Gehirngesundheit, Regelmäßiges

Gehirngesundheit: Regelmäßiges Lesen senkt kognitiven Abbau um 32%

Veröffentlicht am: 13.09.2026 um 17:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der neue OECD-Bericht zeigt sinkende PISA-Werte in Mathematik und Lesen. Deutschland erreicht bei 15-Jährigen einen Tiefstand der letzten 25 Jahre.

OECD-PISA-Bericht: Schülerleistungen weltweit und in Deutschland gesunken
Leere Holzregale in einer ruhigen Bibliothek mit einfallendem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Der im September 2026 veröffentlichte PISA-Bericht der OECD offenbart einen weltweiten Rückgang der Schülerleistungen in den Kernbereichen Mathematik und Lesen. Die Untersuchung, die 91 Länder umfasst, zeigt einen deutlichen Negativtrend bei 15-Jährigen auf.

Während Fachleute die zunehmende Präsenz von Smartphones, sozialen Medien und künstlicher Intelligenz (KI) als Mitursachen identifizieren, warnen Wissenschaftler vor den langfristigen Folgen für die kognitive Entwicklung und die Gehirngesundheit.

Historischer Tiefstand der Bildungsleistungen in Deutschland

In Deutschland hat das Leistungsniveau in den Bereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften einen Tiefpunkt erreicht, der in den vergangenen 25 Jahren nicht verzeichnet wurde. Besonders kritisch bewerten Beobachter die Ergebnisse im Bereich der Lesekompetenz.

Fast jeder dritte 15-Jährige in Deutschland erreicht beim Lesen nicht einmal die Kompetenzstufe 2, die als Mindestniveau für die Teilhabe an der modernen Gesellschaft gilt. Vor drei Jahren lag dieser Anteil noch bei jedem vierten Jugendlichen. Lediglich 7 % der Schüler erreichten die Spitzenstufen 5 oder 6.

Die statistischen Daten verdeutlichen den Abwärtstrend: Im Bereich Lesen erzielten deutsche Schüler im September 2026 durchschnittlich 465 Punkte, während es im Jahr 2012 noch 508 Punkte waren.

In der Mathematik sank der Wert von 514 auf 464 Punkte, und in den Naturwissenschaften verringerte sich die Punktzahl von 524 auf 486. Ein Erziehungswissenschaftler der PH Heidelberg wies darauf hin, dass der Bildungserfolg in Deutschland weiterhin stark von der sozialen Herkunft abhänge.

Während die Leistungen privilegierter Jugendlicher stabil blieben, seien die Ergebnisse sozioökonomisch benachteiligter Gruppen seit 2015 deutlich gesunken.

Auch im internationalen Vergleich zeigen sich drastische Entwicklungen. In der Schweiz erreichte die Lesekompetenz den tiefsten Stand seit Beginn der Studien im Jahr 2000, wobei fast 29 % der 15-Jährigen die Kernaussagen mittellanger Texte nicht erfassen konnten. Österreichische Jugendliche liegen zwar über dem OECD-Mittelwert, verfehlen jedoch ebenfalls ihr früheres Leistungsniveau.

Der Einfluss von Digitalisierung und künstlicher Intelligenz

Als zentrale Faktoren für den weltweiten Leistungsabfall gelten der Medienkonsum und technologische Entwicklungen. Andreas Schleicher, der Gründer der PISA-Studie, betonte im Kontext der Veröffentlichung, dass Lernen durch eine aktive Auseinandersetzung mit Inhalten entstehe. Der Einsatz von KI-Werkzeugen könne diesen essenziellen Prozess aushöhlen, da die kognitive Eigenleistung reduziert werde.

Zusätzlich korrelieren die sinkenden Kompetenzwerte mit einem veränderten Freizeitverhalten. Laut Erhebungen aus dem Jahr 2024 las fast die Hälfte der EU-Bürger innerhalb von zwölf Monaten kein einziges Buch.

In Deutschland sank der Anteil der Buchleser in der Altersgruppe der 18- bis 64-Jährigen von 43 % im Jahr 2021 auf 31 % im Jahr 2025. Auch die tägliche Lesezeit hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten massiv verringert.

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Neurobiologische Vorteile des Lesens für die kognitive Gesundheit

Während die Lesekompetenz sinkt, unterstreichen neurowissenschaftliche Erkenntnisse die Bedeutung des Lesens für die Funktionsweise des Gehirns. Die Neurowissenschaftlerin Ana Asensio erklärte, dass regelmäßiges Lesen nicht nur die Aufmerksamkeit und Konzentration stärke, sondern auch die Neuroplastizität und das Gedächtnis fördere.

Eine im Fachjournal Neurology veröffentlichte Studie aus dem Jahr 2013 belegt zudem, dass regelmäßiges Lesen das Risiko für kognitiven Abbau im Alter um 32 % senken kann.

Weitere Studien verdeutlichen die vielfältigen Effekte auf die Psyche und die soziale Kompetenz:
- Stressreduktion: Forscher der University of Sussex stellten fest, dass bereits sechs Minuten stilles Lesen das Stressniveau um 68 % senken können.
- Empathie: Untersuchungen der University of Toronto und der New School for Social Research deuten darauf hin, dass Leser literarischer Fiktion Emotionen und Absichten anderer besser erkennen können, da das Lesen von Fiktion das Spiegelneuronensystem ähnlich wie reale soziale Interaktionen aktiviere.
- Sprachfähigkeit: Eine Erhebung an der York University unter Studierenden zeigte, dass Leser von Fiktion bessere Sprachfähigkeiten besitzen als Leser von reinen Sachtexten.

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Gesellschaftliche Auswirkungen und Defizite im Bildungssystem

Die sinkende Lesebereitschaft spiegelt sich auch im Schulalltag wider. Berichten zufolge werden im Unterricht kaum noch vollständige Primärtexte gelesen; literarische Werke wie Goethes Faust würden oft nur noch in stark gekürzten Fassungen behandelt.

Experten wie Jeroen Dera von der Radboud Universiteit beobachten eine wachsende Kluft: Zwar geben 40 % der 12- bis 25-Jährigen an, nicht gern zu lesen, doch gleichzeitig äußern zwei Drittel der Oberstufenschüler den Wunsch nach einer intensiveren Leseförderung.

Die Problematik setzt sich im Erwachsenenalter fort. In Österreich haben etwa 29 % der Erwachsenen Schwierigkeiten, Texte sinnerfassend zu verstehen. Dies führt zu einem steigenden Bedarf an Grundkompetenzkursen, wie sie beispielsweise im Burgenland durchgeführt werden, um den Pflichtschulabschluss nachzuholen oder Basiskompetenzen zu sichern.

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