Geburtshilfe in Gefahr: 570 Stationen statt 1.200, jede dritte Klinik vor Insolvenz
Veröffentlicht: 14.07.2026 um 18:04 Uhr, Redaktion boerse-global.de
200 auf nur noch rund 570. Während die Kliniklandschaft unter massivem wirtschaftlichem Druck steht, versucht Rheinland-Pfalz gegenzusteuern.
1,25 Millionen Euro für Hebammen-Modelle
Das Land stellt für 2026 und 2027 insgesamt 1,25 Millionen Euro bereit. Das Geld fließt in hebammengeleitete Kreißsäle und sogenannte Hebammenzentralen. Gesundheitsminister Clemens Hoch sieht darin „einen Gewinn für die gesamte Versorgung".
Sechs hebammengeleitete Kreißsäle und fünf Hebammenzentralen gibt es bereits. Die Förderung ist an Bedingungen geknüpft: Krankenhäuser brauchen mindestens zwei Kreißsäle, um infrage zu kommen.
Zusätzlich diskutiert die Politik einen „Hebammenbonus": 1.000 Euro jährlich über fünf Jahre, um den Beruf attraktiver zu machen.
Ludwigshafen zeigt, wie es geht
Das St. Marien- und St. Annastiftskrankenhaus in Ludwigshafen hat sein Angebot ab heute erweitert. Ein spezieller Hebammenkreißsaal für risikoarme Geburten ist gestartet, dazu eine Hebammensprechstunde – in der 27. bis 32. sowie der 36. bis 37. Schwangerschaftswoche.
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Das Modell setzt auf Eigenverantwortung der Hebammen. Ärztliche Hilfe bleibt bei Bedarf jederzeit verfügbar. So sollen individuelle Bedürfnisse besser berücksichtigt werden.
Jeder dritten Klinik droht die Insolvenz
Der Ausbau dieser Angebote findet vor einem düsteren Hintergrund statt. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) warnt vor Sparpaketen der Krankenkassen in Höhe von acht Milliarden Euro. DKG-Chef Gerald Gaß rechnet damit, dass jeder dritten Klinik die Insolvenz droht.
Die Zahlen sind alarmierend: Seit 2022 meldeten 85 Krankenhäuser mit 102 Standorten Insolvenz an. Besonders hart trifft es die Geburtshilfe. Branchenexperten befürchten, dass bis zu 61 Prozent der verbliebenen Geburtshilfen wegfallen könnten – ohne zusätzliche Finanzhilfen der Länder.
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Die DKG fordert deshalb einen Länderausgleich von vier Milliarden Euro. Nur so lasse sich die Grundversorgung halten, vor allem auf dem Land.
Die Entwicklung zeigt eine gespaltene Realität: Auf der einen Seite entstehen durch gezielte Förderung neue Betreuungsformen. Auf der anderen Seite gefährdet der wirtschaftliche Druck den Fortbestand der stationären Infrastruktur. Ob die Landesförderung ausreicht, um diese Lücke zu schließen, bleibt abzuwarten.
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