Freundschaften: Neue Studie belegt stärkeren Schutz als Kindheit
Veröffentlicht am: 31.08.2026 um 18:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Qualität zwischenmenschlicher Beziehungen und der Grad der sozialen Einbindung stehen im Zentrum aktueller wissenschaftlicher Untersuchungen zur allgemeinen Gesundheit.
Eine im August 2026 veröffentlichte internationale Studie der Kütahya Health Sciences University, die Daten von 204.907 Befragten aus 22 Ländern auswertete, unterstreicht die Bedeutung stabiler Freundschaften für das psychische und körperliche Wohlbefinden.
Den Ergebnissen zufolge ist die Zufriedenheit mit bestehenden Freundschaften in Indonesien am höchsten ausgeprägt, während Befragte in Japan die niedrigsten Zufriedenheitswerte aufwiesen. Die Forscher stellten fest, dass der Einfluss von Freundschaften im Erwachsenenalter stärker gewichtet werde als prägende Erfahrungen aus der Kindheit.
Prävention durch Bewegung und spezialisierte Tanzprogramme
Neben sozialen Kontakten rücken auch physische Aktivitäten zur Erhaltung der kognitiven Leistungsfähigkeit in den Fokus der Wissenschaft. Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina thematisierte Ende August 2026 Möglichkeiten der Demenzprävention.
Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2023, die 29 Studien mit insgesamt über 1.700 Teilnehmern berücksichtigte, belegt positive Effekte von Tanztrainings auf das Gedächtnis und das Gleichgewichtsgefühl bei Demenzerkrankungen. In diesem Zusammenhang untersucht die DiADEM-Studie aktuell die Auswirkungen eines sechsmonatigen Tanzprogramms.
Die praktische Umsetzung solcher Erkenntnisse wird unter anderem durch den Allgemeinen Deutschen Tanzlehrerverband (ADTV) gefördert, der bereits 400 Fachtanzlehrer für Senioren ausgebildet hat.
Zu den Absolventen gehört die Schauspielerin Esther Schweins, die sich für das Konzept „Tanzen auf Rezept“ einsetzt. Diese Form der Bewegung könne nicht nur das Sturzrisiko senken, sondern auch die kognitive Leistung fördern und der Einsamkeit im Alter entgegenwirken.
Kognitive Reserve durch Mehrsprachigkeit und Sport
Weitere Schutzfaktoren für das Gehirn wurden im Rahmen der Fachkonferenz FENS 2026 diskutiert. Eine Studie des Basque Center on Cognition, Brain and Language unter der Leitung von Dr. Lucia Amoruso zeigte auf, dass Mehrsprachigkeit die Gehirnalterung signifikant verzögern kann.
Bei Personen, die vier Sprachen beherrschen, wurde eine Verzögerung von bis zu 13 Jahren festgestellt. Entscheidend seien hierbei die Tiefe und die Dauer der jeweiligen Spracherfahrung.
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Ergänzend dazu belegen statistische Auswertungen den Nutzen von Sport bei psychischen Belastungen. Laut einer im Fachmagazin Lancet veröffentlichten Studie aus dem Jahr 2018 mit 1,2 Millionen Teilnehmern verzeichnen sportlich aktive Menschen 43 Prozent weniger Tage mit beeinträchtigter psychischer Gesundheit als Nicht-Sportler.
Spezifische Untersuchungen deuten darauf hin, dass Krafttraining bei Angststörungen in 87 Prozent der Messungen zu Verbesserungen führte, während Jogging bei Depressionen eine ähnliche Wirksamkeit wie Antidepressiva entfalten könne.
Gesellschaftliche Herausforderungen und psychische Belastungen
Die globalen Herausforderungen spiegeln sich in den steigenden Zahlen psychischer Erkrankungen wider. Psychiatrie-Experten wie Friedrich Stiefel vom Universitätsspital Waadt verweisen auf eine Lancet-Studie, wonach weltweit 1,2 Milliarden Menschen psychisch erkrankt sind – nahezu eine Verdoppelung innerhalb von 30 Jahren.
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Als Ursachen werden aktuelle Krisen in den Bereichen Energie, Sicherheit und Klima angeführt. Stiefel empfehle daher gezielte Investitionen in tragfähige Beziehungen und die Förderung der individuellen Handlungsfähigkeit.
Besonders junge Menschen zeigen sich belastet. Die im August 2026 vorgestellte Sinus-Jugendstudie der Barmer-Krankenkasse unter 2.000 Jugendlichen im Alter von 14 bis 17 Jahren ergab, dass sich 33 Prozent der Befragten durch Schulstress stark belastet fühlen. Mädchen sind mit 42 Prozent deutlich häufiger betroffen als Jungen (25 Prozent).
Innovative Ansätze in Forschung und sozialem Engagement
In der pharmazeutischen Forschung werden neue Wege zur Behandlung neurodegenerativer Erkrankungen erprobt. Ein Team der University of South Carolina unter Professor Peisheng Xu entwickelte ein sogenanntes Nanogel, das Antikörper direkt ins Gehirn transportiert. Bei Versuchen mit Mäusen, die Alzheimer-Symptome aufwiesen, habe dies nach wenigen Injektionen zu einer Verbesserung des Verhaltens geführt.
Parallel dazu gewinnen zivilgesellschaftliche Initiativen an Bedeutung. Der Frankfurter Verein „Freunde alter Menschen“, der im Jahr 2020 von Cleo Matzken und Sophie Krausch gegründet wurde, vermittelt Besuchspartnerschaften zwischen Jung und Alt.
Mit derzeit 110 Paaren wirkt der Verein der Vereinsamung entgegen, die laut dem Einsamkeitsbarometer 2024 insbesondere Menschen über 75 Jahre betrifft, aber auch bei jungen Erwachsenen im Alter von 21 bis 30 Jahren vermehrt auftritt.
