Hafer und Erkältungen: 14 Studien stützen keinen überzeugenden Immunschutz
Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 12:23 Uhr | Redaktion boerse-global.deIn Ernährungsempfehlungen und Gesundheitstrends wird Hafer häufig als natürliches Mittel zur Stärkung der körpereigenen Abwehrkräfte angepriesen. Eine wissenschaftliche Auswertung der University for Continuing Education Krems zeigt jedoch, dass die vorhandene Evidenz Hafer als wirksamen Schutz vor Erkältungen nicht überzeugend stützt.
Die Annahme, dass der regelmäßige Verzehr das Immunsystem merklich ankurbelt, hält einer systematischen Prüfung der aktuellen Studienlage nicht stand.
Methodische Mängel bei Studien zur Immunabwehr
Für die Analyse werteten die Forscher der University for Continuing Education Krems eine Synthese von 14 Studien aus. In den Untersuchungen nahmen die Probanden über Zeiträume von vier bis 26 Wochen Beta-Glucane oder ein Placebo in Dosierungen zwischen 35 und 900 Milligramm ein.
Die Resultate fielen insgesamt inkonsistent aus und wiesen teilweise erhebliche methodische Mängel auf. Zudem wurden zahlreiche der analysierten Arbeiten direkt von Anbietern von Beta-Glucan-Präparaten finanziert. Ein weiterer relevanter Befund: Schutzwirkungen zeigten sich, wenn überhaupt, vor allem bei Beta-Glucanen aus Hefe, nicht jedoch bei jenen aus Hafer.
Bereits ein Review der österreichischen Universität aus dem Jahr 2024, das 16 Studien umfasste, kam zu einem ernüchternden Ergebnis hinsichtlich entzündungshemmender Eigenschaften: Bei gesunden Personen senkte Hafer die Entzündungsmarker nicht signifikant.
Begrenzte Vorteile ließen sich allenfalls bei Personen mit Adipositas oder bereits erhöhtem Cholesterinspiegel feststellen. Zur Aufrechterhaltung eines gesunden Cholesterinspiegels empfiehlt sich laut der Institution eine tägliche Aufnahme von mindestens drei Gramm Hafer-Beta-Glucanen.
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Nachgewiesene Effekte auf Cholesterin und Stoffwechsel
Während die Wirkung auf das Immunsystem wissenschaftlich unzureichend belegt ist, zeigen kardiometabolische Parameter deutlichere Reaktionen auf Haferbestandteile.
Eine Anfang 2026 in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlichte Untersuchung der Universität Bonn untersuchte die Wirkung einer intensiven Haferintervention bei 68 Erwachsenen mit metabolischem Syndrom. Die Teilnehmer konsumierten unter Kalorienrestriktion täglich 300 Gramm Hafer, aufgeteilt auf drei Mahlzeiten.
Binnen 48 Stunden sank das LDL-Cholesterin um bis zu zehn Prozent und das Gesamtcholesterin um acht Prozent, begleitet von einem Gewichtsverlust von rund zwei Kilogramm. Diese Stoffwechseleffekte hielten bis zu sechs Wochen nach der Rückkehr zur gewohnten Ernährung an. Dagegen führte ein moderater Verzehr von 80 Gramm täglich über sechs Wochen zu keinen eindeutigen Veränderungen der Blutfettwerte.
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Als Mechanismus identifizierten die Bonner Forscher eine Veränderung des Darmmikrobioms, bei der phenolische Stoffwechselprodukte wie Ferulasäure die Leber zu einer effizienteren Cholesterinverarbeitung anregen. Prof. Marie-Christine Simon ordnete das Ergebnis dahingehend ein, dass dieser Effekt nicht mit modernen Medikamenten vergleichbar sei.
Ergänzend beschreibt ein Review im Journal of Nutritional Science, das 15 Arbeiten aus Australien, Indonesien und Thailand analysierte, die physikalischen Wirkungen: Das im Hafer enthaltene Beta-Glucan bildet im Verdauungstrakt ein Gel, das die Glukosefreisetzung verlangsamt, die Gallenausscheidung steigert und so den Cholesterinspiegel senkt.
Vollkornwirkungen und praktische Aspekte
Umfassendere Daten lieferte eine Meta-Analyse im European Heart Journal aus dem Jahr 2026, die 87 randomisierte Studien mit 6.529 Teilnehmern zusammenfasste.
Vollkornkonsum war demnach mit Verbesserungen bei Körpergewicht, Taillenumfang, Gesamt- und LDL-Cholesterin, Triglyceriden, Nüchternglukose, systolischem Blutdruck sowie dem Entzündungsmarker Interleukin-6 assoziiert. Während erste Effekte ab 30 bis 40 Gramm Vollkorn pro Tag im Trockengewicht auftraten, zeigten sich stärkere Auswirkungen bei 60 bis 100 Gramm täglich.
Bei der Zubereitung verweist die Krankenkasse Barmer zudem auf Inhaltsstoffe, die die Verwertung hemmen können: Hafer enthält pro 100 Gramm zwischen einem und sieben Gramm Phytinsäure. Dieser Stoff bindet Mineralien wie Eisen, Zink, Kalzium und Magnesium. Um die Nährstoffaufnahme zu verbessern, empfiehlt sich die Kombination mit Vitamin-C-reichen Lebensmitteln wie Kiwis, Orangen, Paprika oder Petersilie.
