma Figure AI einen 110-stündigen Autonomietest mit ihrer Figure-03-Flotte. Die Roboter verarbeiteten dabei 130.000 Pakete.

Besonders aufschlussreich war ein direkter Vergleich: Über zehn Stunden sortierte ein Roboter 12.732 Pakete – ein menschlicher Arbeiter schaffte 12.924. Der entscheidende Unterschied: Der Mensch war danach erschöpft, der Roboter arbeitete ohne Pause weiter.

Noch eindrucksvoller: Ein als „Rose" bezeichneter Roboter lief 200 Stunden am Stück und sortierte knapp 250.000 Pakete – ohne einen einzigen Hardwareausfall. Möglich macht das unter anderem die Helix-02-Software und autonome Aufladefunktionen.

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Globaler Wettlauf um die Robotik-Dominanz

Die Entwicklung von Weltraumrobotern wie Helios fällt in eine Zeit intensiver geopolitischer Konkurrenz. Dr. Robert Ambrose, ehemaliger Robotik-Chef der NASA, äußerte am 23. Mai 2026 Bedenken: Zwar innovierten die USA weiter, doch andere Regionen – insbesondere China – holten massiv auf.

Chinas Firma EngineAI eröffnete kürzlich eine 12.000 Quadratmeter große Fabrik in Shenzhen. Die Produktionskapazität: 10.000 T800-Humanoiden pro Jahr. Nach einer Finanzierungsrunde im April 2026 über 200 Millionen Euro wird das Unternehmen mit 1,5 Milliarden Euro bewertet. Ein Roboter verlässt dort alle 15 Minuten das Band.

Auch andere Hersteller legen zu. Agibot, an dem LG beteiligt ist, verkaufte 2025 rund 5.100 Roboter – das entspricht einem Weltmarktanteil von 39 Prozent. Branchenweit wurden bis Anfang 2026 bereits über 10.000 Einheiten abgesetzt. Die Mietkosten für solche Systeme beginnen in den USA bei umgerechnet etwa 1.850 Euro pro Tag.

Kostendruck beschleunigt Entwicklung

Die sinkenden Preise kommen auch Weltraumprojekten zugute. Ein indisches Startup-Konsortium präsentierte im Mai 2026 einen Humanoiden für umgerechnet 23.000 bis 28.000 Euro. Unitree Robotics brachte seinen H1-Humanoiden nach Indien – mit einer Tragfähigkeit von 50 Kilogramm und hoher Bewegungsgeschwindigkeit.

Die Integration solcher Systeme erfordert zunehmend auch Software und Prozessoptimierung. Ein südkoreanischer Auftrag über umgerechnet 2,3 Millionen Euro zeigt den Trend: Es geht nicht mehr nur um Hardware, sondern um komplette Automatisierungslösungen inklusive Schulung und Umstrukturierung.

Ausblick: Die Zukunft der Orbitalarbeit

Helios könnte der Vorbote einer neuen Ära sein. Wenn schon heute 50 Stunden pro Frachtzyklus und ein Drittel der Astronautenzeit für Routinearbeiten draufgehen, ist der Schritt zu autonomen Systemen nicht nur wünschenswert – er ist logistische Notwendigkeit. Das gilt besonders für geplante Mond- und Marsmissionen.

Die Technologie ist bereit. Terrestrische Hersteller beweisen, dass Roboter hunderte Stunden mit minimalen Fehlern arbeiten können. Die für 2027 angekündigten Praxistests und der Ausbau der Massenproduktion deuten darauf hin: Die Robotikbranche verlässt das Pilotstadium. Monotone und teure Handarbeit wird zunehmend automatisiert – auf der Erde und bald auch im Orbit.

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