Gesättigte Fette: CARBFUNC-Studie findet keinen Anstieg von apoB
Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 13:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Debatte über die gesundheitlichen Auswirkungen von gesättigten Fettsäuren erhält durch neue klinische Daten differenzierte Impulse. Eine Untersuchung der norwegischen Universität Bergen, veröffentlicht am 24. Oktober 2026 im Fachjournal eBioMedicine, untersuchte über einen Zeitraum von zwei Jahren die kardiovaskulären Marker bei einer Ernährung mit stark erhöhtem Fettanteil.
Die CARBFUNC-Studie unter der Leitung von Simon Dankel und mit Erstautorin Cathrine Loddervik zeigt, dass eine hohe Zufuhr gesättigter Fette nicht zwangsläufig zu ungünstigeren Gefäßveränderungen führt.
Partikelgröße und Apolipoprotein B im Fokus
An der Untersuchung nahmen 193 Erwachsene mit Adipositas teil. Eine Gruppe steigerte die Aufnahme gesättigter Fette auf mehr als das Doppelte des üblichen Niveaus, sodass fast ein Drittel der täglichen Energiezufuhr daraus bestand – während gängige Richtlinien weniger als 10 Prozent empfehlen.
Trotz dieser Zufuhr stellten die Forschenden keinen Anstieg des Apolipoproteins B (apoB) fest. Zwar stieg das LDL-Cholesterin bei der kohlenhydratarmen, fettreichen Ernährungsweise um 5 bis 10 Prozent an, doch ging diese Erhöhung überwiegend auf größere LDL-Partikel zurück.
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Die Menge der als atherogener geltenden kleinen, dichten LDL-Partikel blieb unverändert. Gleichzeitig sanken die Triglyceridwerte in dieser Gruppe um 20 bis 35 Prozent, während das HDL-Cholesterin um 5 bis 18 Prozent anstieg. Auch bei der Koronarkalzifizierung, die nach zwölf Monaten mittels Computertomografie kontrolliert wurde, gab es keinen Unterschied.
Genetische Faktoren und individuelle Reaktionen
Die Ergebnisse ergänzen die breitere Diskussion um individuelle Ernährungsreaktionen. Daten der DIETFITS-Studie, vorgestellt von Alexa Barad von der Stanford-Universität auf einer Fachtagung der American Society for Nutrition, wiesen bei über 600 Erwachsenen darauf hin, dass die Reaktion auf fettreiche Diäten variiert: Bei Menschen mit einer genetischen Veranlagung zu hohem LDL stieg dieser Wert unter kohlenhydratarmer Kost deutlich stärker an, während bei geringer genetischer Vorbelastung kein signifikanter Anstieg auftrat. Bei fettarmer Ernährung zeigte sich kein entsprechender Zusammenhang.
Fachleute weisen darauf hin, dass Cholesterinwerte maßgeblich erblich bedingt sind. Nach Angaben von Kardiologen wird das LDL-Cholesterin im Wesentlichen genetisch determiniert, während Ernährungsumstellungen den Blutwert oft nur um etwa 10 Prozent senken können. Zudem stellt der Körper 80 bis 90 Prozent des Cholesterins selbst her.
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Prävention und langfristige Lebensgewohnheiten
Trotz der neutralen Gefäßbefunde bei Koronarkalk in der CARBFUNC-Studie bleibt das LDL-Cholesterin in der Kardiologie ein zentraler Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Für gesunde Erwachsene ohne zusätzliche Risikofaktoren werden in der Praxis Richtwerte zwischen 116 und 130 mg/dl genannt, während bei bestehenden Erkrankungen Zielwerte von unter 55 mg/dl angestrebt werden.
Langzeitbeobachtungen wie die niederländische Lifelines-Kohorte mit über 105.000 Teilnehmenden unterstreichen zudem die Bedeutung umfassender Lebensstilfaktoren: Ein hoher Index bei gesunden Gewohnheiten war dort über eine mittlere Nachbeobachtungszeit von 13 Jahren mit einem um 30 Prozent niedrigeren Sterberisiko verbunden.
Ernährungsmediziner betonen daher weiterhin den Nutzen pflanzlicher Fette, ungesättigter Fettsäuren sowie löslicher Ballaststoffe für das gesamte Lipidprofil.
