Häusliche, Gewalt

Häusliche Gewalt gegen Männer: Beratungszahlen erreichen Höchststand

Veröffentlicht am: 21.08.2026 um 02:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Beratungsbedarf bei Gewalt gegen Männer steigt auf Rekordniveau. Neue Schutzangebote und Initiativen gegen Einsamkeit gewinnen an Bedeutung.

Rekord bei Männerberatung: Häusliche Gewalt gegen Männer erreicht neuen Höchststand
Ein nachdenklicher Mann sitzt an einem Schreibtisch in einem ruhig beleuchteten Raum. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Inanspruchnahme von Beratungsleistungen für Männer, die von häuslicher Gewalt betroffen sind, hat im ersten Halbjahr 2026 einen neuen Höchststand erreicht. Dies geht aus aktuellen Berichten der Männerberatung des SKM Düsseldorf hervor.

Die Daten unterstreichen eine wachsende Relevanz von spezialisierten Unterstützungsangeboten im Bereich der psychosozialen Gesundheit, die neben Gewaltschutz auch Maßnahmen gegen Einsamkeit und soziale Isolation umfassen.

Steigender Beratungsbedarf bei häuslicher Gewalt gegen Männer

In den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 ließen sich beim SKM Düsseldorf mehr als 120 Männer beraten. Von diesen suchten 56 Personen explizit aufgrund von Gewalterfahrungen Hilfe. Die Auswertung der Beratungsfälle zeigt ein spezifisches Täter-Opfer-Profil: In 42 der 56 dokumentierten Fälle von Gewalt gegen Männer gaben die Betroffenen an, dass die Gewalt von Frauen ausging.

Die statistische Relevanz physischer Übergriffe bleibt dabei hoch. Laut dem SKM entfallen 78 % der gemeldeten Fälle auf körperliche Gewalt. Um dieser Situation zu begegnen, betreibt die Organisation seit 2020 die Schutzwohnung „Freiraum“, die über insgesamt vier Plätze für bedrohte Männer verfügt.

Dieser lokale Trend in Düsseldorf spiegelt eine breitere Entwicklung in Nordrhein-Westfalen wider. Bereits im Jahr 2024 wurden landesweit insgesamt 66.800 Betroffene von häuslicher Gewalt registriert. Während der Anteil weiblicher Opfer bei 71 % lag, verzeichnete die Statistik bei den betroffenen Männern einen Zuwachs von 4 %.

Internationale Perspektiven und Kampagnen zur Sensibilisierung

Ähnliche Entwicklungen werden im internationalen Kontext beobachtet. In Nordirland registrierte der Police Service of Northern Ireland (PSNI) zwischen April 2025 und März 2026 insgesamt 5.817 Gewalttaten gegen Männer. Damit stellen Männer dort 32 % aller registrierten Opfer häuslicher Gewalt dar.

In diesem Zusammenhang startete der PSNI gemeinsam mit dem Men’s Advisory Project die Kampagne „Every Victim Matters“, um die Sichtbarkeit männlicher Opfer zu erhöhen.

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Die juristische Aufarbeitung solcher Fälle zeigt eine Sanktionsquote von 19 % in Nordirland. Als Beispiel für die Schwere der Delikte dient der Fall Tony Browne, der 2022 getötet wurde; die Täterin wurde im Jahr 2024 zu einer Haftstrafe von 14 Jahren verurteilt.

Strategien gegen Einsamkeit und soziale Isolation

Neben dem Schutz vor Gewalt rückt die Bekämpfung von Einsamkeit verstärkt in den Fokus der mentalen Gesundheitsvorsorge. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzte für das Jahr 2025, dass weltweit jeder sechste Mensch von Einsamkeit betroffen ist. Als Reaktion darauf haben verschiedene deutsche Städte Konzepte des sogenannten „Social Prescribing“ etabliert.

In Frankfurt am Main ist ein entsprechendes Programm seit Juni 2026 aktiv und verzeichnete bereits 80 Anmeldungen für kostenfreie Kurse in Bereichen wie Fotografie und Tanz. In Hannover beteiligen sich seit September 2025 rund 60 Arztpraxen an der Vermittlung sozialer Aktivitäten. Die Charité verweist in diesem Zusammenhang auf positive Effekte: Teilnehmer solcher Angebote berichten von einem signifikant geminderten Einsamkeitsempfinden.

Regionale Initiativen und präventive Gemeinschaftsprojekte

Ergänzend zu staatlichen Programmen haben sich zahlreiche lokale Initiativen gebildet. In Rostock organisiert die Initiative „Freundwärts“ seit ihrer Gründung regelmäßige Spaziergänge am Stadthafen, an denen zwischen 20 und 50 Personen verschiedener Altersgruppen teilnehmen. Ein ähnliches Projekt unter dem Namen „Gehmeinschaft“ plant der Verein Elbe-Havel-Kunstkanal für September 2026 in Genthin.

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Auch religiöse und kommunale Gemeinschaften engagieren sich in der Prävention. In Krefeld ist für den 29. August 2026 der 8. Wallgang unter dem Motto „Gemeinsam statt einsam“ vorgesehen. Die Veranstaltung, die unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Frank Meyer steht, beinhaltet unter anderem Beiträge der Telefonseelsorge.

Weitere langjährige Angebote wie das „Café Lebenslust“ in Kassel, der Besuchskreis Biebrich in Wiesbaden oder der „Babbel-Nett-Stammtisch“ in Frankfurt ergänzen das Netzwerk gegen soziale Isolation. In Gießen wurden über das Projekt „dabei bleiben“ seit 2019 bereits 190 Tandems zur gegenseitigen Unterstützung gebildet.

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