Gleichgewicht, Sekunden

Gleichgewicht im Alter: Zehn Sekunden Einbeinstand hängen mit Sterberisiko zusammen

Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 16:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Regelmäßiges Geh-, Kraft- und Gleichgewichtstraining unterstützt ältere Menschen dabei, Beweglichkeit und Selbstständigkeit zu bewahren.
Ein von Sonnenlicht durchfluteter Waldweg im Herbst, der zu täglicher Bewegung und körperlicher Aktivität einlädt. Illustration mit AI erstellt.

Körperliche Mobilität und funktionale Selbstständigkeit lassen sich im fortgeschrittenen Lebensalter durch gezielte Bewegungsmuster wirksam stabilisieren. Mediziner und Experten für Neurolanglebigkeit weisen darauf hin, dass die Kombination aus täglichem Gehen, Gleichgewichtsübungen und dosiertem Krafttraining zu den effektivsten Methoden gehört, um körperliche Funktionen dauerhaft zu erhalten.

Bei präventiven Maßnahmen gehe es nicht um ein theoretisches Zurückdrehen der biologischen Uhr, sondern primär um die Bewahrung und Steigerung funktioneller Fähigkeiten.

Wissenschaftliche Befunde zu Gang und Stabilität

Untersuchungen verdeutlichen, wie eng die Balance mit der allgemeinen Lebenserwartung verknüpft ist. Eine Studie im British Journal of Sports Medicine aus dem Jahr 2022 mit 1.700 Teilnehmern im Alter von 51 bis 75 Jahren ergab, dass das Unvermögen, zehn Sekunden lang auf einem Bein zu stehen, bei einer Nachbeobachtungszeit von sieben Jahren mit einer Verdopplung des Sterberisikos einherging.

Ergänzend zeigte eine Untersuchung der Mayo Clinic in der Fachzeitschrift Plos One aus dem Jahr 2024, dass der Einbeinstand auf dem nicht-dominanten Bein mit zunehmendem Alter die höchste Abnahmerate aufweist. Während das Gleichgewicht bis zum 50. Lebensjahr weitgehend stabil bleibe, setze danach ein beschleunigter Abbau ein.

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Der natürliche Kraftverlust nach dem 50. Lebensjahr liegt bei rund einem Prozent pro Jahr. Demgegenüber stellte eine im Journal of Cachexia, Sarcopenia and Muscle im Jahr 2025 erschienene Studie fest, dass bereits ein einmaliges schweres Krafttraining die Maximalkraft um durchschnittlich 2,5 Prozent steigern kann, bei einer Spanne von 0,5 bis 8,5 Prozent.

Empfehlungen für Ausdauer und Gleichgewicht

Für die Umsetzung im Alltag raten Fachleute zu festen Trainingsroutinen. Der Mediziner Rodrigo Arteaga nennt drei zentrale Übungen gegen Alterungsprozesse: täglich mindestens 30 Minuten zügiges Gehen, das sich auch in Einheiten von 5 bis 10 Minuten unterteilen lässt, Krafttraining an zwei bis drei Tagen pro Woche sowie ein Gleichgewichtstraining mit 20 bis 30 Sekunden Einbeinstand pro Seite.

Die Chirurgin Vonda Wright rät zu mindestens drei Stunden Gehen pro Woche, aufgeteilt auf vier Spaziergänge von je 45 Minuten in einem Tempo, das noch eine Unterhaltung erlaubt.

Ergänzend empfiehlt sie kurze Intervalle an zwei Tagen der Woche mit 30 Sekunden maximaler Intensität und zwei bis drei Minuten Erholung über vier Runden. Gleichgewichtsübungen könnten zudem während alltäglicher Verrichtungen wie dem Zähneputzen integriert werden.

Eine internationale Arbeitsgruppe der Konferenz zu Frailty und Sarkopenie legte 2025 einen globalen Konsens vor, wonach Kraft-, Ausdauer- und Gleichgewichtstraining gleichermaßen unverzichtbar sind.

Die Richtlinien sehen Ausdauereinheiten an drei bis sieben Tagen pro Woche mit einer Dauer von 20 bis 60 Minuten vor, während das Gleichgewicht ein- bis siebenmal wöchentlich mit ein bis zwei Sätzen aus vier bis zehn Übungen trainiert werden sollte.

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Auch die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Personen über 65 Jahren muskelkräftigende Übungen an mindestens zwei Tagen pro Woche in Kombination mit Gleichgewichts- und Ausdaueraktivitäten.

Kraftaufbau und Sturzprävention

Beim Krafttraining rät der globale Konsens zu zwei bis drei Einheiten pro Woche mit acht bis zwölf Wiederholungen über acht bis ohne Muskelgruppen. Rafael Bielza, Leiter der Geriatrie am Universitätsklinikum Infanta Sofía, hebt hervor, dass Konstanz die entscheidende Rolle spiele.

Für ältere Menschen empfiehlt Bielza ein Mehrkomponententraining aus Kraft, Ausdauer, Balance und Flexibilität, wobei dem Quadrizeps zur Sturzprävention besondere Bedeutung zukomme.

Als gelenkschonende Aktivitäten gelten Gehen, Schwimmen, Tanzen und Tai Chi. Hochintensives Intervalltraining sei für Personen über 60 Jahren bei Gebrechlichkeit oder Vorerkrankungen nicht pauschal angeraten; hier sei vorab eine individuelle ärztliche Abklärung erforderlich.

Als Basiselement für zu Hause nennt der Physiotherapeut Devin Trachman das gezielte Aufstehen und Hinsetzen in zwei bis drei Sätzen mit acht bis zehn Wiederholungen, um Gesäß-, Oberschenkel- und Rumpfmuskulatur zu stabilisieren.

Sinkende Kraft führe häufig dazu, dass Betroffene das Gehen schmerz- oder anstrengungsbedingt reduzieren, was Mobilitätsverluste weiter beschleunige. Ein frühzeitiges Gegensteuern festigt hingegen die funktionale Unabhängigkeit.

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