Heidelberger, Studie

Heidelberger Studie: Achtsamkeit verbessert die therapeutische Allianz messbar

Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 20:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein kurzes Achtsamkeitsritual ging mit stärkerem Symptomrückgang und einer besseren Beziehungsbewertung durch Jugendliche einher.
Ein minimalistischer, ruhiger Therapieraum mit einem leeren Sessel und weichem Tageslicht, das sanfte Schatten wirft. Illustration mit AI erstellt.

Bereits wenige Minuten Achtsamkeit zu Beginn einer therapeutischen Sitzung können die Behandlung von psychisch belasteten Jugendlichen spürbar unterstützen. Das zeigt eine randomisierte Vergleichsstudie des Zentrums für Psychologische Psychotherapie der Universität Heidelberg, die im August 2026 veröffentlicht wurde und über die die Hochschule am 16. Oktober 2026 per Pressemitteilung informierte. Die Untersuchung analysierte, wie sich ein kurzes Einstiegsritual auf den Verlauf einer ambulanten kognitiven Verhaltenstherapie auswirkt.

Studiendesign mit drei Versuchsgruppen

An der wissenschaftlichen Untersuchung nahmen 90 Jugendliche im Alter von 11 bis 19 Jahren teil, die sich aufgrund von Depressionen, Angststörungen oder ADHS in einer ambulanten Verhaltenstherapie befanden. Über einen Gesamtzeitraum von 24 therapeutischen Sitzungen hinweg teilten die Forscher die Teilnehmenden in drei unterschiedliche Gruppen ein.

In der ersten Gruppe führten die Jugendlichen zu Beginn jeder Sitzung fünf bis zehn Minuten lang Achtsamkeitsübungen durch. Dazu zählten die Ausrichtung der Aufmerksamkeit auf den Atem, systematische Körperwahrnehmungen mittels Bodyscan sowie Gehmeditationen.

Die zweite Gruppe absolvierte stattdessen klassische Entspannungsübungen im gleichen Zeitfenster. Die dritte Untersuchungsgruppe durchlief die reguläre therapeutische Sitzung ohne ein gesondertes Einstiegsritual.

Einfluss auf Symptomatik und Beziehungsqualität

Die Auswertung der Heidelberger Daten ergab, dass die psychischen Symptome bei den Jugendlichen aller drei Gruppen im Verlauf der Behandlung sanken. Der Rückgang der Beschwerden fiel in der Gruppe mit dem Achtsamkeitsritual allerdings stärker aus als in jener Gruppe, die ohne Einstiegsritual therapiert wurde.

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Zwischen den Teilnehmenden mit Achtsamkeitsübungen und jenen mit reinen Entspannungsübungen zeigte sich hinsichtlich der Symptomreduktion kein signifikanter Unterschied.

Auffällige Differenzen zeigten sich hingegen bei der Bewertung der therapeutischen Allianz. Die von den Jugendlichen selbst eingeschätzte Beziehung zu ihren Therapeuten verbesserte sich in der Achtsamkeitsgruppe messbar. In der Gruppe ohne Ritual verschlechterte sich dieser Wert im Laufe der Behandlung leicht, während die Entspannungsgruppe keine deutliche Veränderung verzeichnete.

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Aus Sicht der behandelnden Therapeuten verbesserte sich die therapeutische Beziehung über den Behandlungszeitraum hinweg in allen drei Gruppen gleichermaßen, ohne dass hierbei signifikante Unterschiede zwischen den Bedingungen festgestellt wurden.

Relevanz für den psychotherapeutischen Alltag

Die Leitung der wissenschaftlichen Arbeit lag bei Professor Johannes Mander. Beteiligt war zudem Dr. Julia Kalmar, die darauf hinwies, dass sich die geprüften Achtsamkeitsübungen leicht in das therapeutische Setting integrieren lassen.

Die Ergebnisse legen nahe, dass ein kurzer zeitlicher Aufwand von wenigen Minuten am Anfang einer Konsultation nicht nur den Symptomabbau im Vergleich zu sitzungsüblichen Abläufen ohne Vorbereitung fördern kann, sondern insbesondere auch die emotionale Bindung und das Vertrauensverhältnis der jugendlichen Patienten zu den Therapeuten stärkt.

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de | wissenschaft | 70406106 |