Gehirngesundheit: Bridge senkt Demenzrisiko um 15 Prozent
Veröffentlicht am: 03.09.2026 um 00:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle Auswertungen und wissenschaftliche Untersuchungen verdeutlichen, dass die Förderung der geistigen Leistungsfähigkeit über das klassische Gehirnjogging hinausgeht.
Verschiedene Studien legen nahe, dass komplexe Freizeitaktivitäten wie Lesen, Tanzen, Musizieren oder das Erlernen neuer Sprachen die Gehirngesundheit nachhaltig beeinflussen können. Dabei stehen nicht nur kognitive Aspekte im Vordergrund, sondern auch soziale Interaktion und physische Bewegung.
Die präventive Wirkung von Lesen und sozialen Kontakten
Wissenschaftliche Langzeitbeobachtungen unterstreichen den gesundheitlichen Wert des Lesens. Eine Studie der Yale-Universität, an der über 3.600 Probanden über einen Zeitraum von 12 Jahren teilnahmen, zeigte eine Senkung des Sterberisikos um 20 % bei regelmäßigen Lesern. Neben der allgemeinen Lebenserwartung profitiert insbesondere die Gehirnstruktur von aktiven Lebensstilen.
Forscher der Universität Zürich stellten in einer siebenjährigen Untersuchung fest, dass soziale Aktivitäten maßgeblich zum Erhalt des entorhinalen Kortex beitragen. Dieser Bereich des Gehirns ist für das Gedächtnis von zentraler Bedeutung. Ergänzend dazu weisen Studien wie „Creative experiences and brain clocks“ darauf hin, dass kreative Tätigkeiten und das Musizieren das biologische Alter des Gehirns senken können.
Strategische Spiele und kognitives Training
Besondere Aufmerksamkeit widmet die Forschung komplexen Spielformen. Der Deutsche Bridge-Verband (DBV), der 17.000 Mitglieder in rund 400 Clubs organisiert, verweist auf die sogenannte Paquid-Studie. Diese Untersuchung mit mehr als 3.600 Teilnehmern über einen Zeitraum von 20 Jahren ergab, dass regelmäßiges Kartenspiel das Demenzrisiko um 15 % senken kann.
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Eine Studie aus Warschau bestätigt zudem, dass Bridge den geistigen Abbau verlangsamt. Prof. Dehé von der Universität Konstanz hob hervor, dass Bridge eine eigenständige Kommunikationsform darstellt. Zur weiteren Förderung des Spiels ist für den 01.10.2026 ein bundesweiter Aktionstag geplant.
Auch Schach wird verstärkt in therapeutischen Kontexten untersucht. Das ZI Mannheim nutzt schachbasiertes kognitives Training, um bei Alkoholabhängigen die Aufmerksamkeit und Lebensqualität zu steigern.
Bei Jugendlichen im Alter von 13 bis 17 Jahren konnte durch ein sechswöchiges Training eine Verbesserung des Arbeitsgedächtnisses und des allgemeinen Wohlbefindens erzielt werden. Prof. Vollstädt-Klein vom ZI Mannheim betrachtet Schach dabei als wertvolle Ergänzung zu bereits etablierten Therapiemaßnahmen.
Körperliche Aktivität und kreative Stressreduktion
Unter den untersuchten Hobbys zeigt das Tanzen laut aktuellen Ratgebern die signifikantesten Effekte auf die geistige Fitness, da es Koordination, Rhythmus und soziale Interaktion kombiniert.
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Für eine sanftere Belastung empfiehlt der Sportmediziner Prof. Sven Ostermeier das Boule-Spiel. Es fördere die Konzentration, die Feinmotorik sowie die Hand-Auge-Koordination und sei aufgrund der geringen Gelenkbelastung auch bei körperlichen Einschränkungen geeignet. Zur Vermeidung einseitiger Belastungen rät der Mediziner jedoch zu Aufwärmübungen und ergänzendem Ausdauersport.
Kreativität dient zudem messbar dem Stressabbau. Eine Untersuchung der Drexel University aus dem Jahr 2016 belegte, dass bei 75 % der Teilnehmer bereits nach 45 Minuten künstlerischer Betätigung der Kortisolspiegel sank. In diesem Bereich etablieren sich auch analoge Trends wie die Rätsel-Reihe „Murdle“ oder das in Spanien erfolgreiche Format „Murdoku“ des Verlags Blackie Books, das bereits über 140.000 Exemplare absetzen konnte.
Technologische Ansätze und digitale Innovationen
Ergänzt wird das Spektrum durch digitale Anwendungen. Die Universität Paderborn setzt auf sogenannte Exergames, welche den präfrontalen Kortex aktivieren sollen. Im Bereich der mobilen Anwendungen finden sich Entwicklungen wie die App „Cobble Gobble“ von Manuel Küblböck, die mithilfe von Künstlicher Intelligenz erstellt wurde, oder die Geocaching-Erweiterung „Adventure Lab“.
Auch im akademischen Umfeld werden spielerische Lösungen entwickelt: Studierende der Universität Stuttgart entwarfen unter Leitung von Prof. André Bächtiger das Spiel „Realtopia“, das komplexe gesellschaftliche Debatten in einem fiktiven Zukunftsszenario trainiert.
