Demenz-Risiko, Fälle

Demenz-Risiko: 36 Prozent aller Fälle durch Lebensstil vermeidbar

15.06.2026 - 20:50:19 | boerse-global.de

Forscher identifizieren Risikofaktoren ab dem jungen Erwachsenenalter. Präventionsprogramme und Hilfsangebote sollen Ausbruch verzögern.

Demenz-Risiko: Neue Studie zeigt frühe Einflüsse ab 20 Jahren
Demenz-Risiko - Hände halten ein leuchtendes Gehirnmodell, umgeben von abstrakten medizinischen Daten. Fokus auf Forschung und Prävention von Demenz. 15.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Eine neue Studie zeigt: Die Weichen für die Erkrankung werden viel früher gestellt als gedacht.

Früher als je zuvor: Risikofaktoren ab dem jungen Erwachsenenalter

Bislang galt Demenz als Krankheit des Alters. Eine im Mai 2026 in der Fachzeitschrift Alzheimer's & Dementia veröffentlichte Studie der Universität Leipzig räumt mit diesem Bild auf. Die Untersuchung wertete Daten von rund 150.000 Teilnehmern der NAKO-Gesundheitsstudie aus – im Alter zwischen 20 und 75 Jahren.

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Das Ergebnis: Schädigende Einflüsse auf das Gehirn beginnen bereits ab 20 Jahren messbar die kognitive Leistung zu beeinträchtigen. Die Forscher nutzten den sogenannten LIBRA-Index (Lifestyle for Brain Health), um die Risiken zu gewichten. In der Gruppe der 20- bis 39-Jährigen stehen vor allem Rauchen, Bewegungsmangel und Depressionen im Vordergrund. Bei den über 60-Jährigen dominieren dagegen Bluthochdruck und erhöhte Cholesterinwerte.

Ein niedriger sozioökonomischer Status und das männliche Geschlecht korrelieren zudem mit einem höheren Risiko. Die Botschaft der Wissenschaftler ist klar: Wer sein Gehirn schützen will, muss früh anfangen.

Lebensstil als Medizin: Klinik sucht 100 Probanden

Doch die Forschung bleibt nicht bei der Diagnose stehen. Parallel zu den Grundlagenstudien werden praktische Ansätze zur Risikominimierung erprobt. Eine Klinik in Innsbruck sucht derzeit 100 Teilnehmer im Alter zwischen 55 und 75 Jahren für eine 18-monatige Untersuchung. Das Projekt läuft in Kooperation mit den Universitäten Wien, Graz und Innsbruck.

Die Probanden werden in den Bereichen Bewegung, Ernährung und soziale Aktivitäten unterstützt – persönlich und durch digitale Hilfsmittel wie Apps und Smartwatches. Ziel ist es, die kognitive Reserve zu stärken und den Ausbruch von Symptomen zu verzögern.

Das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) schätzt, dass sich rund 36 Prozent der Demenzfälle durch die gezielte Beeinflussung von Risikofaktoren vermeiden ließen. Eine Zahl, die Hoffnung macht – und zeigt, wie viel Potenzial in der Prävention steckt.

Hilfe für Angehörige: „Café Auszeit“ und digitale Schulungen

Die Forschung allein reicht nicht. Das Gesundheitssystem muss die wachsende Zahl von Betroffenen und deren Familien auffangen. In Deutschland sind derzeit etwa 1,8 Millionen Menschen von Demenz betroffen. Prognosen bis 2050 rechnen mit einem Anstieg auf 2,7 Millionen Fälle. In Österreich sind es rund 170.000 Erkrankte.

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Initiativen wie das „Café Auszeit“ in Rheinland-Pfalz bieten im Juni 2026 kostenfreie Austauschmöglichkeiten für pflegende Angehörige an. Solche niederschwelligen Angebote ergänzen die medizinische Forschung und stärken die soziale Infrastruktur.

Gleichzeitig investiert die Wissenschaft in die Ausbildung von Fachpersonal. Ein zweiwöchiges Fortbildungsprogramm der NYU schult im Juni 2026 Postdoktoranden und Fakultätsmitglieder im Umgang mit großen Forschungsdatenbanken, elektronischen Gesundheitsakten und genetischen Daten. Ziel: die computergestützte Forschung im Gesundheitsbereich voranzutreiben.

Die Botschaft ist eindeutig: Der Kampf gegen Demenz wird auf mehreren Fronten geführt – von der Grundlagenforschung über klinische Studien bis hin zur Unterstützung der Betroffenen. Und er beginnt früher, als viele denken.

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