GKV-Reform, Zuzahlungen

GKV-Reform: Zuzahlungen steigen, 46 Millionen Behandlungen unterfinanziert

Veröffentlicht: 10.07.2026 um 18:56 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Bundestag und Bundesrat verabschieden das GKV-Sparpaket. Ärzte warnen vor 46 Millionen unterfinanzierten Behandlungen ab 2027.

GKV-Reform 2027: Bundestag beschließt milliardenschweres Sparpaket
Eine Hand, die einen Stift über einem Finanzdokument in einem Arztpraxisumfeld hält, symbolisiert die finanziellen Auswirkungen auf Arztpraxen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Noch am selben Tag stimmte auch der Bundesrat zu. Das Sparpaket soll 2027 eine Finanzierungslücke von rund 19 Milliarden Euro schließen. Bis 2030 könnte die Lücke auf bis zu 40 Milliarden Euro anwachsen.

Ärzte warnen vor 46 Millionen unterfinanzierten Behandlungen

Ein Kernpunkt der Reform: Die extrabudgetären Zusatzvergütungen fallen weg. Betroffen sind Zahlungen für offene Sprechstunden, schnelle Facharzttermine, Hygieneaufwände und die elektronische Patientenakte.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) rechnet mit Kürzungen von 2,7 Milliarden Euro im Jahr 2027. Bis 2030 könnten es fünf Milliarden Euro werden. „Jährlich sind etwa 46 Millionen Behandlungsfälle nicht mehr ausreichend finanziert“, warnte die KBV bereits am 8. Juli.

Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe ergänzte: Die ambulante Versorgung mache zwar nur 16 Prozent der GKV-Ausgaben aus, stemme aber 97 Prozent der Behandlungsfälle.

Neue Regeln für Krankschreibungen

Das Gesetz führt eine Teilkrankschreibung ein. Gleichzeitig fällt die telefonische Krankschreibung weg. Künftig ist eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bereits ab dem ersten Krankheitstag Pflicht.

Der Hausärzteverband schlug Alarm. In einem Appell vom 9. Juli forderte er den Bundesrat auf, die Pläne zu stoppen. Die Vorsitzende sprach von einem „Fiasko für Hausarztpraxen“. Der bürokratische Aufwand steige, die Patientenversorgung leide. Das Bundesverfassungsgericht hatte Eilanträge gegen das Verfahren am selben Tag abgelehnt.

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Versicherte zahlen mehr – von Medikamenten bis Zahnersatz

Die Reform belastet auch die Patienten direkt:

  • Zuzahlungen für Medikamente steigen auf 7,50 bis 15 Euro
  • Zahnersatz: Der Festzuschuss sinkt von 60 auf 50 Prozent
  • Beitragsbemessungsgrenze steigt um 300 Euro – Gutverdiener zahlen mehr
  • Homöopathie: Krankenkassen erstatten diese Leistungen nicht mehr
  • Familienmitversicherung wird eingeschränkt

Die Pharmaindustrie trifft ein festgeschriebener Herstellerrabatt von 15,5 Prozent. Branchenvertreter befürchten einen Rückzug von Investitionen. Zur Abfederung sozialer Härten übernimmt der Bund eine Milliarde Euro für Grundsicherungsempfänger.

Knappe Mehrheit, gemischte Reaktionen

Im Bundestag stimmten 319 Abgeordnete für das Gesetz, 286 dagegen, vier enthielten sich. Die Gesundheitsministerin verteidigte die Reform als notwendigen Schritt zur Beitragsstabilisierung.

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Ärztekammern und Kassenärztliche Vereinigungen warnten vor einem Praxissterben und längeren Wartezeiten. Die KV Baden-Württemberg wies auf die überproportionale Belastung der Niedergelassenen hin.

Im Bundesrat signalisierten mehrere Länder Zustimmung nur unter Vorbehalt. Bayerns Ministerpräsident nannte das Paket „mit Schmerzen zustimmungsfähig“. Zur Entlastung der Kliniken stellt der Bund zusätzlich 550 Millionen Euro bereit, davon 100 Millionen für Unikliniken. Analysten warnen dennoch vor einem möglichen Stellenabbau in Krankenhäusern – bis zu 140.000 Arbeitsplätze könnten wegfallen.

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