Fleischdiät: WHO warnt vor 18% erhöhtem Darmkrebsrisiko täglich
Veröffentlicht am: 22.08.2026 um 13:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der britische Abenteurer Bear Grylls hat in den vergangenen Jahren eine signifikante Umstellung seiner Lebensweise vollzogen, die in der Ernährungswissenschaft auf kritisches Echo stößt. Nachdem er sich zuvor fünf Jahre lang vegan ernährt hatte, wechselte der heute 52-Jährige im Jahr 2020 zu einer rein karnivoren Diät.
Sein Speiseplan besteht seither vornehmlich aus Steaks, Eiern und Innereien. Diese Entscheidung und die damit verbundenen gesundheitlichen Implikationen sind Gegenstand aktueller wissenschaftlicher Analysen.
Motivation und kommerzieller Hintergrund
Die Umstellung der Ernährung im Jahr 2020 erfolgte laut Grylls aufgrund gesundheitlicher Probleme seines Sohnes Jesse. In der Folge entwickelte sich aus der privaten Entscheidung auch ein geschäftlicher Zweig: Die Familie vermarktet unter dem Namen „Modern Savage“ eine eigene Supplement-Linie.
Fachleute weisen in diesem Zusammenhang jedoch darauf hin, dass wissenschaftlich fundierte Belege für die spezifischen gesundheitlichen Vorteile einer rein karnivoren Ernährung bislang fehlen.
Ergebnisse aktueller Übersichtsarbeiten
Eine im Jahr 2026 veröffentlichte Studie zeichnet ein problematisches Bild dieser extremen Ernährungsform. Die Übersichtsarbeit dokumentiert bei Personen, die sich karnivor ernähren, deutlich erhöhte Cholesterinwerte.
Zudem wurden systematische Defizite bei der Versorgung mit essenziellen Nährstoffen festgestellt. Insbesondere mangelt es an Vitamin C, Vitamin D, Magnesium und Ballaststoffen, was langfristig die körperliche Gesundheit beeinträchtigen kann.
Einschätzungen der Weltgesundheitsorganisation
Die gesundheitlichen Risiken eines hohen Fleischkonsums werden auch von internationalen Institutionen hervorgehoben. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft rotes Fleisch als wahrscheinlich krebserregend ein.
Verarbeitetes Fleisch wird von der Organisation sogar als eindeutig krebserregend klassifiziert. Den Daten der WHO zufolge erhöht bereits ein täglicher Konsum von 50 Gramm verarbeitetem Fleisch das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, um 18 Prozent.
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Physiologische Risiken und Verzehrempfehlungen
Medizinische Experten wie Dr. Matthias Riedl warnen vor den spezifischen Bestandteilen von rotem Fleisch. Besonders das enthaltene Häm-Eisen gelte als bedenklich, da es die Darmschleimhaut reizen könne.
Ein weiteres Risiko stellt die Zubereitung dar: Beim Grillen oder Braten unter hohen Temperaturen bilden sich krebserregende aromatische Amine. Aufgrund dieser Faktoren lautet die fachliche Empfehlung, den Verzehr von rotem Fleisch auf eine Menge von maximal 300 bis 500 Gramm pro Woche zu begrenzen.
Hinsichtlich der Eiweißzufuhr gibt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) einen Richtwert von 0,8 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht am Tag vor. Für ältere Menschen kann dieser Bedarf auf bis zu 1,6 Gramm ansteigen.
Während eine fleischlose Ernährung laut Beobachtungen das Risiko für Bauchspeicheldrüsen-, Prostata- und Brustkrebs senken kann, weisen Vegetarier wiederum ein höheres Risiko für Speiseröhrenkrebs auf, was auf einen potenziellen Vitamin-B-Mangel zurückgeführt wird.
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Gesellschaftlicher Kontext extremer Diäten
Die Ernährungswissenschaftlerin Petra Rust von der Universität Wien bewertet extreme Diäten grundsätzlich als problematisch. Die Gebatte um die richtige Ernährungsweise spiegelt sich auch in der deutschen Bevölkerung wider. Einer aktuellen Erhebung zufolge empfinden 52 Prozent der Deutschen das Thema Ernährung als anstrengend.
Gleichzeitig geben 72 Prozent der Befragten an, dass sie der Meinung sind, sich eigentlich gesünder ernähren zu müssen. Die karnivore Diät, wie Grylls sie praktiziert, bleibt vor diesem Hintergrund eine kontroverse Randerscheinung ohne breite wissenschaftliche Unterstützung.
