GLP-1-Medikamente: 66 Prozent essen mehr Obst und Gemüse, 61 Prozent mehr Protein
Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 06:12 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie wachsende Verbreitung von GLP-1-Medikamenten führt zu deutlichen Verschiebungen im Konsumverhalten. Laut dem im Frühjahr 2026 von März bis Mai erhobenen „GLP-1 Consumer Impact Report“ von EY-Parthenon setzen erstmals 54 Prozent der US-amerikanischen Anwender das Medikament primär zur Gewichtsabnahme ein – und damit häufiger als zur Behandlung von Diabetes oder anderen Erkrankungen.
Für die dritte jährliche Ausgabe der Studie wurden 14.883 Personen aus der Allgemeinbevölkerung sowie 3.602 aktuelle und ehemalige GLP-1-Nutzer befragt. Da 94 Prozent der befragten Nutzer die Haupteinkäufer in ihrem jeweiligen Haushalt sind, wirken sich die individuellen Konsumänderungen unmittelbar auf die gesamte Warenkorbgestaltung aus.
Wandel im Einkaufswagen: Frische und Proteine verdrängen Snacks
Die Befragungsergebnisse von EY-Parthenon verdeutlichen eine Abkehr von traditionellen Snack- und Genussmitteln. Demnach gaben 63 Prozent der US-Nutzer an, weniger Süßigkeiten zu essen, während 57 Prozent ihren Konsum von salzigen Snacks reduzierten. Im Gegenzug verzeichneten gesündere Produktkategorien Zuwächse: 66 Prozent der Befragten konsumieren mehr frisches Obst und Gemüse, und 61 Prozent greifen verstärkt zu proteinreichen Lebensmitteln.
Auch der Getränkebereich ist von den Verhaltensänderungen betroffen. Laut EY-Parthenon trinken 51 Prozent der Konsumenten weniger Softdrinks, während 44 Prozent vermehrt funktionale Getränke konsumieren. Zudem schränkten 45 Prozent ihren Alkoholkonsum ein, und 40 Prozent gaben an, vollständig auf Alkohol zu verzichten.
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Für die kommenden Jahre prognostiziert das Beratungsunternehmen eine weitere Beschleunigung dieses Trends: Bis zum Jahr 2033 könnten 35 bis 40 Prozent der Erwachsenen in den USA bereits ein GLP-1-Präparat genutzt haben.
Verschiebungen bei Ausgaben und Warengruppen
Dass sich das Einkaufsverhalten messbar verändert, bestätigen auch Daten des Marktforschungsinstituts Circana. Eine Auswertung eines Kassenbon-Panels ergab, dass im September 30 Prozent der US-Haushalte mindestens einen aktiven GLP-1-Nutzer hatten, während 37 Prozent über Erfahrungen mit diesen Präparaten verfügten. Haushalte mit GLP-1-Nutzern gaben vor Beginn der Behandlung rund 8 Prozent mehr für verpackte Lebensmittel und Getränke aus als Nicht-Nutzer.
Im ersten Behandlungsjahr sank dieser Ausgabenindex bei Circana relativ zu Nicht-Nutzern um etwa 2,5 Punkte und lag im zweiten Jahr rund 2 Punkte unter dem Ausgangsniveau.
Während Süßwaren und Eiscreme nach anfänglichen Einbußen nach sechs Monaten wieder über das Ausgangsniveau stiegen, profitierten portable Proteinprodukte wie Trockenfleisch, Riegel und Lunch-Kits bis ins zweite Jahr hinein kontinuierlich.
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Verschiebungen zeigten sich zudem bei den Vertriebskanälen: Der Index für Drogerien stieg im ersten Behandlungsjahr um 2,7 Punkte und im zweiten Jahr um 6,6 Punkte, während der klassische Lebensmittelhandel im zweiten Behandlungsjahr einen Rückgang um einen Indexpunkt verzeichnete.
Zutatenindustrie reagiert auf veränderte Ernährungsbedürfnisse
Hersteller von Lebensmittelzutaten wie Arla Foods Ingredients, Tate & Lyle, Cosun Ingredients und Kerry sehen in Protein, Ballaststoffen und nährstoffdichten Produkten die Basis für neue GLP-1-Begleitprodukte.
Hintergrund ist unter anderem der Erhalt von Muskelmasse: Nach Angaben von Arla Foods Ingredients macht der Verlust von Magermasse bei traditioneller Gewichtsabnahme etwa 25 Prozent des Gesamteffekts aus, während dieser Wert bei einer medikamentösen Therapie mit GLP-1-Präparaten bis zu 40 Prozent erreichen kann.
Parallel dazu wächst das Verbraucherinteresse an funktionellen Inhaltsstoffen. Im „2026 Ingredient Tracker“ von Tate & Lyle gaben 63 Prozent der Befragten an, ihre Ballaststoffaufnahme im folgenden Jahr steigern zu wollen. Eine Umfrage der Boston Consulting Group zeigte zudem, dass GLP-1-Nutzer etwa 20 Prozent mehr für Protein, Ballaststoffe und Kollagen ausgeben.
