Giersch, Vitamin

Giersch: 201 mg Vitamin C pro 100g – doppelt so viel wie Grünkohl

27.05.2026 - 00:28:05 | boerse-global.de

Giersch übertrifft Grünkohl im Vitamin-C-Gehalt und bietet sich als heimische Alternative zu Pestizid-belasteten Supermarktprodukten an.

Giersch: 201 mg Vitamin C pro 100g – doppelt so viel wie Grünkohl - Foto: über boerse-global.de
Giersch: 201 mg Vitamin C pro 100g – doppelt so viel wie Grünkohl - Foto: über boerse-global.de

Das Wildkraut, botanisch als Aegopodium podagraria bekannt, übertrifft herkömmliches Gemüse in Vitamin- und Mineralstoffgehalt teils deutlich. Mit 201 Milligramm Vitamin C pro 100 Gramm liefert es etwa doppelt so viel wie Grünkohl. Schon 50 Gramm decken den Tagesbedarf eines Erwachsenen.

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Die „Drei-drei-drei“-Regel

Für die sichere Identifizierung haben Experten eine einfache Merkhilfe entwickelt: Der Blattstiel ist dreikantig, das Blatt dreigeteilt, und diese Abschnitte bestehen aus drei Einzelblättern.

Die Sammelzeit reicht von Februar bis Dezember. Junge Blätter schmecken am besten. Vorsicht ist geboten: Giersch kann mit der giftigen Hundspetersilie verwechselt werden.

Neben Vitamin C enthält die Pflanze Vitamin A sowie Kalium, Magnesium, Calcium, Kupfer und Eisen.

Vom Römergericht zur modernen Küche

Die Nutzung von Giersch ist Jahrtausende alt. Schon in der Steinzeit diente er als Nahrung. Römische Legionäre schätzten ihn, im Mittelalter wuchs er in Klostergärten.

Junge Triebe schmecken nussig – eine Mischung aus Petersilie, Karotte und Spinat. Roh eignet sich das Kraut für Salate, Kräuterquark oder Smoothies. Gegart ersetzt es Spinat in Pfannen, Suppen oder Quiches. Auch als Pesto lässt es sich haltbar machen.

Der Name Aegopodium bedeutet „Ziegenfuß“ und leitet sich von der Blattform ab.

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Sauberer als aus dem Supermarkt

Ein Test der Organisation Foodwatch Ende Mai 2026 zeigt die Kehrseite industrieller Landwirtschaft: Von 64 untersuchten Produkten enthielten 67 Prozent Pestizidrückstände, die in der EU nicht zugelassen sind. Besonders belastet: Paprika, Chili, Kreuzkümmel und grüner Tee. Bei einem Kreuzkümmel einer Discounter-Eigenmarke lag die Grenzwertüberschreitung beim Wirkstoff Flamprop beim 217-Fachen.

Wildkräuter von unbelasteten Standorten bieten hier eine echte Alternative.

Initiativen wie der „Mähfreie Mai“ fördern die Biodiversität in Gärten. Im Essgarten in Harpstedt werden auf mehreren Hektar über 1200 essbare Pflanzenarten kultiviert – mit Führungen und Verkostungen für die Öffentlichkeit.

Ernährungsbildung als gesellschaftliche Aufgabe

Die Zahlen sind alarmierend: 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland sind adipös, weitere 20 Prozent übergewichtig. 71 Prozent der Bevölkerung fordern laut Umfrage ein Schulfach „Gesundheit“.

In Niedersachsen läuft seit 2025 das Modellprojekt „Lernort Mensa“. Schulen bekommen Unterstützung, um nachhaltige Ernährung zu vermitteln – mit Hochbeeten und Bauernhofbesuchen. Giersch, der fast überall wächst, bietet sich als einfacher pädagogischer Einstieg an.

Ein gesundes Frühstück senkt das Risiko für Fettleibigkeit und stabilisiert die Psyche. Das Auslassen von Mahlzeiten dagegen begünstigt Angstzustände und schadet der Darmgesundheit.

Wildkräuter im Kommen

Die Renaissance des Giersch dürfte sich fortsetzen. Auch Labkraut (harntreibend, unterstützt das Lymphsystem) und Beifuß (Gewürz für schwer verdauliche Speisen) gewinnen an Bedeutung.

In der Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung bieten Wildkräuter Potenzial, Speisepläne aufzuwerten – ohne teure Import-Superfoods. Giersch ist robust, pflegeleicht und krisenfest. Als heimischer Vitaminlieferant wird er seine Bedeutung auch unter klimatischen Veränderungen behaupten.

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