Handelskrieg: Trump droht mit 100-Prozent-Zoll gegen Digitalsteuern
26.06.2026 - 22:54:08 | boerse-global.de
Washington, 26. Juni 2026 – Donald Trump hat heute angekündigt, sämtliche Importe aus Staaten, die Digitalsteuern auf amerikanische Konzerne erheben, mit einem Strafzoll von 100 Prozent zu belegen. Die Ankündigung erfolgte über soziale Medien und würde bestehende Handelsabkommen außer Kraft setzen. Das dürfte die Beziehungen zu Europa auf eine harte Probe stellen.
Eskalation im Streit um Digitalsteuern
Die Drohung richtet sich gezielt gegen Länder, die digitale Dienstleistungen von US-Tech-Giganten besteuern. Mehrere europäische Staaten haben solche Abgaben bereits eingeführt: Großbritannien erhebt seit 2020 zwei Prozent, Frankreich seit 2019 drei Prozent auf die Umsätze großer Digitalkonzerne.
Das Weiße Haus stellte klar: Jedes Land, das diese Steuern beibehalte oder einführe, müsse mit dem Komplettzoll auf alle Exporte in die USA rechnen. Die Maßnahme würde sogar die gerade ausgehandelten Regelungen des EU-US-Handelsrahmens überschreiben – ein beispielloser Schritt.
EU erfüllt ihre Hausaufgaben – und wird bestraft
Die Ankündigung kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Erst gestern, am 25. Juni, hatten die EU-Mitgliedsstaaten ein Gesetzespaket verabschiedet, das Zölle auf amerikanische Industriegüter, Agrarprodukte und Hummer abschafft. Das Europaparlament hatte die Maßnahmen mit 440 zu 151 Stimmen gebilligt.
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Damit erfüllt Brüssel seine Seite eines mühsam ausgehandelten Handelsdeals – pünktlich zum Stichtag am 4. Juli 2026. Die neuen Regeln gelten bis Ende 2029 und enthalten einen Schutzmechanismus gegen plötzliche Importanstiege. Ein Affront also, dass Trump nun mit neuen Strafzöllen droht.
Widerspruch zwischen Zollobergrenze und neuer Drohung
Im Rahmen des verhandelten Abkommens hatten sich die USA auf eine Zollobergrenze von 15 Prozent für viele europäische Exporte verpflichtet. Die EU-Kommission bestätigte kürzlich, dass die Union der einzige Handelspartner sei, der eine solche Deckelung erreicht habe. Betroffen sind unter anderem Pharmazeutika, Halbleiter und Holzprodukte.
Doch Trumps Ankündigung von heute schafft neue Unsicherheit. Zwar bleibt der 4. Juli als Stichtag für das Gesamtabkommen bestehen – doch die Digitalsteuern wurden ausdrücklich aus dem Deal ausgenommen. Genau diese Lücke nutzt der Präsident nun für seine Drohung.
Juristische Hürden und neue Ermittlungen
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Die Lage wird zusätzlich durch jüngste Gerichtsentscheidungen verkompliziert. Am 24. Februar 2026 hatte der Oberste Gerichtshof der USA frühere Versuche gestoppt, länderspezifische Notfallzölle zu verhängen. Als Reaktion bereitet Washington nun Section-232-Ermittlungen vor – unter anderem zu Batterien, Gusseisen, Telekommunikationsausrüstung und Chemikalien.
Parallel dazu werden Section-301-Untersuchungen als schärfstes Schwert gegen Länder mit Digitalsteuern vorbereitet. Während zuvor über einen Basiszoll von zehn Prozent mit möglichen Erhöhungen auf 15 Prozent spekuliert wurde, ist die heutige Ankündigung von 100 Prozent eine ganz andere Hausnummer: ein gezielter Schlag gegen die Finanzpolitik europäischer Verbündeter.
