Gehirntraining, Studien

Gehirntraining: Neue Studien belegen messbaren Demenz-Schutz

19.06.2026 - 07:10:27 | boerse-global.de

Neue Prognose sieht Anstieg auf 2,1 Millionen Demenzkranke bis 2060, doch gezielte Prävention könnte die Zahlen bei 1,5 Millionen stabilisieren.

Demenz-Prognose bis 2060: Prävention kann Fallzahlen stabilisieren
Gehirntraining - Ältere Hände, die ein komplexes Puzzle zusammensetzen oder ein Tablet mit Gehirntrainingsübungen bedienen, um kognitive Aktivität darzustellen. 19.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Aktuell sind es rund 1,3 Millionen. Das zeigt eine Prognose des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) zusammen mit den Universitäten Trier, Rostock und Köln.

Das Verhältnis von Erwerbsfähigen zu Demenzkranken verschlechtert sich dramatisch: Von heute deutlich mehr sinkt es bis 2060 auf 21 zu 1. Doch die Forscher geben auch Entwarnung: Mit gezielter Prävention ließen sich die Fallzahlen bei 1,3 bis 1,5 Millionen stabilisieren.

Gehirntraining wirkt – in jedem Alter

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Das menschliche Gehirn bleibt bis ins hohe Alter formbar. Eine Dreijahresstudie des Center for BrainHealth der University of Texas at Dallas mit knapp 4.000 Teilnehmern zeigt: Die Gehirngesundheit lässt sich in jeder Lebensphase verbessern. Entscheidend ist nicht das Bildungsniveau oder das Alter, sondern das persönliche Engagement.

Ein vielversprechender Ansatz ist das Dual-Task-Training. Das EU-Projekt COMPASS setzt dafür auf Orientierungslauf. „Diese Sportart schult gleichzeitig die physische Ausdauer und die kognitive Orientierung“, erklärt Assoz. Prof. Dr. Peter Gröpel von der Universität Wien. Eine App soll das Training für alle Altersgruppen zugänglich machen. Ein Workshop dazu ist für Ende Juni in Wien geplant.

Auch Mikronährstoffe rücken in den Fokus. Magnesium-L-Threonat (MgT) überwindet effizient die Blut-Hirn-Schranke. In einer randomisierten Doppelblindstudie mit 80 Erwachsenen verbesserte der Wirkstoff Schlafqualität und Tagesform – nach ein bis drei Wochen.

Risikofaktoren erkennen – schon bei jungen Erwachsenen

Die Prävention beginnt immer früher. Eine Studie der Universität Leipzig mit 150.000 Teilnehmern zeigt: Risikofaktoren spielen bereits zwischen 20 und 39 Jahren eine Rolle. Bei älteren Menschen dominieren Bluthochdruck und hohe Cholesterinwerte. Bei jüngeren Erwachsenen sind es Rauchen, Bewegungsmangel und Depressionen.

Die Leipziger Forscher schätzen: Rund 36 Prozent der Demenzfälle ließen sich vermeiden, wenn man diese Faktoren angeht.

Auch Social Media beeinflusst die Gehirngesundheit. Eine Studie der Camilo-José-Cela-Universität Madrid und der Universität Bergen mit über 900 Teilnehmern zeigt: Wer täglich mehr als fünf Stunden auf sozialen Plattformen verbringt, hat häufiger Gedächtnislücken.

Und noch ein simpler Faktor: Trinken. Eine südkoreanische Untersuchung deutet darauf hin, dass weniger als 1,2 Liter Flüssigkeit pro Tag mit verstärkten Amyloid-Ablagerungen im Gehirn einhergehen können.

Früherkennung wird präziser

Die Diagnostik macht große Fortschritte. Die Bio-Hermes-001-Studie belegt: Plasma-Biomarker verbessern die Vorhersagekraft für kognitive Leistungen um etwa 11 Prozent. Parallel arbeiten Hersteller wie Sysmex Europe an Plattformen zur Analyse von Blut-Biomarkern wie p-Tau217.

Ein Bluttest der Washington University (GPND-AI) erkennt vier verschiedene neurodegenerative Erkrankungen mit einer Genauigkeit von 92,3 Prozent.

Für den klinischen Alltag entwickelte Dr. Doris Maria Wartmann an der PH Karlsruhe einen Bildertest. Er nutzt visuelle Impulse, um das autobiografische Erzählen bei Demenzpatienten anzuregen. In Feldstudien verbesserte das die Interaktion zwischen Betroffenen und Pflegekräften.

Medikamente und Impfungen – neue Hoffnung?

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Ab dem 1. Juli ist in Deutschland die Vergütung für das Medikament Donanemab vorgesehen. In der Grundlagenforschung zeigen Forscher der Universität Málaga und der ETH Zürich: Seneszente Astrozyten treiben bei Trägern des APOE4-Gens Alzheimer-Prozesse voran. Ein neuer Wirkstoff (CPD10) soll hier ansetzen und Plaques reduzieren.

Überraschend kommt eine Analyse aus den „Annals of Internal Medicine“: Eine Impfung gegen Gürtelrose (Shingrix) könnte das Demenzrisiko innerhalb von vier Jahren um 24 Prozent senken. Die Daten basieren auf über 500.000 Senioren. Kritiker weisen jedoch auf statistische Unsicherheiten und mögliche Interessenskonflikte hin.

Technologische Innovationen zur Diagnostik und Prävention zeigt die „Lange Nacht der Wissenschaften“ am Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg. Dort wird unter anderem eine mobile Geriatrie-Einheit vorgestellt, die moderne Diagnosetechnik direkt in Pflegeeinrichtungen bringt.

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