Glucosamin-Warnung: 25% erhöhtes Alzheimer-Risiko bei regelmäßiger Einnahme
23.06.2026 - 01:20:06 | boerse-global.de
Doch nicht jedes Mittel hält, was es verspricht.
Nachtkerze als Hoffnungsträger
Die Heilpflanze des Jahres 2026 steht im Fokus der Alzheimer-Forschung. Eine südkoreanische Studie im Fachmagazin Food Science and Biotechnology untersuchte die Wirkung von Nachtkerzenblattextrakt an Mäusen. Über 14 Wochen hinweg verbesserten 100 bis 200 mg pro Kilogramm Körpergewicht die kognitiven Funktionen und das Erinnerungsvermögen der Tiere signifikant. Die Ursache: weniger Amyloid-beta-Ablagerungen und geringere Entzündungsprozesse im Gehirn.
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Parallel dazu entdeckten Teams der UCLA Health und der UC San Francisco einen natürlichen Schutzmechanismus auf zellulärer Ebene. Der Proteinkomplex CRL5SOCS4 markiert toxische Tau-Proteine und leitet deren Zerstörung ein. Neuronen mit hohen Spiegeln dieses Proteins überlebten deutlich häufiger. Die Erkenntnis könnte neue Therapieansätze ermöglichen, die auf die körpereigene Abwehr setzen.
Fischöl enttäuscht, Glucosamin warnt
Nicht jedes Supplement hält, was es verspricht. Eine placebokontrollierte Studie der Keck Medicine of USC begleitete 365 Erwachsene mit erhöhtem Alzheimer-Risiko über zwei Jahre. Trotz täglicher 2.000 mg DHA stiegen die Omega-3-Spiegel in der Gehirnflüssigkeit zwar um 17 Prozent – eine Verbesserung von Kognition, Gedächtnis oder Hippocampus-Volumen blieb jedoch aus. Experten vermuten: Eine mediterrane Ernährung als Ganzes wirkt besser als isoliertes Fischöl.
Noch deutlicher fallen die Warnsignale bei Glucosamin aus. Eine Langzeitbeobachtung der University of Florida wertete Daten von über 50.000 Personen aus (2012 bis 2024). Veröffentlicht im Juni 2026 in Nature Metabolism: Bei Menschen mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen steigt das Alzheimer-Risiko durch regelmäßige Glucosamin-Einnahme um 25 Prozent. Bei bestehender Demenz erhöht sich das Sterberisiko um denselben Wert. Ursache könnte eine Hyperglykosylierung von Proteinen im Gehirn sein.
Kochen schützt – besonders bei geringen Kochkünsten
Eine japanische Langzeitstudie begleitete knapp 11.000 Menschen ab 65 Jahren über sechs Jahre. Die Ergebnisse: Regelmäßiges Kochen – mindestens einmal pro Woche – senkt das Demenzrisiko bei Männern um 23 Prozent, bei Frauen um 27 Prozent. Der Effekt war unabhängig von Bildung, Einkommen oder Konsumgewohnheiten. Besonders auffällig: Wer seine eigenen Kochkünste als gering einstufte, profitierte am stärksten – hier sank das Risiko um 67 Prozent.
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Auch Vitamin C spielt eine Rolle. Eine Studie der Hirosaki University an über 2.000 Japanern zeigt: Niedrige Vitamin-C-Werte im Blut gehen mit weniger grauer Substanz und schwächerer Konnektivität in Gedächtnis- und Aufmerksamkeitszentren einher. Ein direkter kausaler Nachweis steht allerdings noch aus.
Prävention: 36 Prozent aller Demenzfälle vermeidbar
Analysen des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) legen nahe: Rund 36 Prozent aller Demenzfälle ließen sich durch beeinflussbare Risikofaktoren verhindern. Neben der Ernährung rücken dabei auch medizinische Faktoren in den Fokus:
- Blutdruck: Ein zu niedriger Blutdruck (unter 100/60 mmHg) könnte das Alzheimer-Risiko steigern.
- Impfung: Die Gürtelrose-Impfung Shingrix senkte in Untersuchungen das Demenzrisiko um 24 Prozent.
- Medikamente: SGLT2-Hemmer aus der Diabetestherapie zeigten eine schützende Wirkung auf die kognitive Funktion.
Seit Mai 2026 gibt es zudem neue Diagnosewerkzeuge. Ein Bluttest (p-Tau217) mit CE-Kennzeichnung weist Alzheimer-Anzeichen laut Hersteller innerhalb von 17 Minuten nach – und ebnet den Weg für frühzeitige präventive Maßnahmen.
