Gewichtsverlust ab 65: Metaanalyse zeigt 59 Prozent höheres Sterberisiko
Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 02:00 Uhr | Redaktion boerse-global.deAktuelle Fachberichte und wissenschaftliche Analysen setzen sich verstärkt mit der Verjüngung des Immunsystems, der Aussagekraft biologischer Alterstests sowie der Funktion des NAD+-Stoffwechsels auseinander. Das gesellschaftliche Interesse an der sogenannten Longevity-Forschung wächst deutlich: Laut Erhebungen des XRC Brand Capital Fund aus dem Jahr 2026 fielen entsprechende Suchanfragen Ende 2025 viermal höher aus als im Vorjahr.
Aussagekraft und Limitationen biologischer Alterstests
Biologische Alterstests, die auf Blutanalysen basieren, sollen bestimmen, ob der körperliche Zustand jünger oder älter als das chronologische Alter ist. Ein im Vergleich zum Kalenderalter erhöhter biologischer Wert signalisiert laut Dr. Luigi Ferrucci vom National Institute on Aging ein gesteigertes Gesundheitsrisiko. Die methodische Entwicklung verlief dabei in mehreren Schritten:
- Erste Generation: Die im Jahr 2013 von Steve Horvath vorgestellte Horvath-Uhr misst epigenetische Veränderungen über die DNA-Methylierung.
- Zweite Generation: Rund fünf Jahre später eingeführte Modelle wie PhenoAge und GrimAge zielen auf die Bestimmung des Mortalitätsrisikos ab.
- Dritte Generation: Die 2022 etablierte DunedinPACE-Methode erfasst primär das Tempo des Alterns.
Eine Vergleichsstudie von Dr. Sehgal mit 16 verschiedenen Verfahren ergab, dass die zweite und dritte Testgeneration sensibler auf Interventionen wie Ernährungsumstellungen oder Medikamente reagieren. Dennoch sehen Experten wesentliche Schwachstellen.
Dr. Higgins-Chen von der Yale-Universität verwies darauf, dass Resultate durch die Tageszeit, die letzte Mahlzeit sowie die Schlafqualität schwanken können. Zudem liefern abweichende Tests laut Dr. Levine uneinheitliche Werte.
Tony Wyss-Coray von der Stanford-Universität merkte an, dass gängige Tests lediglich die DNA weißer Blutkörperchen und nicht den Zustand einzelner Organe abbilden. Ein proteomischer Ansatz, der tausende Proteine einbezieht, könnte zwar organspezifische Daten liefern, ist jedoch kostspieliger und bisher nicht flächendeckend zugänglich.
Während solche Uhren in Studien für schnelle Bewertungen genutzt werden, zeigen sich Diskrepanzen: Dr. Belsky beobachtete in einer Supplement-Untersuchung zwar verlangsamte biologische Uhren, der Blutdruck der Probanden blieb davon jedoch unberührt.
NAD+-Stoffwechsel und therapeutische Relevanz
Ein zentraler Schwerpunkt der Altersforschung liegt auf dem Coenzym NAD+, das im Körper kontinuierlich gebildet und verbraucht wird. Die Synthese erfolgt entweder über den De-novo-Weg aus Tryptophan und Asparagin oder über zwei Recycling-Pfade für Nicotinamid. Das geschwindigkeitsbestimmende Schlüsselenzym NAMPT wandelt dabei Nicotinamid in den direkten Vorläufer Nicotinamid-Mononukleotid (NMN) um, während die NAD-Kinase NADP+ generiert.
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Mit voranschreitendem Alter sinken die NAD+-Spiegel, was mit mitochondrialen Funktionsstörungen, reduzierter Energieproduktion, oxidativem Stress und DNA-Schäden einhergeht. Da DNA-Reparaturmechanismen wie jene der PARP-Enzyme von NAD+ abhängen, verlangsamen sich Reparaturprozesse bei einem Mangel.
Die Wissenschaftsgemeinschaft untersucht daher NMN und Nicotinamid-Ribosid (NR) als potenzielle Vorläufersubstanzen in Nahrungsergänzungsmitteln, um altersbedingten Erkrankungen entgegenzuwirken. Gleichzeitig zeigte eine Studie aus dem Jahr 2026, dass die NAD+-Blutspiegel im Alter auch stabil bleiben können, weshalb die klinische Wirksamkeit und Sicherheit dieser Ansätze weiter geprüft werden.
Immunalterung und wissenschaftliche Skepsis
Neue Erkenntnisse gibt es auch beim Immunsystem. Eine Untersuchung im Fachblatt Nature Aging demonstrierte, dass männliche Mäuse mittleren Alters naive CD8+-T-Zellen schneller verlieren als weibliche Tiere. Dieser Rückgang schwächte das Lymphknotennetzwerk, erschwerte die Erkennung von Krebsantigenen und reduzierte das Ansprechen auf Immuntherapien.
Wurde die Thymusaktivität experimentell wiederhergestellt, verbesserte sich die Immunantwort deutlich. Diese Ergebnisse unterstreichen, dass die Abwehrkräfte bereits in der Lebensmitte nachlassen können; Daten für den Menschen sind bislang jedoch begrenzt, weshalb geschlechtsspezifische Rückschlüsse beim Menschen noch nicht abschließend gezogen werden können.
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Parallel dazu mahnen Fachleute zur Nüchternheit gegenüber Verjüngungsversprechen:
- Steven Austad von der University of Alabama at Birmingham betonte, das primäre Ziel der Forschung sei die gesunde Lebensspanne und nicht allein die Lebensverlängerung. In den USA stieg die Lebenserwartung zwischen 2009 und 2019 lediglich um rund sechs Monate, während die gesunde Spanne sank.
- Aladdin Shadyab von der UC San Diego wies darauf hin, dass bisher kein Supplement und kein Medikament nachweislich das menschliche Leben verlängere. Therapien mit Wachstumshormonen (HGH) bergen zudem Risiken wie Gelenkschmerzen, Schwellungen oder ein Karpaltunnelsyndrom.
- Gewichtsverlust ist im Alter nicht zwingend gesundheitsfördernd: Eine Studie an Frauen im Alter von 61 bis 81 Jahren aus dem Jahr 2023 belegte geringere Chancen auf das Erreichen des 90. Lebensjahres bei Gewichtsabnahme; eine Metaanalyse aus 2021 über 30 Studien verzeichnete bei Personen ab 65 Jahren ein um 59 Prozent erhöhtes Sterberisiko.
- Pankaj Kapahi vom Buck Institute erinnerte daran, dass Frauen zwar rund fünf Jahre länger leben, aber mehr Lebensjahre mit chronischen Erkrankungen wie Arthritis oder Alzheimer verbringen. Laut Sofiya Milman vom Albert Einstein College bestimmt die Genetik rund 50 Prozent der Lebenserwartung, wobei Langlebige nicht zwingend gesünder leben.
Der Langlebigkeitsforscher Dr. Seamus O'Mahony konstatierte, dass bislang kein einzelner medizinischer Eingriff das menschliche Altern nachweislich verzögere. Laborerfolge bei Modellorganismen mit unter 1.000 Zellen seien angesichts von 35 Billionen menschlichen Zellen nicht übertragbar.
Prof. David Gems vom University College London äußerte sich ebenfalls ablehnend zu Verjüngungsversprechen. Trotz Initiativen wie einem 2024 von Peter Diamandis mit 101 Millionen US-Dollar dotierten Forschungspreis bleiben für O'Mahony finanzielle Ressourcen und Bildung die derzeit wirksamsten Faktoren für ein langes Leben.
