Gesetzentwurf, C-22

Gesetzentwurf C-22: Apple und Google fordern Schutz der Verschlüsselung

27.05.2026 - 05:30:46 | boerse-global.de

Tech-Konzerne warnen vor geheimen Entschlüsselungsanordnungen im kanadischen Gesetzentwurf C-22 und fordern mehr Rechtssicherheit.

Gesetzentwurf C-22: Apple und Google fordern Schutz der Verschlüsselung - Foto: über boerse-global.de
Gesetzentwurf C-22: Apple und Google fordern Schutz der Verschlüsselung - Foto: über boerse-global.de

Im Zentrum der Kritik: geheime Entschlüsselungsanordnungen, die die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung gefährden könnten.

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Streit um geheime Zugriffe

Am 26. Mai 2026 äußerten Vertreter beider Konzerne vor dem Ständigen Ausschuss für öffentliche Sicherheit massive Bedenken. Die Vorlage der liberalen Regierung ähnelt umstrittenen Regelungen in Großbritannien und Australien.

Die Kernforderung: Jeder Zugriff auf verschlüsselte Daten muss einer vorherigen gerichtlichen Prüfung unterzogen werden. Google-Direktorin Jeanette Patell kritisierte, dass geheime Verfahren die notwendige Transparenz einschränken würden.

Apple untermauerte seine Position mit einem konkreten Beispiel. 2025 hatte der Konzern in Großbritannien eine geheime Entschlüsselungsanordnung erhalten – und stellte daraufhin das Angebot verschlüsselter Cloud-Backups in diesem Markt ein. Erik Neuenschwander, Senior Director bei Apple, forderte explizite Schutzbestimmungen für Verschlüsselungstechnologien.

Auch Start-ups laufen Sturm

Der Widerstand kommt nicht nur von den Global Playern. Führungskräfte kanadischer Start-ups wie Tailscale und Mondata warnten, dass Bill C-22 den Betrieb in Kanada nahezu unmöglich machen könnte. Kritiker bemängeln vor allem die Forderung nach permanenter Überwachungsbereitschaft, die einen massiven Umbau der technischen Infrastruktur erfordern würde.

Anbieter wie Signal und NordVPN drohten bereits damit, ihre Dienste in Kanada einzustellen.

Technische Implikationen

Der Gesetzentwurf verlangt, dass Diensteanbieter ihre Systeme für polizeiliche Ermittlungen und den Geheimdienst CSIS zugänglich machen. Google bemängelte zudem die vage Definition von Systemschwachstellen. Ein weiterer Streitpunkt: die geplante Verpflichtung zur Speicherung von Metadaten über bis zu einem Jahr.

Das passt so gar nicht zu den jüngsten technischen Entwicklungen der Konzerne. Apple führte im Frühjahr mit iOS 26.3 eine neue Sicherheitsfunktion ein, die die Standortbestimmung über Mobilfunkmasten erschwert. Und mit iOS 26.5 kam im Mai 2026 eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für die Kommunikation zwischen iPhone- und Android-Nutzern.

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Politischer Kontext

Die Auseinandersetzung in Kanada ist Teil einer breiteren Debatte. Branchenanalysten beobachten eine zunehmende Einflussnahme der Tech-Konzerne auf die Digitalpolitik – besonders in Europa. Die jährlichen Lobbyausgaben der Tech-Branche in der EU belaufen sich auf rund 151 Millionen Euro.

Gleichzeitig verschärft die EU den regulatorischen Druck. Mit dem Cyber Resilience Act wird ab 2027 Security-by-Design für Produkte verpflichtend. Verstöße gegen den Digital Markets Act ziehen empfindliche Strafen nach sich. So steht die EU-Kommission kurz vor einer Milliardenstrafe gegen Google wegen Bevorzugung eigener Dienste.

Ausblick

Die kanadische Regierung zeigt sich offen für Änderungen, betont aber die Notwendigkeit einer schnellen Verabschiedung. Polizeivertreter fordern sogar noch schärfere Regeln zur Datenspeicherung.

Die kommenden Wochen werden zeigen, ob der Gesetzgeber den Forderungen nach gerichtlicher Kontrolle nachgibt. Für die betroffenen Unternehmen geht es nicht nur um den kanadischen Markt – sondern um einen Präzedenzfall für globale Sicherheitsarchitekturen.

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