Geschmackssinn, Mensch

Geschmackssinn schlägt KI: Warum der Mensch beim Kochen unschlagbar bleibt

Veröffentlicht am: 10.09.2026 um 20:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Yotam Ottolenghi sieht Geschmack und Sensorik als menschlichen Vorteil gegenüber KI und setzt mit „Simple too“ auf unkomplizierte Rezepte.

Yotam Ottolenghi erklärt, warum Menschen beim Kochen überlegen bleiben
Frische Zutaten und Kräuter auf einer rustikalen Holzarbeitsplatte in einer Küche bei natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

In der aktuellen Debatte um den Einfluss technologischer Innovationen auf das Handwerk positioniert sich der Starkoch Yotam Ottolenghi deutlich zur Rolle der Künstlichen Intelligenz (KI) in der Kulinarik. In einem Bericht vom 10. September 2026 betonte er die physischen Limitationen digitaler Systeme.

Da KI weder über einen Mund verfüge noch die Fähigkeit besitze, Essen tatsächlich zu schmecken, bleibe die menschliche Sensorik beim Kochen der entscheidende Faktor. Diese biologische Überlegenheit sorge dafür, dass der Mensch in der Küche unschlagbar bleibe.

Die Grenzen der Künstlichen Intelligenz beim Kochen

Obwohl KI-Systeme in der Lage sind, riesige Datenmengen zu analysieren und Rezeptkombinationen vorzuschlagen, fehlt ihnen laut Ottolenghi die fundamentale Feedbackschleife des Geschmacks.

Die Zubereitung von Speisen sei ein hochgradig sensorischer Prozess, der auf kontinuierlichem Probieren und Anpassen basiere. Ein Algorithmus könne zwar chemische Zusammensetzungen simulieren, doch die intuitive Bewertung von Nuancen bleibe eine rein menschliche Domäne.

Ottolenghi, der selbst 13 Restaurants, Delis und Cafés betreibt, sieht die Stärke des Kochens gerade in dieser physischen Realität. Während er beruflich eine Vielzahl an gastronomischen Betrieben leitet, bevorzuge er es privat, meist zu Hause zu kochen. Diese unmittelbare Erfahrung mit Lebensmitteln stehe im krassen Gegensatz zur abstrakten Arbeitsweise von KI-Programmen.

Kochen als analoges Gegengewicht zum digitalen Alltag

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Neben der technischen Analyse thematisiert Ottolenghi auch die psychosoziale Bedeutung der Speisenzubereitung. In einem Bericht vom 9. September 2026 ordnete er sein eigenes Verhalten in einen breiteren gesellschaftlichen Trend ein. Demnach seien etwa 90 % der Bevölkerung als handyabhängig einzustufen. Er selbst nehme sich davon nicht aus und gab an, sein Smartphone etwa viermal pro Stunde zu kontrollieren.

Vor diesem Hintergrund empfiehlt der Gastronom das Kochen explizit als notwendige Bildschirmpause. Die handwerkliche Arbeit in der Küche biete eine Möglichkeit, sich der digitalen Reizüberflutung zu entziehen und sich auf eine haptische Tätigkeit zu konzentrieren. Das Kochen fungiere somit nicht nur der Nahrungsaufnahme, sondern diene als therapeutisches Instrument zur digitalen Entgiftung.

Strategische Reduktion als Antwort auf Krisen

Als praktische Antwort auf aktuelle globale Krisen und den Wunsch nach Vereinfachung hat Ottolenghi gemeinsam mit Verena Lochmuller ein neues Werk konzipiert. Das Kochbuch mit dem Titel „Simple too“ erscheint laut Berichten vom September 2026 im DK Verlag beziehungsweise bei Ebury Press zum Preis von 30 britischen Pfund. Die Philosophie hinter dieser Publikation ist die radikale Reduktion der Komplexität.

Wie das Konzept der Einfachheit konkret umgesetzt wird, zeigen beispielhafte Rezepturen. So komme ein Gericht wie gebackene Hähnchenschenkel mit Joghurt und Zatar mit lediglich drei Zutaten aus.

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Ein weiteres Beispiel aus dem neuen Werk sind Hühnerfleischbällchen mit Spinat, die für vier bis sechs Personen ausgelegt sind. Die Vorbereitungszeit wird mit 15 Minuten angegeben, während die Kochzeit bei 30 Minuten liegt. Das Rezept ergebe exakt 14 Fleischbällchen und lasse sich zudem bereits am Vortag vorbereiten.

Diese Fokussierung auf Effizienz und wenige, aber hochwertige Komponenten unterstreicht den Ansatz, dass gute Küche trotz – oder gerade wegen – ihrer Einfachheit eine Tiefe erreicht, die durch rein datengetriebene Ansätze nicht reproduzierbar ist. Der Mensch bleibt in diesem Prozess der kreative und bewertende Kern, der durch Erfahrung und Geschmackssinn die Brücke zwischen Rohstoff und Genuss schlägt.

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