GLP-1-Therapie, Bewegung

GLP-1-Therapie: Bewegung sinkt um 11%, Muskelmasse-Verlust bis 50%

02.07.2026 - 17:33:03 | boerse-global.de

Studie belegt: GLP-1-Patienten reduzieren tägliche Schrittzahl und Aktivität. Experten fordern Bewegung als festen Therapiebestandteil.

GLP-1-Therapie: Weniger Bewegung und Muskelabbau als Nebenwirkung
GLP-1-Therapie - Eine Hand hält einen Abnehmspritzen-Pen, während im Hintergrund verschwommen eine Person geht, was reduzierte Aktivität symbolisiert. 02.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Eine Studie der Konferenz ENDO 2026 zeigt: Die tägliche Schrittzahl sinkt nach Therapiestart von durchschnittlich 5.047 auf 4.487. Auch die Zeit für moderate bis intensive Aktivität fiel von 28 auf 22 Minuten pro Tag.

Besonders betroffen sind Männer und Menschen mit Gelenk- oder Muskelschmerzen. Fachleute des HSHS Saint John’s Hospital werteten Fitbit-Daten aus und empfehlen Bewegung als festen Bestandteil der Behandlung.

Sorge um Muskelmasse

Der Bewegungsmangel verschärft eine bekannte Problematik. Dr. Saurabh Sethi weist darauf hin, dass 40 bis 50 Prozent des Gewichtsverlusts unter GLP-1-Therapie aus Muskelmasse bestehen können. Zudem leiden bis zu 40 Prozent der Nutzer unter Übelkeit – das bremst die Sportbereitschaft zusätzlich.

Das Journal of Nutrition veröffentlichte am 1. Juli eine Analyse auf Basis von NHANES-Daten (2007–2020). Kurzzeitnutzer erreichen ihre Nährstoffziele seltener, besonders bei Eisen, Niacin, Kalium, Vitamin B6 und Folat. Nur 27 Prozent der Kurzzeitnutzer erreichen die empfohlenen Eisenwerte – bei Nicht-Nutzern sind es 63 Prozent.

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Jo-Jo-Effekt: Neue Bewertung

Dänische Forscher der Universität Kopenhagen entlasten die Patienten. Ihre Studie in Lancet Diabetes & Endocrinology sieht keinen kausalen Zusammenhang zwischen Gewichtsschwankungen und klinischen Schäden bei Adipositas. Die Vorteile der Gewichtsreduktion – bessere Stoffwechselwerte, gesteigerte Herz-Kreislauf-Gesundheit – überwiegen die Risiken möglicher Gewichtswiederzunahmen.

Eine Studie im Journal of the American Heart Association untermauert die präventive Wirkung. Bei über 13.000 GLP-1-Nutzern mit Adipositas und Autoimmunerkrankungen sank das Risiko für Lungenembolien um 31 Prozent, für Schlaganfälle um 13 Prozent. Die Gesamtmortalität lag 44 Prozent niedriger.

Psychische Effekte und Rechtsstreit

Die Forschung untersucht zunehmend neuropsychiatrische Effekte. Eine Studie in Communications Medicine analysierte Daten von 2020 bis 2025. Semaglutid und Tirzepatid sind grundsätzlich mit niedrigeren Raten von Angstzuständen und Depressionen verbunden als Alternativen. Allerdings: Bei Nicht-Diabetikern unter Tirzepatid stieg das Risiko für Schlaflosigkeit und Angstgefühle, Semaglutid zeigte ein höheres Risiko für Neuropathien.

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Parallel dazu laufen rechtliche Auseinandersetzungen. In Marion County verklagen Betroffene Eli Lilly und Novo Nordisk wegen angeblicher Verharmlosung von Nebenwirkungen wie Magenlähmung und Muskelverlust. Auch Warnhinweise zu Schilddrüsentumoren bleiben Thema.

Die Berliner Giftnotrufzentrale warnt vor dubiosen Quellen für Abnehmmittel – dort wurden Fälle von schwerem Erbrechen gemeldet. Als Alternative zur dauerhaften Medikation forschen Wissenschaftler an Gentherapien, die die körpereigene GLP-1-Produktion aktivieren. Erste Ergebnisse werden für die zweite Jahreshälfte 2026 erwartet.

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