HDE, Vorgehen

HDE fordert schärferes Vorgehen gegen Cyberkriminalität

03.05.2026 - 15:49:46 | boerse-global.de

Handelsverband verlangt politische Maßnahmen gegen wachsende Cyberkriminalität und Marktmacht internationaler Plattformen.

HDE fordert schärferes Vorgehen gegen Cyberkriminalität - Foto: über boerse-global.de
HDE fordert schärferes Vorgehen gegen Cyberkriminalität - Foto: über boerse-global.de

Der Handelsverband Deutschland (HDE) verlangt entschlossene politische Maßnahmen für fairen Wettbewerb im digitalen Markt. Hintergrund ist eine dramatische Zunahme KI-gestützter Cyberangriffe, die Verbraucher und Finanzinstitute massiv bedrohen. Die globalen Schäden durch Cyberkriminalität werden in diesem Jahr auf über zehn Billionen Euro geschätzt.

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HDE: „Wettbewerbsverzerrung durch internationale Plattformen“

Bereits Anfang der Woche hatte HDE-Präsident Alexander von Preen die Politik zum Handeln aufgefordert. Am 2. Mai 2026 kritisierte er die wachsende Marktmacht von Plattformen wie Temu und Shein. Der Verband fordert „schnelle und zielgerichtete“ Regulierung, um faire Bedingungen für den deutschen Einzelhandel zu schaffen.

Im Zentrum der Forderungen steht die Modernisierung der Sicherheitsmaßnahmen. Dazu gehören KI-gestützte Videoüberwachung zum Schutz von Geschäften und eine grundlegende Neuordnung des Datenschutzes. Statt der aktuellen 16 Landesbehörden wünscht sich der HDE eine zentrale Datenschutzbehörde – das würde bürokratische Hürden für Unternehmen senken.

KI-gesteuerte Angriffswellen erschüttern Deutschland

Die Dringlichkeit der Forderungen untermauern aktuelle Zahlen aus dem ersten Quartal 2026. Sicherheitsforscher beobachten einen sprunghaften Anstieg KI-gesteuerter Betrugsversuche. Schätzungen zufolge werden inzwischen 86 Prozent aller Phishing-Angriffe mit Künstlicher Intelligenz orchestriert. Die Technologie erlaubt täuschend echte, personalisierte Nachrichten – herkömmliche Schutzmechanismen greifen kaum noch.

Besonders besorgniserregend: die Zunahme von „Quishing“ – Phishing über QR-Codes. Zwischen Januar und März 2026 stieg diese Angriffsform um 146 Prozent. Die Täter umgehen damit klassische E-Mail-Filter. Microsoft allein blockierte im ersten Quartal rund 8,3 Milliarden Phishing-E-Mails.

Seit Ende April rollen mehrere konkrete Betrugswellen über Deutschland. Eine Steuer-Phishing-Kampagne zielt auf Bürger in der Steuererklärungssaison ab – die Täter geben sich als Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) oder ELSTER aus und versprechen Steuerrückzahlungen. Parallel dazu werden seit heute Kunden von Deutscher Bank, Sparkasse, Targobank und Commerzbank mit gefälschten Sicherheits-Updates oder „pushTAN“-Erneuerungen attackiert.

Bürokratie bremst digitale Sicherheit aus

Neben den akuten Bedrohungen kämpft die digitale Infrastruktur mit strukturellen Problemen. Zwar steigt der Etat des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr (BMDV) bis 2027 um 12,6 Prozent auf rund 550 Millionen Euro – doch Kritiker bezweifeln die strategische Mittelverteilung.

Der Digitalverband eco veröffentlichte am 1. Mai eine Bestandsaufnahme: Von 22 zentralen Digitalprojekten erreichen nur sechs ihre Ziele. Geschäftsführer Alexander Rabe nannte den Etat-Anstieg zwar ein positives Signal, forderte aber massive Investitionen in skalierbare Infrastruktur und KI-Entwicklung. Laut der „Digital Pulse“-Umfrage sehen fast 75 Prozent der IT-Entscheider die Bürokratie als größtes Hindernis für den digitalen Fortschritt in Deutschland.

Die menschliche Seite des digitalen Wandels wird ebenfalls sichtbar. Ein Gehaltsreport für den Berliner Tech-Sektor vom 2. Mai zeigt: 87,5 Prozent der Tech-Beschäftigten nutzen KI im Arbeitsalltag – doch über 61 Prozent fürchten um ihre Jobs. Eine Bitkom-Studie vom März und April ergab zudem, dass 72 Prozent der Deutschen eine wachsende Abhängigkeit von US-amerikanischen KI-Technologien beunruhigt.

Neue Schutzrahmen und lokale Initiativen

Die Politik reagiert: Der EU AI Act tritt am 2. August 2026 in Kraft und schafft einen Rechtsrahmen für Künstliche Intelligenz. Deutschland setzt zudem den EU Cyber Resilience Act um – ein Gesetzesentwurf vom 30. April zielt auf die Sicherheit digitaler Produkte über deren gesamten Lebenszyklus.

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Auf kommunaler Ebene gehen Städte eigene Wege. Hanau kündigte heute eine grundlegende Neuordnung seiner IT-Abteilung an – Ziel ist die vollständige Digitalisierung bis 2030. Offenbach gründete ein eigenständiges Digitalamt, das 122 Dienstleistungen bündeln soll. Hamburgs Bafög-Amt will bis 2027 komplett digital arbeiten – eine „Scan-Linie“ soll die hohe Zahl von Papieranträgen bewältigen, die noch immer die Hälfte aller Einreichungen ausmachen.

Auch für Umwelt und öffentliche Sicherheit wird KI genutzt: Am 2. Mai startete Deutschland das „CODE-DE Lab“, eine zentrale Cloud-Plattform für Satellitendaten. Mit 16 Millionen Euro gefördert, verarbeitet die Plattform Daten der Copernicus-Mission und kommerzieller Anbieter – KI erkennt Waldschäden und überwacht Schutzgebiete.

Cyberkriminalität wird zur Industrie

Die aktuelle Lage offenbart eine gefährliche Diskrepanz: Kriminelle Innovation läuft der Regulierung davon. Europols jüngste Analysen zeigen, dass Cyberkriminalität vollständig industrialisiert ist – über 120 aktive Ransomware-Varianten sind derzeit im Umlauf. Die Taktik hat sich gewandelt: Statt simpler Datenverschlüsselung setzen Täter auf Datendiebstahl und Erpressung unter Hochdruck.

Der massive ADT-Datenleck vom 20. April 2026 ist ein aktuelles Beispiel. Angreifer nutzten „Vishing“ (Sprach-Phishing) und missbrauchten Single-Sign-On-Zugänge, um 5,5 Millionen Kundendatensätze zu stehlen. Der Fall zeigt: Selbst große Sicherheitsanbieter sind gegen KI-verstärkte Social-Engineering-Attacken nicht gefeit.

Die geopolitische Dimension digitalen Handels erschwert den Verbraucherschutz zusätzlich. Das EU-Parlament fordert eine Digitalsteuer für „Big Tech“ – bis zu 60 Milliarden Euro jährlich für den Haushalt 2028-2034. Doch solche Vorhaben drohen mit internationalen Handelspartnern zu kollidieren. Länder wie Frankreich und Polen planen bereits nationale Digitalsteuern als Alternative.

Ausblick: Entscheidendes Jahr für die Digitalpolitik

Die zweite Jahreshälfte 2026 wird richtungsweisend. Digitalminister Karsten Wildberger, der sein erstes Amtsjahr absolviert hat, verspricht eine „digitale Brieftasche“ bis Anfang 2027. Sie soll die sichere digitale Identifizierung für Bürger vereinfachen. Ob das gelingt, hängt entscheidend davon ab, ob die Regierung die Bürokratie abbaut – 75 Prozent der Branchenexperten sehen darin weiterhin die größte Hürde.

In der Privatwirtschaft zeichnet sich ein trend zu „vorwettbewerblichen“ Kooperationen ab. Bayern kündigte heute eine Förderinitiative für intelligente elektronische Systeme an – sie soll Industrie und Forschung vernetzen. Während KI alle Bereiche der digitalen Wirtschaft durchdringt, bleibt die zentrale Herausforderung: eine sichere Umgebung für Verbraucher schaffen, ohne die Innovation zu ersticken, die Deutschland im globalen Wettbewerb braucht.

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