Gesundheit und KI: 23% der Deutschen ersetzen Arztbesuch durch Chatbots
Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 22:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Millionen Bundesbürger nutzen für gesundheitliche Fragen zunehmend digitale Werkzeuge auf Basis künstlicher Intelligenz. Wie Medienberichte und Befragungen verdeutlichen, ersetzt der Dialog mit generativen Sprachmodellen oder speziellen Analyseanwendungen für einen nennenswerten Teil der Bevölkerung mittlerweile sogar den Gang in eine Arztpraxis.
Umfragen zeigen Trend zur digitalen Vorabklärung
Das Phänomen der digitalen Recherche vor oder anstelle einer medizinischen Konsultation greift immer weiter um sich. Eine Umfrage des Beratungsunternehmens EY im Auftrag der Funke Mediengruppe ergab, dass 23 Prozent der Deutschen in den vergangenen sechs Monaten künstliche Intelligenz für Gesundheitsinformationen heranzogen, ohne parallel einen Arzt aufzusuchen.
Den Ergebnissen zufolge nutzten 20 Prozent der Befragten entsprechende Systeme gezielt für eine Symptomanalyse. Bei 14 Prozent dienten die Anwendungen dem Austausch über das persönliche Befinden, während 10 Prozent KI einsetzten, um sich Beipackzettel von Medikamenten verständlich erklären zu lassen.
Dass die Online-Recherche zu Beschwerden längst zum Alltag gehört, belegte bereits eine Untersuchung des Branchenverbands Bitkom aus dem November 2025. Dieser Erhebung zufolge informieren sich 73 Prozent der Befragten online über Symptome. Unter diesen Nutzern griffen wiederum 45 Prozent auf KI-Chatbots zurück, um Beschwerden einzuordnen.
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Testergebnisse zu Chatbots und Symptom-Checkern
Verbraucherschützer nahmen die Verlässlichkeit der Systeme wiederholt unter die Lupe. In einer Untersuchung der Stiftung Warentest aus der Ausgabe 8/2026 schnitten drei von fünf getesteten Chatbots mit einem akzeptablen Gesamtergebnis ab. Das Sprachmodell ChatGPT konnte dabei in allen fünf vorgegebenen Modellfällen die zutreffende Einschätzung liefern.
Bereits im Februar 2025 hatte die Stiftung Warentest spezifische Symptom-Checker geprüft. In diesem Test erwiesen sich die kostenlos nutzbaren Anwendungen „Ada“ und „Symptomate“ als die verlässlichsten Instrumente unter den untersuchten Angeboten.
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Positionen von Ärzteschaft und Patientenschützern
Die Auslagerung medizinischer Erstabklärungen außerhalb des klassischen Praxisbetriebs stößt bei Vertretern der niedergelassenen Ärzteschaft auf Vorbehalte.
Anlässlich des Welttags der Patientensicherheit betonte der Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), bestehend aus Andreas Gassen, Stephan Hofmeister und Sibylle Steiner, dass Diagnostik weder in Apotheken noch in Drogerien gehöre.
Die rund 100.000 Praxen in Deutschland seien und blieben die erste Anlaufstelle für Patienten. Zudem startet die KBV Anfang Oktober die Kampagne „Impfen beim Profi“.
Gleichzeitig wächst der Druck, moderne Versorgungsstrukturen zügig weiterzuentwickeln. Das Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS) mahnte in diesem Zusammenhang mehr Tempo bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens an, um Versorgungsprozesse sicherer und effizienter zu gestalten.
