Gehirntraining: 8 Stunden Speed-Training senken Demenzrisiko um 25%
Veröffentlicht am: 08.08.2026 um 17:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Interdisziplinäre Studien liefern neue Ansätze gegen Demenz und kognitiven Abbau. Die Erkenntnisse reichen von Medikamenten über Ernährung bis zu Gehirntraining.
Alzheimer-Medikament zeigt Langzeitwirkung
Neue Langzeitdaten zum Antikörper Donanemab geben Hoffnung bei früher symptomatischer Alzheimer-Erkrankung. Eine europäische Studie mit 393 Patienten belegt: Die Therapie verlangsamt den kognitiven Abbau signifikant. Auf der CDR-SB-Skala, einem Standardmaß für Demenzsymptome, reduzierte sich der Abbau nach 18 Monaten um 0,7 Punkte im Vergleich zur Kontrollgruppe. Nach 36 Monaten wuchs der Effekt auf 1,1 Punkte. Sicherheitssignale für das Präparat gab es laut Studienberichten keine.
Parallel arbeiten Forscher an besseren Testmethoden. Ein Team der LMU München um Professor Paquet entwickelte ein 3D-Gewebemodell aus Stammzellen. Es enthält Nervenzellen, Astrozyten und Mikroglia – und erlaubt, Amyloid-Aggregate künstlich zu erzeugen. Daran lässt sich testen, wie gut Medikamente diese Alzheimer-Marker auflösen. Eine Automatisierung für großflächige Medikamententests ist geplant.
Glucosamin: Riskant für gefährdete Personen?
Nahrungsergänzung kann auch schaden. Eine 2026 in „Nature Metabolism“ veröffentlichte Analyse zeigt: Bei Patienten mit leichter kognitiver Beeinträchtigung ist Glucosamin mit einer 25 Prozent höheren Demenz-Wahrscheinlichkeit verbunden. Bei bestehender Alzheimer-Erkrankung stieg das Sterberisiko ebenfalls um 25 Prozent. Überraschend: Daten der UK Biobank aus dem Jahr 2023 hatten bei gesunden Personen noch ein verringertes Demenzrisiko nahegelegt. Die Wirkung hängt offenbar stark vom Gesundheitszustand ab.
Ketogene Diät gegen Depressionen
Auch die Ernährung beeinflusst die Psyche direkt. Eine randomisierte kontrollierte Studie in „JAMA Psychiatry“ testete eine ketogene Diät mit weniger als 30 Gramm Kohlenhydraten täglich. Bei den 88 Teilnehmern verbesserte sich der PHQ-9-Score, ein Maß für Depressionssymptome, binnen sechs Wochen deutlich stärker als in der Kontrollgruppe. Der Unterschied betrug -2,18 Punkte. Patienten mit schwerer Depression profitierten am meisten. Langzeiteffekte nach zwölf Wochen ließen sich allerdings nicht bestätigen.
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Weitere Hoffnungsträger: Nicotinamid-Ribosidchlorid (NRC). Zell- und Mausmodelle deuten darauf hin, dass die Substanz Nervenzellen vor alkoholbedingten Schäden schützt. Sie verbessert die mitochondriale Qualitätskontrolle und steigert die kognitive Leistung messbar.
Acht Stunden Training senken Demenzrisiko
Kognitive Übungen zeigen beeindruckende Langzeiteffekte. Die über 20 Jahre laufende ACTIVE-Studie, 2026 ausgewertet, belegt den Nutzen eines spezifischen „Speed-Trainings“. Acht Stunden Training plus Auffrischungseinheiten senkten das Demenzrisiko um 25 Prozent – gemessen an US-Versicherungsdaten. Der genaue Wirkmechanismus bleibt unklar, doch die Langzeitdaten sprechen für gezielte Übungen.
Technologie ergänzt das Training im Arbeitsalltag. ServiceNow entwickelte eine KI-gestützte Plattform zur Stärkung von Konzentration und Lernfähigkeit. Jayney Howson von ServiceNow betont: Solche Systeme sollen menschliches Lernen ergänzen, nicht ersetzen. Die Akzeptanz ist hoch – ein Großteil der Anwender nutzt die Trainings freiwillig wiederholt.
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Isolation und Herzgesundheit: Die unterschätzten Faktoren
Wie stark Umweltfaktoren wirken, zeigt die SOLIS100-Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Sechs Freiwillige verbrachten 100 Tage in Isolation, das Gesamtprojekt dauerte 126 Tage. Die Daten zeigen, wie sich Langzeitmissionen auf körperliche Gesundheit und kognitive Leistungsfähigkeit auswirken.
Die Herz-Hirn-Achse rückt ebenfalls in den Fokus. Eine Studie der Vanderbilt University an 756 Personen zwischen 50 und 92 Jahren untersuchte Träger des Risikogens APOE-e4. Ergebnis: Ein niedrigeres Herzzeitvolumen geht mit geringerem Hirnvolumen und stärkerer Atrophie des Temporallappens einher. Ein direkter kausaler Nachweis steht allerdings noch aus.
Frühe kognitive Prägung zählt ebenso. Analysen der TIMSS-Daten aus 2015 und 2019 zeigen: Die Hejný-Methode im Mathematikunterricht der vierten Klasse führt zu überdurchschnittlichen Leistungen. Ein weiterer Beleg, dass Bildung und Gehirngesundheit eng verzahnt sind.
