Gehirn-Computer-Interface: ALS-Patient kommuniziert 19 Monate stabil
15.06.2026 - 20:50:19 | boerse-global.de
Die Studie in Nature Medicine belegt: Die Technologie verlässt das Labor und hält Einzug in den Alltag.
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Neuer Meilenstein für Brain-Computer-Interfaces
Vier Mikroelektroden-Arrays mit insgesamt 256 Kontakten wurden dem Patienten im Sprachmotorkortex implantiert. Das Ergebnis: An 444 Nutzungstagen kommunizierte er knapp zwei Millionen Wörter. Die durchschnittliche Geschwindigkeit lag bei 56,1 Wörtern pro Minute. Bei standardisierten Aufgaben erreichte das System eine Wortgenauigkeit von 99,2 Prozent.
Besonders beeindruckend: Ab dem 281. Tag konnte der Patient das Interface ohne externe Hilfe bedienen. Der tägliche Systemaufbau dauerte rund 20 Minuten, die Betriebsdauer betrug bis zu 19 Stunden am Stück.
Signalstabilität als Schlüsselfaktor
Selbst nach 19 Monaten waren noch über 90 Prozent der Kontakte aktiv. Das ermöglichte dem Patienten trotz seiner Lähmungen digitale Tätigkeiten wie E-Mails schreiben, im Internet recherchieren oder an Videokonferenzen teilzunehmen – und das in seinem Vollzeitjob.
Die Autoren der Studie heben vor allem die Langzeitstabilität der Signale hervor. Ein entscheidender Faktor für den Einsatz im Alltag.
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BCI-Industrie drängt an die Börse
Parallel zu den wissenschaftlichen Erfolgen formiert sich eine wachsende Industrie. Das Unternehmen Borui Kang reichte am 11. Juni einen Antrag auf Börsengang am STAR Market ein. Angestrebt wird eine Kapitalaufnahme von 2,5 Milliarden Yuan. Bereits im März erhielt das Unternehmen die Zulassung für ein invasives BCI-Medizinprodukt – ein Handschuh-System.
Auch Strong Brain Technology, spezialisiert auf nicht-invasive Technologien, stellte bereits im Januar einen Börsengang in Hongkong in Aussicht. Die hohen Entwicklungskosten für neurotechnologische Anwendungen treiben die Branche an den Kapitalmarkt.
Technische Hürden bleiben bestehen
Trotz der Fortschritte gibt es Einschränkungen. Die aktuellen Systeme sind oft noch kabelgebunden – mit potenziellen Infektionsrisiken an den Austrittsstellen der Elektroden. Zudem basieren viele Erkenntnisse auf klinischen Einzelfallstudien, was eine breite Verallgemeinerung erschwert.
Künftige Entwicklungen müssen zeigen, ob die Systeme vollständig drahtlos und miniaturisiert werden können. Experten bewerten die aktuellen Langzeitdaten dennoch als entscheidenden Schritt zur Alltagstauglichkeit von Hirnimplantaten für Menschen mit schweren neurologischen Einschränkungen.
