Gleichgewicht: Einbeinstand-Test sagt Sterberisiko um Faktor 1,84 voraus
Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 01:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Fähigkeit, das Gleichgewicht zu halten, bildet eine zentrale Grundlage für Mobilität, Selbstständigkeit und die allgemeine Lebensqualität. Wissenschaftliche Erhebungen und sportwissenschaftliche Erkenntnisse verdeutlichen zunehmend, dass Gleichgewichtstraining weit über die reine Sturzprävention im Alter hinausgeht. Es beeinflusst die Rumpfstabilität, das Zusammenspiel des Nervensystems und das mentale Wohlbefinden.
Gleichgewicht als Indikator für Vitalität und Langlebigkeit
Einfache Gleichgewichtstests liefern aussagekräftige Hinweise auf den allgemeinen Gesundheitszustand. Eine im Fachjournal British Journal of Sports Medicine im Jahr 2022 veröffentlichte Untersuchung an 1.702 Personen im Alter von 51 bis 75 Jahren zeigte, dass jede fünfte Testperson nicht in der Lage war, zehn Sekunden lang auf einem Bein zu stehen.
Bei denjenigen, die diesen Einbeinstand nicht meisterten, war das Sterberisiko in den folgenden zehn Jahren um den Faktor 1,84 erhöht; zudem trat Typ-2-Diabetes bei ihnen dreimal häufiger auf.
Ähnliche Zusammenhänge belegt eine im Fachblatt JAMA Network Open erschienene Untersuchung aus Taiwan mit 13.423 Menschen ab 65 Jahren bei einem Durchschnittsalter von 72,9 Jahren. Bei den Tests in den Jahren 2015 und 2016 und einer durchschnittlichen Nachbeobachtung von sieben Jahren bis 2022 wurden 1.631 Todesfälle (12,2 Prozent) registriert.
Ein Vergleich der besten 20 Prozent mit den schlechtesten 20 Prozent der Teilnehmenden ergab signifikante Unterschiede: Beim Aufsteh- und Gehtest sank das Sterberisiko um 59 Prozent, beim Einbeinstand um 50 Prozent, beim Stuhl-Aufstehen um 45 Prozent, beim Belastungstest um 42 Prozent und beim Gesamtfitnessindex um 61 Prozent.
Fundament im Alltag: Von den Füßen bis zur Rumpfmuskulatur
Für die Stabilität spielen Fuß- und Rumpfmuskeln eine tragende Rolle. Wie swr.de darlegt, lassen sich Koordination, Konzentration und Gleichgewicht mit simplen Übungen wie Zehenspitzen (zehn Wiederholungen), Oberkörperrotation (zehnmal je Seite), dem Tandemstand für mindestens zehn Atemzüge oder Yoga-Elementen wie dem Baum trainieren. Bei Unsicherheiten wird empfohlen, sich festzuhalten oder im Sitzen zu üben, um Stürzen im Alter vorzubeugen.
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Die Pilates-Trainerin Eloise Skinner verweist laut fitforfun.de auf die Übung des Fersenhebens, bei der die Fersen angehoben und drei Sekunden lang gehalten werden, ausgeführt in drei Sätzen à zehn Wiederholungen. Dies stärkt das Fußgewölbe, die Sprunggelenke, Waden, Hamstrings sowie das Gesäß und lässt sich parallel, weit oder mit leichter Außenrotation variieren.
Ergänzend fördern Rumpfübungen wie Planks, Crunches, Russian Twists, Bird Dogs und Dead Bugs die Bauch-, Rücken- und Beckenbodenmuskulatur. Dies beugt nach Angaben von pharmev.com Rückenschmerzen vor, während Achtsamkeit und sensorische Integration die Körperwahrnehmung schärfen.
Fitness bedeutet laut dem Sportwissenschaftler Ludwig Rappelt von der Deutschen Sporthochschule Köln, Alltagsaufgaben kraftvoll ohne Erschöpfung zu bewältigen; ein Sixpack sei dabei kein verlässlicher Indikator. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt mindestens 150 bis 300 Minuten moderate oder 75 bis 150 Minuten intensive Bewegung pro Woche, ergänzt durch Krafttraining an zwei Tagen.
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Mentale Effekte und Beruhigung des Nervensystems
Körperliche Aktivität entfaltet zudem direkte Wirkung auf die psychische Verfassung. Eine norwegische Studie der Western Norway University an mehr als 10.000 Studierenden zwischen 18 und 35 Jahren zeigte, dass die Regelmäßigkeit der Bewegung ein Jahr später stärker mit einem verringerten Risiko für Depressionen und generalisierte Angststörungen verknüpft war als deren Dauer oder Intensität.
Zugleich hilft gezielte Regulation, chronischer Überreizung mit Unruhe, Schlafstörungen oder Herzrasen zu begegnen. Neben Yoga, progressiver Muskelentspannung, Schlaf sowie der Zufuhr von B-Vitaminen und Magnesium beruhigen strukturierte Atemmethoden wie die 4-7-8-Technik kurzfristig das vegetative Nervensystem, während eine dauerhafte Stabilisierung über Wochen bis Monate aufgebaut wird.
