Hashimoto: Selen senkt TPO-Antikörper – neue Meta-Analyse belegt Effekt
Veröffentlicht: 14.07.2026 um 21:53 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Anders als bei einer klassischen Hypothyreose rückt bei der Autoimmunerkrankung zunehmend die Immunregulation in den Fokus – und damit die Frage nach der richtigen Ernährung.
Unterfunktion ist nicht gleich Hashimoto
Obwohl Hashimoto oft in eine Unterfunktion mündet, unterscheiden sich die Ernährungsempfehlungen teils deutlich. Während Jod für die allgemeine Schilddrüsenfunktion essenziell ist, kann eine hohe Zufuhr bei Hashimoto die Entzündung im Gewebe verstärken. Experten raten daher häufig zur Jodreduktion – bei gleichzeitiger antioxidativer Unterstützung des Organs.
Die Diagnose erfolgt per TSH-Bestimmung und Ultraschall. Typische Symptome: chronische Müdigkeit, Kälteempfindlichkeit, Gewichtszunahme und Haarausfall. Standardtherapie bleibt lebenslang L-Thyroxin, idealerweise 30 Minuten vor dem Frühstück.
Selen als Schlüsselelement
Ein zentraler Baustein in der begleitenden Ernährungstherapie ist Selen. Deutsche Böden gelten als selenarm – ein Mangel tritt häufig bei pflanzenbetonter Ernährung oder in der Schwangerschaft auf. Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2024 belegt: Ausreichende Selenversorgung kann die Konzentration der TPO-Antikörper senken.
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Die Referenzzufuhr liegt bei etwa 60 µg pro Tag, die Obergrenze bei 255 µg. Selenreiche Lebensmittel sind unter anderem Paranüsse, Champignons, Lachs und Spargel.
Neben Selen wird oft der Verzicht auf Gluten diskutiert, um die Immunreaktion zu entlasten. Bei Kinderwunsch raten Mediziner zudem zu einer gezielten Nährstoffversorgung.
Entzündungshemmende Lebensmittel und neue Forschung
Zur Unterstützung des Immunsystems empfehlen Fachleute entzündungshemmende Lebensmittel wie Kurkuma, Ingwer, Zimt und Kakao. Ein Forscherteam der Universität Graz veröffentlichte 2026 in Acta Pharmaceutica Sinica B Ergebnisse, wonach bestimmte Vitamin-E-Metabolite entzündungshemmende Eigenschaften besitzen. In Laborversuchen reduzierten diese Stoffe entzündliche Immunzellen.
Doch nicht alles, was gesund klingt, ist unbedenklich. Steinpilze, Kakaopulver oder Sonnenblumenkerne können höhere Cadmium-Gehalte aufweisen – das Schwermetall gelangt über Boden und Wasser in die Nahrungskette. Für die Allgemeinbevölkerung sind Getreideprodukte und Kartoffeln die Hauptquellen. Die tolerierbare wöchentliche Aufnahme liegt bei 2,5 µg pro Kilogramm Körpergewicht.
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Geschlechtsspezifische Risiken und neue Leitlinien
Autoimmunerkrankungen betreffen Frauen deutlich häufiger als Männer. Eine im Januar 2025 in ACR Open Rheumatology veröffentlichte Studie mit Daten von über 113 Millionen Menschen untersuchte den Zusammenhang mit dem X-Chromosom. Ergebnis: Eine höhere Anzahl an X-Chromosomen erhöht das Risiko für Lupus oder Sjögren-Syndrom massiv – ein Erklärungsansatz, der auch für Schilddrüsen-Autoimmunprozesse relevant ist.
In der Praxis achten Ärzte zudem verstärkt auf Vermeidung von Überdiagnostik. Eine neue S3-Leitlinie aus dem Jahr 2026 empfiehlt für Schilddrüsenknoten eine streng anlassbezogene Abklärung. Ultraschall ohne konkrete Symptome wird kritisch hinterfragt. Projekte wie DIAMANT-SD entwickeln standardisierte Verfahren zur Abklärung von Schilddrüsenveränderungen.
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