Gelenkschmerzen: Zwölf Monate Training sollen Belastbarkeit gezielt steigern
Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 13:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deBei der Behandlung von Schmerzen an Knien, Rücken und Schultern setzt sich in der modernen Orthopädie ein grundlegender Paradigmenwechsel durch. Statt passiver Schonung oder vorschneller operativer Eingriffe rücken zunehmend aktive, strukturierte Bewegungskonzepte in den Mittelpunkt.
Medizinische Einrichtungen wie Sera Med Weiz unter der Leitung des Facharztes für Orthopädie und Traumatologie, Sebastian Sorger, etablieren Programme, die auf gezielte Muskelaktivierung setzen.
Dieser Ansatz folgt den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), die ein gezieltes und medizinisch begleitetes Training als primäre Maßnahme bei den meisten Gelenkbeschwerden einstuft.
Langfristige Trainingskonzepte statt kurzfristiger Ruhigstellung
Das von Sorger bei Sera Med Weiz verfolgte Konzept basiert auf einem individuellen Plan, der Therapie und Training über einen Zeitraum von zwölf Monaten kombiniert. Ziel ist es, Betroffene durch eine kontinuierliche Steigerung der Belastbarkeit aus der Schmerzspirale zu führen.
Für Personen, die bis Ende November 2026 das sogenannte „Schmerzfrei Intensiv Programm“ beginnen, stellt die Einrichtung den ärztlichen Eingangscheck im Wert von 200 Euro kostenfrei zur Verfügung.
Die Notwendigkeit einer solchen aktiven Herangehensweise wird auch vom Verband Physio Deutschland unterstrichen. Der Verband weist darauf hin, dass sich die Mehrheit der Rückenschmerzen nicht auf akute strukturelle Schäden zurückführen lässt. Starke Schmerzen deuten demnach laut wissenschaftlichen Studien meist nicht auf eine gefährliche Ursache hin.
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Klassische Bettruhe gilt in Fachkreisen inzwischen als überholt, da eine moderate Aktivität den Genesungsprozess deutlich besser unterstützt. Zudem zeigen bildgebende Verfahren wie MRT oder Röntgenaufnahmen häufig Auffälligkeiten, die in gleichem Maße auch bei vollkommen schmerzfreien Menschen vorkommen.
Nach Angaben der Physiotherapeutin Vera Schwermer-Funke existieren im Grunde keine verbotenen Bewegungen, sondern vor allem ungewohnte Abläufe; langfristig erzielten aktive Maßnahmen und Training die nachhaltigsten Resultate.
Ganzheitliche Betrachtung und gezielte Rumpfstabilisierung
Neben allgemeinen Bewegungskonzepten gewinnen funktionelle Übungsreihen und biomechanische Ansichten an Bedeutung. Um die Wirbelsäule zu stabilisieren, ohne sie unnötig zu belasten, entwickelte der Forscher Dr. Stuart McGill ein spezielles Trio von Übungen zur Kräftigung der tiefen Bauch- und Rückenmuskeln. Dieses umfasst den Curl-up mit einer Haltedauer von zehn Sekunden bei fünf bis zehn Wiederholungen, den Side Plank für zehn bis 30 Sekunden bei drei bis fünf Wiederholungen pro Seite sowie den sogenannten Bird Dog, der ebenfalls zehn Sekunden gehalten und fünf bis zehn Mal pro Seite wiederholt wird. Sollten während der Ausführung Schmerzen auftreten, wird ein Abbruch sowie die Rücksprache mit therapeutischem Fachpersonal empfohlen.
Einen weiteren funktionellen Blickwinkel vertritt Wolfgang Packi, Leiter der Packi Klinik und Spezialist für Biokinematik. Er argumentiert, dass das Kniegelenk selbst keine Schmerzen generieren könne, da Bewegung biomechanisch in Fuß, Becken und Lendenwirbelsäule entstehe und fehlerhafte Bewegungsabläufe letztlich die Schmerzen im Knie auslösten.
Chirurgische Maßnahmen wie Versteifungen oder künstliche Gelenke führen laut Packi zwar zu Schmerzfreiheit, stellen die Gesundheit jedoch nicht vollständig wieder her, weil funktionelle Fähigkeiten verloren gehen.
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Sein Ansatz konzentriert sich daher auf die Wiederherstellung der Muskelfunktion im Rahmen einer einwöchigen stationären Behandlung, flankiert von spezifischen Spannungsübungen für die Oberschenkelmuskulatur, die jedoch bei akuten Gelenkergüssen nicht angewandt werden dürfen.
Fachgesellschaften und Behandler betonen gleichermaßen, dass die Zukunft der Schmerztherapie in der interdisziplinären Verknüpfung aktiver Bewegungsmuster und der Stärkung der individuellen Belastbarkeit liegt.
