Generika-Krise, Tamoxifen

Generika-Krise: Tamoxifen für 8,80 Euro bedroht Versorgung

27.06.2026 - 06:42:44 | boerse-global.de

Generikahersteller fordern Finanzhilfen, Investitionen werden gestrichen und die USA leiten eine Handelsuntersuchung gegen Deutschland ein.

Deutsche Pharmaindustrie: Krise, Forderungen und US-Handelskonflikt
Generika-Krise - Nahaufnahme verschiedener Generika-Medikamentenblister und Pillenflaschen auf einer sterilen Oberfläche, mit unscharfem Hintergrund einer Produktionsstätte. 27.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Hersteller von Generika fordern finanzielle Hilfen, während die Politik über Standortsicherung berät. Gleichzeitig droht ein Handelskonflikt mit den USA.

Generika-Hersteller fordern 600 Millionen Euro

Die Produktion von Nachahmerpräparaten in Deutschland wird immer unrentabler. Branchenvertreter verlangen zusätzliche Mittel zwischen 300 und 600 Millionen Euro. Der Grund: extrem geringe Margen bei versorgungskritischen Medikamenten.

Ein Beispiel zeigt das Ausmaß: Eine Dreimonatspackung des Brustkrebsmittels Tamoxifen kostet gerade einmal 8,80 Euro. Die Zahl der Anbieter ist auf acht geschrumpft. Ähnlich sieht es beim Diabetes-Medikament Metformin aus – 5,40 Euro pro Packung, die Anbieterzahl hat sich halbiert.

Die Folge: Deutschland wird abhängiger von außereuropäischen Märkten. Rund 70 Prozent der pharmazeutischen Wirkstoffe stammen aus China und Indien. Bei etwa 500 Medikamenten gibt es derzeit Lieferprobleme.

Bundeskanzler Merz informierte sich am Freitag im Sandoz-Werk in Barleben über die Lage. Die Botschaft war klar: Ohne Preiserhöhungen für kritische Präparate ist die heimische Fertigung nicht wettbewerbsfähig.

Investitionen in Milliardenhöhe gestrichen

Auch forschende Pharmaunternehmen leiden unter den Rahmenbedingungen. Die Sparpläne der Bundesregierung bei der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zeigen Wirkung – im negativen Sinne.

Eli Lilly strich ein geplantes Projekt in Alzey um 2,3 Milliarden Euro zusammen. Boehringer Ingelheim kürzte Investitionen am Standort Deutschland um 900 Millionen Euro.

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Die Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) befasste sich am Donnerstag mit dem Problem. Die Länder forderten mehr Planungssicherheit. Hessen lehnt zusätzliche Abschläge ab und drängt auf Sicherung der Innovationskraft. Im Bundesrat unterstützt das Land zudem eine Anhebung des Apothekenpackungsfixums auf 9,50 Euro – zur Stabilisierung der flächendeckenden Versorgung.

USA leiten Handelsuntersuchung ein

Neuer Druck kommt aus Washington. Die US-Regierung hat am Freitag eine Untersuchung nach Section 301 gegen Deutschland eingeleitet. Der Vorwurf: Die nationale Preisregulierung benachteilige US-Hersteller.

Ein Preisvergleich macht die Diskrepanz deutlich: Das Medikament Jardiance kostet in Deutschland rund 80 Euro, in den USA etwa 300 Dollar.

Drohen Handelssanktionen, müssen deutsche Exporteure mit Zöllen zwischen 10 und 35 Prozent rechnen. Die Folge: Pharmaexporte könnten um 1,3 bis 13,4 Milliarden Euro einbrechen. Kanzler Merz verwies auf die nationale Zuständigkeit für das Gesundheitssystem.

Kassen am Limit – 18,8 Milliarden fehlen

Die Forderungen der Industrie treffen auf klammen Kassen. Der GKV-Spitzenverband meldete Mitte Juni: Die Leistungsausgaben stiegen im ersten Quartal um 8 Prozent. Besonders Kliniken (plus 9,4 Prozent) und Arzneimittel (plus 6,4 Prozent) legten zu.

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Für 2027 zeichnet sich eine Finanzierungslücke von 18,8 Milliarden Euro ab. Die Regierungsentwürfe sehen bisher nur eine Deckung von 16,3 Milliarden Euro vor.

Die Schere zwischen steigenden Kosten und Spardruck öffnet sich weiter. Auch Nachbarländer wie Österreich beobachten die Entwicklung kritisch – dort gibt es ebenfalls Standortschließungen und Stellenabbau in der Branche.

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