Fremdsprachenlernen: Studie mit 207 Personen zeigt Vorteil präzisen Hörens
Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 20:14 Uhr | Redaktion boerse-global.deEine präzise auditive Wahrnehmung erleichtert das Erlernen einer Fremdsprache maßgeblich. Zu diesem Ergebnis kommt eine wissenschaftliche Untersuchung des University College London (UCL) und der Tohoku-Universität, die im Journal of Experimental Psychology: General veröffentlicht wurde.
Die Daten von 67 japanischen Englischlernenden belegen, dass eine höhere auditive Präzision mit einer schnelleren sowie genaueren Aussprache einhergeht.
Gleichzeitig zeigt sich bei diesen Personen eine geringere Aktivierung des linken sensomotorischen Systems im Gehirn. Wer hingegen über eine geringere Hörpräzision verfügt, aktiviert dieses Netzwerk stärker und greift vermehrt auf vertraute Muster der Muttersprache zurück.
Akustische Differenzierung und Gehirnaktivität im fMRT
Im Rahmen der Forschungsarbeit wurden Tests mit Nicht-Sprach-Geräuschen durchgeführt, um die auditive Genauigkeit bezüglich Tonhöhe, Länge und Klangfarbe zu messen.
Mittels funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) untersuchten die Wissenschaftler zudem, wie die Probanden die englischen Vokale in Wörtern wie „cat“ (/æ/) und „cup“ (/?/) verarbeiten – zwei Laute, die im Japanischen nicht existieren. Eine ergänzende Veröffentlichung der UCL beziffert die Gesamtzahl der Teilnehmenden auf 207 Personen, von denen 67 den fMRT-Teil durchliefen.
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Die Auswertungen verdeutlichen grundlegende Unterschiede in der neuronalen Signalverarbeitung: Bei Personen mit hoher auditiver Präzision ähneln die Hirnmuster bei Fremdsprachenvokalen der Verarbeitung von Nicht-Sprach-Schall.
Ein feineres Gehör für Klangunterschiede erlaubt es Lernenden, neue fremdsprachliche Laute zunächst objektiv aufzunehmen, ohne sie unmittelbar als Sprache zu verarbeiten. Bei geringerer Präzision erfolgt dagegen eine rasche Zuordnung zu bestehenden Aussprachemustern der eigenen Muttersprache.
Konsequenzen für den Fremdsprachenunterricht
Studienleiter Dr. Kazuya Saito-van Poeteren vom UCL Institute of Education weist darauf hin, dass Fremdsprachenunterricht über das bloße Prinzip stetiger Wiederholung hinausgehen sollte.
Die meisten Lernenden konzentrierten sich bislang auf das Einprägen von Vokabeln und klassisches Zuhören, doch ein gezieltes Training der auditiven Fähigkeiten könne wesentliche Vorteile bieten. Bestehende Schwierigkeiten rühren demnach häufiger von unzureichender Exposition und traditionellen Lehrmethoden her als von biologischen Barrieren.
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Gerade wenn eine Fremdsprache nur wenige Stunden pro Woche gehört und gesprochen werde, mache ein geschultes Gehör einen spürbaren Unterschied. Die beteiligten Forscher raten daher zu einer Kombination aus Sprachvermittlung und Hörübungen.
Infrage kommen Phonetik-Einheiten und das Training sogenannter Minimalpaare, bei denen Bedeutungsunterschiede an einzelnen Lauten hängen, wie etwa bei „ship“ und „sheep“ oder dem deutschen Begriffspaar „bad“ und „bed“. Ergänzend könnten digitale Anwendungen zur Klangunterscheidung eingesetzt werden.
Einordnung der Ergebnisse und methodische Grenzen
Fachleute mahnen zugleich zu einer differenzierten Betrachtung der Resultate. Padraic Monaghan von der Universität Lancaster erklärt, dass traditionelles Lernen zwar stark auf strukturierter Übung beruhe, das menschliche Gehirn jedoch von Natur aus auf Spracherwerb durch Exposition ausgelegt sei.
Zuhören bilde eine entscheidende Grundlage, auch wenn sich die Sensibilität für Schallmuster gerade in frühen Phasen von Mensch zu Mensch unterscheide. Monaghan hebt hervor, dass die Ergebnisse keineswegs bedeuten, Grammatik oder Vokabellernen seien überflüssig. Zudem sei nicht erwiesen, dass alle Menschen ihre Hörfähigkeit im gleichen Maße steigern können.
Einschränkend verweisen die Autoren darauf, dass in der Untersuchung ausschließlich spezifische Vokale an einer kleineren Gruppe japanischer Lernender analysiert wurden. Ein generelles, unveränderliches Sprachtalent oder eine Erfolgsgarantie für bestimmte Trainingsmethoden lässt sich aus den Daten nicht ableiten.
Die Relevanz der Tonhöhenwahrnehmung stützt zudem eine Vorgängerstudie von Saito und Adam Tierney aus dem Jahr 2025: Darin zeigte sich, dass Lernende mit ungenauem Gehör für Tonhöhen trotz intensiven Kontakts mit der Zielsprache teils Rückschritte bei der Intonation und Satzmelodie verzeichneten.
