Gesundheitsreform: Zuzahlungen steigen, Vorsorge wird gekürzt
Veröffentlicht: 10.07.2026 um 18:09 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Ziel des Maßnahmenpakets: eine drohende Finanzierungslücke von 18,8 Milliarden Euro für 2027 schließen. Die Reform bringt höhere Zuzahlungen, gestrichene Leistungen und neue Regeln für Krankschreibungen.
Höhere Kosten für Medikamente und Zahnersatz
Patienten müssen künftig tiefer in die Tasche greifen. Für Medikamente fallen Zuzahlungen zwischen 7,50 und 15 Euro an. Die Krankenkassen streichen zudem die Homöopathie komplett aus ihrem Leistungskatalog – bislang hatten viele Kassen diese freiwillig übernommen.
Besonders teuer wird es beim Zahnersatz. Der Festzuschuss sinkt von 60 auf 50 Prozent. Ab 2028 kommt eine weitere Belastung hinzu: Wer Angehörige beitragsfrei mitversichern will, zahlt einen Zuschlag von 2,5 Prozent. Ausnahmen sind vorgesehen.
Weniger Vorsorge, neue Regeln bei Operationen
Die Reform kürzt auch bei Präventionsleistungen. Hautkrebsscreening und Gesundheits-Check-ups werden eingeschränkt. Mediziner sehen das kritisch: Werden Krankheiten später erkannt, steigen die Behandlungskosten langfristig.
Vor geplanten Operationen gilt künftig eine Zweitmeinungspflicht. Das soll unnötige Eingriffe verhindern und Kosten senken. Die Ausgaben der Kassen werden zudem enger an die Einnahmen gekoppelt.
Teilkrankschreibung kommt – und sorgt für Streit
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Eine strukturelle Neuerung betrifft das Krankschreibungssystem. Ab Juli 2028 gibt es eine dreistufige Teilkrankschreibung. Arbeitnehmer können dann trotz gesundheitlicher Einschränkungen in reduziertem Umfang arbeiten – statt komplett auszufallen.
Der Hausärzteverband hatte im Vorfeld scharf kritisiert, dass die geplante Arbeitsunfähigkeitspflicht ab dem ersten Krankheitstag und die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung nicht ins Gesetz aufgenommen wurden.
Wer mehr zahlt und wer profitiert
Die Beitragsbemessungsgrenze steigt um 300 Euro. Gutverdiener zahlen damit höhere Beiträge. Auf der anderen Seite wird der Pharmarabatt bei 15,5 Prozent fixiert – ein Dauerstreitpunkt mit der Industrie.
Das Parlament verabschiedete das Gesetz am 10. Juli mit 319 zu 290 Stimmen. Auch der Bundesrat stimmte am selben Tag zu.
Verbände warnen vor Versorgungslücken
Ab 2028 droht ein Zuschlag von 2,5 Prozent für die Mitversicherung von Angehörigen – das kann teuer werden. Erfahren Sie im Report, welche Ausnahmen es gibt und wie Sie rechtlich vorgehen können. Mehr erfahren
Ärzteverbände und Krankenhäuser schlagen Alarm. Sie befürchten eine Verschlechterung der medizinischen Versorgung. Die Pharmaindustrie droht mit Investitionsrückzug wegen der fixierten Rabatte.
Marktbeobachter warnen vor einem verstärkten Krankenhaussterben. In Analysen ist von bis zu 140.000 gefährdeten Arbeitsplätzen im Gesundheitssektor die Rede. Der Bund beteiligt sich an der Stabilisierung – mit zusätzlichen Steuermitteln.
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