Haferflocken, Cholesterin

Haferflocken gegen Cholesterin: Beta-Glucan senkt den Wert um bis zu 7 Prozent

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 18:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Fachleute erläutern risikobasierte LDL-Zielwerte, medikamentöse Optionen und die Bedeutung früher Bluttests bei Kindern.
Eine Nahaufnahme einer Holzschale mit Haferflocken auf einem dunklen Steinhintergrund bei natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Erhöhte Cholesterinwerte gelten als einer der wesentlichen Treiber für kardiovaskuläre Erkrankungen. Fachbeiträge und Experten führender Institutionen – darunter die Deutsche Herzstiftung, die Stiftung Kindergesundheit und das Herz- und Diabeteszentrum NRW – stellen aktuelle Strategien vor, um Fettstoffwechselstörungen durch gezielte Lebensstiländerungen, medikamentöse Therapien und eine frühzeitige Diagnostik zu kontrollieren.

Genetische Einflüsse und der Stellenwert der Ernährung

Ein weit verbreiteter Irrtum betrifft das Ausmaß, in dem der Cholesterinspiegel allein über das Essen beeinflusst werden kann. Fachärztin Juliane Willecke vom Herz- und Diabeteszentrum NRW in Bad Oeynhausen erläutert, dass der menschliche Körper etwa 80 bis 90 % des Cholesterins selbst herstellt.

Ein LDL-Wert von über 190 mg/dl gehe mit einem deutlich erhöhten Risiko für atherosklerotische Erkrankungen einher. Während der sogenannte Eier-Mythos wissenschaftlich überholt sei und gesättigte Fettsäuren eine größere Rolle spielten als das Nahrungscholesterin selbst, könnten spezifische Nahrungsmittel wie Haferflocken durch das enthaltene Beta-Glucan das Cholesterin um etwa fünf bis sieben Prozent senken.

Auch Kardiologin Prof. Christiane Tiefenbacher von der Deutschen Herzstiftung betont, dass Cholesterin im Wesentlichen genetisch determiniert sei. Eine Ernährungsumstellung könne den LDL-Spiegel maximal um rund 10 % senken. Tiefenbacher bezeichnet LDL als zentralen Gefäßschädiger und Hauptrisikofaktor für Herzinfarkte sowie Schlaganfälle.

Zielwerte und therapeutische Optionen

Die angestrebten Zielwerte richten sich nach dem individuellen Gesamtrisiko. Tiefenbacher zufolge ist bei gesunden Menschen ohne zusätzliche Risikofaktoren ein LDL-Wert von 120 bis 130 mg/dl akzeptabel, während Willecke für Gesunde oft einen Wert von unter 116 mg/dl anführt.

Liegen Vorerkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck oder Rauchen vor, wird laut Tiefenbacher ein Wert von etwa 70 mg/dl angestrebt; nach einem erlittenen Herzinfarkt oder bei manifesten Herzkrankheiten sinkt die Empfehlung beider Fachärztinnen auf unter 55 mg/dl.

Reicht eine Lebensstilmodifikation nicht aus, stehen medikamentöse Behandlungen im Fokus. Tiefenbacher verweist darauf, dass Statine eine hohe Wirksamkeit aufweisen und der Mythos von häufigen Muskelschmerzen durch Placebostudien entkräftet worden sei.

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Als weitere Option stünden PCSK9-Hemmer zur Verfügung, die injiziert werden und hochwirksam seien. Aufgrund von monatlichen Kosten von etwa 1000 Euro kämen diese Präparate jedoch erst nach dem Einsatz günstigerer Medikamente in Betracht.

Früherkennung vom Kindesalter an

Atherosklerotische Prozesse beginnen oft unbemerkt. Nephrologe Prof. Volker Schettler vom Nephrologischen Zentrum Göttingen erklärt, dass hohe Cholesterinspiegel lange ohne Beschwerden verlaufen, bis Plaques aufplatzen und durch Blutgerinnsel Ereignisse wie Herzinfarkte, Schlaganfälle oder periphere arterielle Verschlusskrankheiten (PAVK) auslösen.

Späte Warnsignale seien Schwäche, Müdigkeit, Belastungsluftnot, Herzrasen und Angina Pectoris. Schettler rät zu einer Blutfettbestimmung ab einem Alter von 5 Jahren, spätestens mit 18 Jahren sowie zur Wahrnehmung der für gesetzlich Versicherte ab 35 Jahren alle drei Jahre angebotenen Vorsorgeuntersuchung.

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Besondere Aufmerksamkeit verlangen angeborene Stoffwechseldefekte. Wie die Stiftung Kindergesundheit darlegt, bleibt eine familiäre Hypercholesterinämie (FH) bei Kindern meist symptomfrei, führt unbehandelt jedoch zu frühen Gefäßschäden.

Die heterozygote Form betrifft etwa eine von 250 bis 500 Personen mit einer Vererbungswahrscheinlichkeit von rund 50 %, wenn ein Elternteil Träger ist. Die schwerere biallelische Form tritt bei etwa einer von 160.000 bis 300.000 Personen auf und kann unbehandelt bereits vor dem 20. Lebensjahr zu schwersten Gefäßerkrankungen führen.

Prof. Berthold Koletzko von der Stiftung Kindergesundheit hebt hervor, dass erhöhte LDL-C-Werte nicht automatisch FH bedeuten; die Abklärung erfordere Krankengeschichte, Familienanamnese und teils genetische Diagnostik im Rahmen von Kaskadenscreenings.

Für die Versorgung betroffener Heranwachsender entwickelte das Projekt Hyperlip-Kid, wie der Innovationsausschuss des Gemeinsamen Bundesausschusses mitteilte, die bisherige S2k-Leitlinie zu einer S3-Leitlinie mit 26 Empfehlungen weiter.

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