Gericht genehmigt 23andMe-Vergleich: Staaten erhalten nur 18 Millionen von 150
Veröffentlicht am: 18.07.2026 um 19:16 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Gericht in Missouri hat einen Vergleich über 150 Millionen Dollar genehmigt – doch die betroffenen Staaten sehen nur einen Bruchteil des Geldes.
Der Datenskandal um den Gentest-Anbieter 23andMe zieht weitere Kreise. Das US-Insolvenzgericht für den östlichen Bezirk von Missouri hat am 18. Juli 2026 einem Vergleich zwischen der Nachfolgefirma Chrome Holding und einem Bündnis aus 42 US-Bundesstaaten zugestimmt. Grund ist eine massive Datenpanne aus dem Jahr 2023, bei der die persönlichen Daten von rund sieben Millionen Kunden in falsche Hände gerieten.
Nur ein Bruchteil fließt an die Staaten
Obwohl das Gericht Forderungen in Höhe von 150 Millionen Dollar anerkannte, sieht die Realität anders aus: Aufgrund des laufenden Insolvenzverfahrens werden lediglich 18 Millionen Dollar an die beteiligten Bundesstaaten ausgeschüttet. Für die betroffenen Kunden gibt es eine separate Entschädigung: Ein Fonds in Höhe von 46,8 Millionen Dollar wurde eingerichtet.
Die Ermittlungen der Generalstaatsanwälte aus Delaware und Maryland, die den Vergleich anführten, förderten Erschreckendes zutage: 23andMe habe grundlegende Sicherheitsvorkehrungen vermissen lassen und nach dem Vorfall im Oktober 2023 zunächst versucht, die Schuld auf die Kunden abzuwälzen. Die Hacker waren damals durch Credential Stuffing – dem automatisierten Einsatz gestohlener Login-Daten – in 14.000 Konten eingedrungen. Von dort aus konnten sie die Daten von 6,9 Millionen Nutzern abgreifen, die die Funktion zur Abstammungssuche aktiviert hatten.
Die Entschädigungen für die einzelnen Staaten fallen unterschiedlich aus. Texas erhält rund 1,27 Millionen Dollar, New York bekommt 705.000 Dollar für mehr als 305.000 betroffene Einwohner. Pennsylvania muss sich mit 490.000 Dollar begnügen, South Carolina mit 280.000 Dollar und North Dakota mit 150.380 Dollar.
Strengere Auflagen für die Zukunft
Der Vergleich verpflichtet das 23andMe Research Institute zu weitreichenden Reformen. Ein formelles Datensicherheitsgremium muss eingerichtet werden, regelmäßige Risikobewertungen sind Pflicht. Kunden können künftig die vollständige Löschung ihrer Daten verlangen. Zudem muss das Unternehmen strengere Cybersicherheitsmaßnahmen implementieren – darunter eine zwingende Zwei-Faktor-Authentifizierung und Ratenbegrenzungen, die zum Zeitpunkt des Angriffs fehlten.
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Weitere Sicherheitsvorfälle erschüttern die Branche
Nicht nur 23andMe kämpft mit den Folgen von Cyberangriffen. Der Medizintechnikkonzern Abbott Laboratories bestätigte am 17. Juli 2026, dass man zwei separate Sicherheitsvorfälle untersuche. Die Hackergruppe ShinyHunters beansprucht die Verantwortung für einen Angriff auf die Krebsdiagnostik-Sparte des Unternehmens, der angeblich über einen Vishing-Angriff (Telefon-Betrug) erfolgte. Die Gruppe setzte dem Unternehmen eine Frist bis zum 21. Juli, um auf Erpressungsforderungen zu reagieren.
Parallel dazu meldete eine Gruppe namens ShadowByt3$ einen Einbruch in das LabCentral-Portal. Abbott betont jedoch, dass dort nur öffentliche Dokumente lagern und keine sensiblen Kundendaten oder internen Geschäftsabläufe betroffen seien. Das Unternehmen erwarte keine wesentlichen Auswirkungen.
Frontier Airlines vor Gericht
Auch die Fluggesellschaft Frontier Airlines steht im Fokus. Gleich zwei Sammelklagen wurden am 15. Juli 2026 eingereicht, nachdem es im Mai und Juni dieses Jahres zu Datenlecks gekommen war. Die Gruppe Scattered Lapsus$ Hunters verschaffte sich demnach unbefugten Zugriff auf Systeme mit den personenbezogenen Daten von 11.482 Personen – darunter Mitarbeiter und Kunden.
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Die Klagen werfen Frontier vor, unzureichende Sicherheitsprotokolle unterhalten zu haben, obwohl eine Sicherheitslücke bereits im Frühjahr 2026 bekannt gewesen sei. Zudem habe die Airline die Benachrichtigungen verzögert – diese wurden erst zwischen dem 9. und 14. Juli versandt. Frontier weist alle Vorwürfe zurück.
Fristen für weitere Millionen-Vergleiche
Mehrere andere große Datenschutz-Vergleiche nähern sich entscheidenden Meilensteinen:
- Capital One (Kanada): Ein vorgeschlagener Vergleich über 35 Millionen Dollar für einen Vorfall aus dem Jahr 2019, von dem rund sechs Millionen Kanadier betroffen waren, steht zur gerichtlichen Genehmigung an. Die Anhörung ist für den 22. September 2026 angesetzt. Betroffene können bis zu 25.000 Dollar für nachgewiesene Schäden erhalten. Die Frist für einen Opt-out endet am 11. September 2026.
- Penn Medicine: Ein Vergleich über 9,25 Millionen Dollar wurde wegen der Nutzung von Tracking-Pixeln auf dem myPennMedicine-Portal zwischen Januar 2021 und Januar 2023 erzielt. Einwohner von Pennsylvania, die das Portal nutzten, haben bis zum 16. September 2026 Zeit, einen Anspruch geltend zu machen. Die endgültige Genehmigungsanhörung ist für den 12. November 2026 angesetzt.
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