GlycA-Entzündungsmarker: 43 Prozent höheres Risiko für Infarkt oder Schlaganfall
Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 13:45 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle Erhebungen und wissenschaftliche Untersuchungen zeigen die weitreichenden Konsequenzen von Stress auf die psychische Verfassung sowie den menschlichen Körper. Wenn Erholungsphasen dauerhaft fehlen, wandelt sich die Belastung von einer vorübergehenden Reaktion zu einem ernsthaften Gesundheitsrisiko, das Arbeitsfähigkeit und Organfunktionen gleichermaßen beeinträchtigt.
Physische Folgen und kardiovaskuläre Risiken
Der Kardiologe Prof. Dr. Uwe Nixdorff aus Düsseldorf betont, dass nicht die Belastung an sich, sondern die ausbleibende Regeneration den Stress gefährlich mache. Laut Metaanalysen und großen klinischen Studien steigere chronischer Stress die Herzinfarkt-Inzidenz um etwa 25 Prozent.
Zwei Drittel der Menschen in Deutschland fühlen sich gestresst. Die körperlichen Reaktionen reichen von Schlafproblemen, Erschöpfung und vermehrtem Bauchfett bis hin zu Leptin- und Insulinresistenzen, einer verschlechterten Glukosetoleranz sowie einer gesteigerten Gerinnungsneigung.
Zudem seien Stresshormone wie Adrenalin und Noradrenalin sowie Entzündungsmarker wie Interleukine, TNF Alpha und CRP hochreguliert, während bei einem Burnout die Cortisolproduktion herunterreguliert sein könne. Auch die Journalistin Carola Kleinschmidt wies darauf hin, dass Stress sprichwörtlich auf den Magen schlagen könne.
Die gravierenden organischen Auswirkungen chronischer Entzündungen belegt zudem eine Studie des MRC Laboratory of Medical Sciences und des Imperial College London, die auf Daten von rund 480.000 Personen in Großbritannien basiert und im European Journal of Preventive Cardiology erschien.
Personen in den obersten 20 Prozent des Entzündungsmarkers GlycA wiesen ein um 43 Prozent höheres Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall auf als Personen mit den niedrigsten Werten.
Bei erhöhten Werten zeigten sich zudem verdickte Herzwände, kleinere Herzkammern sowie eine verminderte Füllung des Herzens. Studienleiter Declan O'Regan erklärte dazu, dass Millionen Menschen mit unbemerkten Entzündungen leben könnten, da sich entsprechende Schäden oft über Jahre schleichend entwickeln.
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Rekordstand bei psychisch bedingten Fehlzeiten
Die Auswirkungen der dauerhaften Überlastung spiegeln sich deutlich in den Betrieben wider. Eine Fehlzeitenanalyse der hkk Krankenkasse auf Grundlage von rund 610.000 Mitgliedern ergab für das erste Halbjahr 2026 einen leichten Rückgang des Krankenstands auf 5,0 Prozent, was 0,2 Prozentpunkten unter dem Vorjahreswert liegt.
Dennoch stiegen die Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen um 9,3 Prozent an, womit mentale Leiden erstmals die häufigste Ursache für Arbeitsausfälle darstellten.
Mit durchschnittlich 38,8 Fehltagen je Fall verursachen psychische Diagnosen besonders lange Ausfallzeiten; der Gesamtdurchschnitt aller Erkrankungen lag im ersten Halbjahr 2026 bei 10,9 Tagen je Fall. Langzeiterkrankungen von mehr als sechs Wochen machten zwar nur 3,2 Prozent der Fälle aus, standen jedoch für 45,8 Prozent aller erfassten Fehltage.
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Belastungstreiber in der modernen Arbeitswelt
Zusätzlichen Druck erzeugen strukturelle und technologische Veränderungen. Laut einer Personalleiterbefragung des ifo-Instituts und des Personaldienstleisters Randstad berichten knapp 40 Prozent von einem steigenden Pensum bei den Beschäftigten. In mehr als der Hälfte der Betriebe nehme die mentale Belastung zu.
Eine Untersuchung des ifo-Instituts mit dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung sowie der Universität Konstanz ergab zudem, dass Beschäftigte mit überwiegend körperlichen Tätigkeiten bei zunehmender Digitalisierung rund 20 Prozent mehr Fehltage im Jahr aufweisen, was auf sogenannten Technostress bei fehlender Schulung zurückgeführt wird.
Besonders ausgeprägt zeigt sich die Belastung in Spezialbereichen: Eine Erhebung von Object First und dem Marktforschungsinstitut Dynata unter IT-Fachkräften ergab, dass sich 71 Prozent durch Bedrohungen durch künstliche Intelligenz gestresst fühlen. Rund 66 Prozent ziehen einen Jobwechsel in Betracht oder suchen aktiv danach.
Zu den wesentlichen Treibern zählen das Risiko von Cyberangriffen, Personalmangel und der Druck zu ständiger Verfügbarkeit. Experten betonen daher, dass verlässliche Vertretungsregelungen, strukturierte Arbeitsabläufe und ausreichende Erholungsphasen unerlässlich sind, um chronischer Erschöpfung vorzubeugen.
