Gesundheits-Digital-Gesetz: 445 Millionen Euro Entlastung pro Jahr
Veröffentlicht: 16.07.2026 um 23:43 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Gleich mehrere neue Gesetze und Verordnungen treiben den Wandel voran – mit konkreten Auswirkungen für Patienten, Ärzte und Apotheken.
eRezept für Pflegeheime: Neue Regeln seit Juli 2026
Seit dem 2. Juli 2026 gilt eine wichtige Neuerung für Pflegeheimbewohner. Das Apotheken-Wirtschafts- und Versorgungsgesetz (ApoVWG) erlaubt Arztpraxen jetzt, eRezept-Token direkt an die heimversorgende Apotheke zu schicken.
Der Haken: Dafür braucht es einen bestehenden Heimversorgungsvertrag nach § 12a Apothekengesetz. Zudem müssen Praxis und Apotheke die Zusammenarbeit absprechen – und der Heimbewohner muss zustimmen.
Branchenkenner sehen darin eine längst überfällige Klarstellung. Bisher gab es rechtliche Grauzonen bei der Rezeptlogistik in Pflegeheimen. Die Regelung ist aber befristet: Ab 2029 sollen Pflegeheime direkt an den eRezept-Fachdienst angebunden werden.
Eine Ausnahme bleibt: Apothekenpflichtige Medizinprodukte müssen weiterhin per Papier-Rezept (Muster 16) verordnet werden.
GeDIG: 445 Millionen Euro Entlastung pro Jahr
Das Bundeskabinett hat am 15. Juli 2026 das Gesundheits-Digital-Gesetz (GeDIG) beschlossen. Das Paket soll die digitale Infrastruktur flächendeckend ausbauen. Die Bundesregierung rechnet mit jährlichen Entlastungen von rund 445 Millionen Euro.
Konkret wird das eRezept auf die häusliche Krankenpflege und Heilmittel ausgeweitet. Pflegeverbände mahnen jedoch: Die Pflegekräfte müssen konsequent in die digitalen Prozesse eingebunden werden. Sonst verpuffen die erhofften Entlastungseffekte.
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Das Fax stirbt – aber erst 2029
Ein klares Ziel: Bis Herbst 2029 sollen Faxgeräte im Gesundheitswesen verschwinden. Stattdessen werden Dienste wie KIM oder der Messenger TIM verpflichtend.
Der Zeitplan im Überblick:
- Elektronische Patientenakte (ePA): Ab Anfang 2027 kommt eine Volltextsuche. Mitte 2027 folgen eine digitale Impfübersicht und automatisierte Impferinnerungen.
- Elektronische Überweisung: Die eÜberweisung wird schrittweise eingeführt. Bis zum 1. September 2029 soll die Papier-Überweisung komplett entfallen.
- Apotheken als Lotsen: Sie sollen Patienten künftig beim Umgang mit der ePA helfen – als offizielle Ombudsstellen.
Digitalminister Wildberger spricht Klartext: Die Papierform im medizinischen Alltag müsse endgültig abgelöst werden.
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Gematik bekommt mehr Macht
Die nationale Agentur für Digitale Medizin (Gematik) erhält durch das GeDIG deutlich mehr Befugnisse. Sie darf künftig Zulassungen für IT-Komponenten entziehen, wenn diese die Sicherheits- oder Interoperabilitätsstandards nicht erfüllen.
Der Hintergrund: Die Telematikinfrastruktur (TI) war 2025 im Schnitt 25 Mal pro Monat gestört. Ohne stabile Technik, so die Erkenntnis, werden Ärzte, Apotheker und Pflegekräfte die neuen digitalen Anwendungen nicht akzeptieren. Ein Primärversorgungssystem soll zudem die sektorenübergreifende Vernetzung weiter vorantreiben.
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